26. Mai 2021
Corona-Impfung: So wirkt sich Stress aus

So wirkt sich Stress auf die Corona-Impfung aus

Vielen ist bekannt, dass Stress ungesund ist und möglichst vermieden werden sollte. Zu viel Stress kann auch die Schutzwirkung der Corona-Impfung beeinflussen. Ein Psychoneuroimmunologe erklärt, warum das so ist.

Anstrengender Sport oder Alkoholgenuss – es gibt einiges, was Sie nach der Corona-Impfung meiden sollten, um das Immunsystem nicht noch mehr zu belasten und die Antikörperbildung zu beeinträchtigen. Ein weiterer Faktor, den Sie nicht außer Acht lassen sollten, ist Stress.

Psyche hat Einfluss auf unser Immunsystem

Im Gespräch mit der Berliner Zeitung erklärt Psychoneuroimmunologe Christian Schubert, warum und wie sich Stress auf den Immunschutz auswirkt. „Die Subsysteme in unserem Organismus – Immun-, Nerven-, Hormonsystem und auch die Psyche – arbeiten aber nicht unabhängig voneinander. Sie sind Teil eines großen Ganzen.“ Aus diesem Grund sei die Wirkrichtung der Psyche auf das Immunsystem „sehr mächtig und kraftvoll.“

Laut Schubert reagiert das Immunsystem auf akuten Stress mit einem Anstieg der zellulären Immunaktivität. „Diese kann gemessen werden, indem etwa bestimmte Zytokine im Blut nachgewiesen werden.“ An sich ist dieser stressbedingte Immunanstieg gut, da der Immunschutz gesteigert wird. Der Körper geht in eine Abwehrhaltung, da es möglich ist, dass mit dem eintretenden Stress auch Viren oder Bakterien einhergehen. „Damit der Immunboost nicht überhandnimmt und dem Körper schadet, wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet.“ Das Cortisol ist dafür zuständig, die zelluläre Immunaktivität wieder zu reduzieren.

Corona-Impfung und Stress: Cortisol beeinträchtigt Impfeffekt

Eine kurzzeitige Stressreaktion ist per se kein Problem. Kritisch wird es, wenn der Körper dauerhaft unter Stress steht – da dann der Körper auch dauerhaft Cortisol ausschüttet. „Chronischer Stress verschlechtert die Immunfunktionen und damit kann auch der Impfeffekt schlechter ausfallen und weniger schützen“, fasst Christian Schubert zusammen. Als Beispiel nennt der Experte ältere, pflegebedürftigen Menschen, die aufgrund ihrer Situation Stress empfinden. Es konnte nachgewiesen werden, dass sie bei einer Influenza-Impfung eine schlechtere Immunfunktion haben als sozial eingebettete und nicht pflegebedürftige Menschen.

Gänzlich neu ist diese Erkenntnis nicht: Britische Forscher aus Birmingham hatten bereits 2002 einen Zusammenhang zwischen Stress und der Körperreaktion auf eine Meningitis-C Impfung feststellen können. Bei den Probanden, die besonders unter Stress litten, waren weniger Antikörper zu finden.

Soziale Kontakte steigern Immunschutz

Einen gegenteiligen Effekt haben Faktoren wie soziale Integration und Unterstützung, eine optimistische Einstellung, glückliche Partnerschaften sowie Freundschaften, die unseren Immunschutz verbessern. Abschließend hat Schubert folgenden Appell, um langfristigen chronischen Stress zu vermeiden: „Die Gesundheitsminister müssten jetzt beginnen, ganz massiv in die psychosoziale Betreuung von Menschen zu investieren.“ 

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