25. Juni 2021
Corona-Impfung: Kommt eine kalte Impfpflicht?

Corona-Impfung: Kommt eine kalte Impfpflicht?

Die Mehrzahl der Menschen in Deutschland können sich in naher Zukunft gegen das Coronavirus impfen lassen. Wer sich nicht impfen lassen möchte, könnte bald unter Druck geraten. Das hat es mit der indirekten oder kalten Impfpflicht auf sich.

Was bedeutet eine kalte Impfpflicht?

Aus gesundheitlicher Sicht spricht zwar alles dafür, sich impfen zu lassen, da das Coronavirus deutlich gefährlicher als jegliche Impfreaktionen oder Nebenwirkungen ist. Dennoch gibt es einen kleinen Teil der Bevölkerung, der sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht impfen lassen möchte oder kann. Für diese Personen könnte der gesellschaftliche Druck steigen, sich impfen zu lassen. Ein Art kalte Impfpflicht – auch indirekte Impfpflicht genannt – wird es wahrscheinlich geben, sobald jede Person die Möglichkeit bekommen hat, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Wenn das gesellschaftliche Leben „nach der Pandemie“ wieder im normalen Rahmen stattfinden kann, könnten Ungeimpfte von bestimmten Aktivitäten wie Flugzeugreisen, Restaurantbesuchen oder der Arbeit ausgeschlossen werden – es sei denn, sie können einen aktuellen negativen Coronatest vorweisen. 

Der Kolumnist Sascha Lobo definierte die kalte Impfpflicht auf spiegel.de folgendermaßen:

Die kalte Impfpflicht ist eine nicht gesetzlich festgeschriebene, aber faktische Impfpflicht, weil der ungeimpfte Alltag für viele Leute schwierig bis unmöglich wird. Die kalte Impfpflicht wird getrieben vom Verhalten der geimpften Mehrheit, vom wirtschaftlichen Druck auf Unternehmen mit Publikumsverkehr und vom öffentlichen Wunsch, der ganze Shit möge endlich, endlich vorbei sein. Wahrscheinlich werden auch Virusvarianten eine gewisse Rolle spielen.

Die Virusvarianten könnten tatsächlich eine große Rolle spielen. Sollte das Coronavirus endemisch werden und alljährlich wie die Grippe in neuen Formen und Mutationen wiederkehren, könnten Impfverweigerer, je nach Bedrohlichkeit der Mutationen, saisonal vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden, um eine erneute Pandemie zu verhindern. Ungeachtet der Überlegungen zur kalten Impfpflicht sollte sich jeder Impfverweigerer überlegen, ob er oder sie sich nicht doch noch impfen lassen möchte. Denn laut Christian Drosten, dem Virologe der Berliner Charité, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ungeimpfte sich auf längere Sicht nicht infizieren, äußerst gering: „Wer sich nicht impfen lässt, wird sich unweigerlich infizieren“, sagte der Virologe im NDR-Podcast Das Coronavirus-Update.

Was passiert, wenn die Teststrukturen wegfallen?

Da es keine gesetzlich festgeschriebene Impfpflicht in Deutschland gibt, hat jede Person das Recht, sich nicht gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Derzeit besteht für diese Menschen auch keine indirekte Impfpflicht, da sie sich fast jederzeit und überall mit Schnelltests, PCR-Tests oder Selbsttests auf eine Infektion hin testen lassen können. Aus rein pragmatischen und finanziellen Gründen könnten jedoch Test-Infrastrukturen wegfallen, sobald die große Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist. „Mittelfristig ist eine Test-Infrastruktur komplexer, weniger Erfolg versprechend und teurer als die Impfung samt Impfkontrolle“, sagt Sascha Lobo. Aus diesen Gründen könnten sich Unternehmen möglicherweise dazu gezwungen sehen, nur noch Mitarbeiter*innen mit Impfnachweis anzustellen.

Können Unternehmen Angestellte zur Corona-Impfung zwingen?

Viele Angestellte fragen sich zudem, ob ihr Arbeitgeber einen Impfnachweis verlangen darf. Für bereits bestehende Arbeitsverhältnisse wäre hierfür rechtlich gesehen eine nachträgliche Vertragsänderung notwendig. Dies geht nur unter der Zustimmung beider Seiten. Ihr Arbeitgeber kann Ihnen somit keine Impfpflicht auferlegen. Das Hygienekonzept der jeweiligen Firma mit eventuellen Schnelltests muss jedoch jeder Arbeitnehmer einhalten, um andere nicht zu gefährden.

Video: Impfpflicht und Zwangsimpfungen – was ist erlaubt?

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