6. April 2021
Corona-Impfung beim Hausarzt: der genaue Ablauf

Corona-Impfung beim Hausarzt: Wie läuft die Impfstoff-Verteilung in den Praxen ab?

Die Verteilung der Corona-Impfstoffe läuft schleppend. Aus diesem Grund bieten seit heute auch Ärzte in ihren Praxen die Corona-Impfung an. Allerdings sind die verfügbaren Impfstoffmengen begrenzt und es gibt noch viele offene Fragen zum genauen Ablauf.

Ab heute (6. April) werden die Corona-Impfungen nicht nur in Impfzentren, sondern auch bundesweit bei 35.000 Hausärzten verabreicht. Die verfügbare Impfstoffmenge ist zu Beginn noch recht überschaubar. In der ersten Woche stehen insgesamt  940.000 Impfdosen zur Verfügung – etwa 26 Dosen pro Praxis. In der Woche vom 26. April gibt es dann deutlichen Nachschub. Man erwartet mehr als 3 Millionen Dosen. 

Zu Beginn keine Impfungen mit AstraZeneca und Moderna in Hausarztpraxen

Wie die FAZ berichtete, werde zu Beginn ausschließlich das Vakzin von Biotech geimpft, nicht die Impfstoffe von Moderna oder AstraZeneca. Ab der Woche vom 19. April soll dann auch die Vektorimpfstoffe AstraZeneca und in der Folge auch Johnson & Johnson erhältlich sein. Es ist laut Bundesgesundheitsministerium nicht möglich, dass Patienten sich das Präparat aussuchen können. 
Ein möglicher Erklärungsansatz, warum der Impfstoff von Moderna nicht verabreicht wird, könnten logistische Gründe sein. Auf einem instabilen Transportweg könnte der mRNA-Impfstoff von Moderna wirkungslos werden.

Corona-Impfung in Arztpraxen: Die Vorteile 

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) teilte Anfang März mit, dass die Ärzteschaft dieses Unterfangen unterstützen und alle Fachärzte für die Corona-Impfungen zur Verfügung stünden, wie die ÄrzteZeitung weiter berichtete. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte bereits im Februar gefordert, dass so bald wie möglich die Schutzimpfungen in den Arztpraxen angeboten werden sollen, um die Impfzentren zu unterstützen. „Ohne die zügige Einbindung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wird die Impfkampagne schon bald in einem gigantischen Stau nicht verabreichter, aber dringend benötigter Impfdosen stecken bleiben“, warnte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen im Gespräch mit der ÄrzteZeitung. Das Ziel der Bundesregierung, dass bis Ende September jeder Bürger ein Impfangebot bekommen soll, könnte so allein nicht erreicht werden.

Ein weiterer Vorteil, der das Impfen in den Arztpraxen ermöglicht, wäre die wohnortnahe und leicht zu erreichende Anlaufstelle für alle, die sich impfen lassen möchten, so KBV-Vizechef Dr. Stephan Hofmeister. Zudem haben viele Patienten mehr Vertrauen in ihren Hausarzt und fühlen sich in der bekannten Arztpraxis wohler als beispielsweise in einem großen, anonymen Impfzentrum. Das spiegelt auch die Befragung des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH) wider. 87 Prozent der Befragten gaben an, sich am liebsten beim Haus- oder Facharzt impfen zu lassen. Impfzentren erhalten der repräsentativen Umfrage zufolge 73 Prozent Zustimmung und Kliniken 68 Prozent.

Das Impfen in den Arztpraxen bedeutet ebenfalls einen geringeren bürokratischen Aufwand und weniger Papierkram, da in den Praxen bereits notwendige Daten hinterlegt sind, die für die Impfdokumentation wichtig sind. 

Corona-Impfung beim Arzt: Wann und wie bekomme ich einen Termin?

Zu Beginn kann nicht jede Arztpraxis mit Impfstoff beliefert werden. Von daher gilt die festgelegte Impf-Priorisierung der Bundesregierung. Eine zentrale Einladung für die Patienten gibt es daher nicht, wie das Bundesgesundheitsministerium erläutert. Wie die Impftermine vergeben werden, regeln die Praxen zum Beispiel per Telefon oder mit Online-Buchungen selbst. Da die Nachfrage hoch sein wird, sind längere Wartezeiten zu erwarten. 

Im Vorhinein gab es etliche, offene Punkte, welche geklärt werden mussten. Fragen zur Verfügbarkeit der Impfstoffe und deren Verteilung, das nötige Impfzubehör und die eigenständige Datenmeldung an das Robert-Koch-Institut (RKI) befanden sich laut KBV im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt derzeit „in letzten Abstimmungen zwischen allen Be­teiligten.“

Impfen in Hausarztpraxen vorher in Modellprojekten erprobt

Thomas Maurer, Vorsitzender des Hausarzt-Verbandes Schleswig-Holstein, sagte im Interview mit dem NDR: „Wir brauchen vor Ort beispielsweise eine Apotheke, die in der Lage ist, größere Mengen Impfstoff entsprechend zu lagern und dann zu uns in die Praxis zu bringen“, sagte Maurer. Damit das Impfen beim Hausarzt reibungslos klappt, müssen die Abläufe vor Ort angepasst werden, damit verschiedene Patientengruppen möglichst kaum in Kontakt kommen und somit das Ansteckungsrisiko gering bleibt. 

Vorab liefen bereits erste Modellprojekte in einigen Bundesländern wie in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg, in denen das Impfen in den Arztpraxen erprobt werden soll. Niedersachsens Ge­sund­heits­mi­nis­terin Carola Reimann hatte laut Deutsches Ärzteblatt dazu erklärt, dass die Probeläufe dazu dienten, Logistik und Lagerung der Impfstoffe und technische Abläufe durchzuspielen. In sechs Krankenhäusern in Brandenburg werden Impfungen für Lehrer der Grund- und För­der­schulen erprobt und angeboten.

Video: Hausärzte starten bundesweit mit Impfungen

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