13. Februar 2010
Bakterielle Scheideninfektion: Ursachen, Symptome, Behandlung

Bakterielle Scheideninfektion: Ursachen, Symptome, Behandlung

Es brennt, es juckt, es riecht etwas unangenehm - Das sind typische Symptome einer Scheideninfektion. Verursacher sind meist Bakterien.

Scheideninfektion
© George Mayer/Fotolia.com
Scheideninfektion

Scheideninfektionen sind die häufigste Erkrankung in der Frauengesundheit. Mehr als die Hälfte aller Frauen leiden phasenweise darunter – oft ohne sich behandeln zu lassen. Dabei sind die Komplikationen nicht zu unterschätzen: Bakterielle Vaginalinfektion, auch bakterielle Vaginose genannt, ebnen den Weg für Blasenentzündungen, Gebärmutterhals- und Eileiterinfektionen. Richtig gefährlich werden sie für Schwangere, denn sie sind für 70 Prozent der Fehlgeburten verantwortlich. Jede fünfte werdende Mutter leidet an einer gestörten Scheidenflora, bei der sich die Bakterien namens Gardnerella vaginalis tausendfach vermehren können. Deshalb ist es auch umso wichtiger, Erkrankungen wie eine Vaginose ernst zu nehmen und zu behandeln.

Häufige Ursachen für Scheideninfektionen

Zahlreiche Mikroorganismen, auch autochthonen Keime genannt, sind um die Scheide herum besiedelt, sie bilden die natürliche Scheidenflora. Die Milchsäurebakterien, auch Laktobazillen genannt, überwiegen in dem gesunden Scheidenmilieu und sorgen durch Laktat für einen günstigen, sauren pH-Wert von 3,6 bis 4,5. Der natürliche, leicht trübe und geruchslose Ausfluss bildet zusammen mit den großen Schamlippen ein natürliches Schutzsystem, Wasserstoffperoxid wird gebildet und auf dessen Weise der Wachstum von krankheitserregenden Bakterien über die Vagina in die Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke gehemmt.

Die bakterielle Vaginose, auch Aminvaginose genannt, nimmt seit einigen Jahren zu. Die Erreger bei einer solchen Infektion sind meist Bakterien, Viren, Pilze oder einzellige Organismen (Protozoen). Bakterien werden beim Stuhlgang aus dem Darm durch Kontakt- oder Schmierinfektionen vom Po auf die Vagina übertragen. Stoppt man den Wachstum der Bakterien nicht, besiedeln sie die Scheidenschleimhaut und lassen die Milchsäurebakterien absterben.

Die Ursache dafür liegt unter anderem im veränderten Hygiene-Verhalten der Frauen: Immer mehr greifen zu Intimsprays, duftenden Waschlotionen, desodorierenden Slipeinlagen, gebrauchen dauerhaft Tampons und rasieren sich den Schambereich. All das sind Ursachen, die schnell zu einer vaginalen Belastung bzw. einem instabilen Scheidenmilieu führen. Das natürliche Schutzsystem (Antibiose) der äußeren und inneren Intimzone gerät dabei aus der Balance, sodass die Scheide nicht mehr von selbst gereinigt und fremde Keime nicht mehr abwehrt werden. Die Bakterien begünstigen also eine Infektion der Scheide. Eine Mischflora entsteht, da die Zahl der Laktobazillen abnimmt und der pH-Wert des Scheidenmilieus steigt.

Normalerweise ist der innere Bereich zwischen den Schamlippen von Milchsäurebakterien besiedelt, die für einen optimalen pH-Wert sorgen. Aber auch die äußeren Hautareale besitzen eine Schutzschicht aus natürlicher Keimflora, hauteigenen Fetten und feuchtigkeitsbindenden Stoffen. Die Schambehaarung schützt vor Reibungen und kleineren Verletzungen. Aber auch Stress, die Einnahme von Antibiotika, Hormonschwankungen (z. B. in den Wechseljahren) oder ein geschwächtes Immunsystem stören den Selbstschutz. Antibiotika hat zusätzlich den Nachteil, dass es auch gegen die gesunden, nützlichen Bakterien wirkt und dadurch die Abwehrmechanismen schwächt.

Eine weitere mögliche Ursache: In der Schwangerschaft sind Frauen anfälliger für Pilze, Viren und Bakterien. Der Grund dafür ist das veränderte Scheidenmilieu, dass aufgrund der hormonellen Umstellung bei Schwangeren aufkommt. Ein bakterielles Ungleichgewicht in der Scheide ist somit unabdingbar. Es kommt zu einem Anstieg des pH-Wertes, die Gefahr an einer bakteriellen Vaginose zu erkranken, ist nun besonders hoch. Im Vergleich zum Scheidenpilz ist eine bakterielle Vaginose gefährlich für das Ungeborene. Im Falle einer Erkrankung besteht ein erhöhtes Risiko, dass Wehen vorzeitig auftreten, es zu einem verfrühten Fruchtblasensprung und einer Frühgeburt kommen kann.

Symptome einer bakteriellen Vaginose

Leidet Ihr an einer bakteriellen Scheideninfektion, dann könnten die folgenden Beschwerden im Intimbereich verursacht werden.

  • Juckreiz
  • Rötungen an der vaginalen Scheimhaut
  • Brennen beim Wasserlassen
  • starke Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • grauweißer Ausfluss
  • ein stark fischähnlicher, übel riechender Geruch
  • Typisch für eine Infektion: Er verstärkt sich nach dem Geschlechtsverkehr und kurz vor der Periode. Das unterscheidet übrigens auch die Vaginose von einer Pilzinfektion. Die ist nämlich geruchsneutral, und der etwas breiige Ausfluss riecht leicht nach Hefe.

Behandlung der Scheideninfektion

Eine bakterielle Scheideninfektion ist eine ernst zu nehmende Erkrankung. Wurden die Symptome und Ursachen von einen Gynäkologen oder einer Gynäkologin diagnostiziert, solltet Ihr die Infektion von einem Arzt behandeln lassen. Schwangere sollten sich nicht allein für eine Behandlung gegen die Scheidenentzündung entscheiden, der Frauenarzt kann Euch anhand der Diagnose eine passende Therapie empfehlen und so unnötige Schwangerschaftskomplikationen vermeiden.

Ihr wollt die Scheidenentzündung schnell wieder loswerden? Lasst Euch im Hinblick auf eine Behandlung von Eurem Arzt beraten. Versucht es je nach Erreger mit einer Therapie mit Medikamenten aus der Apotheke. Antibiotika beispielsweise wirkt gegen Bakterien, Virostatika gegen Viren und Antimykotika gegen Pilze. Die Medikamente unterstützen Euch dabei, die bakterielle Infektion schnell los und wieder eine gesunde Frau zu werden. Nach der Behandlung könnt Ihr zusätzlich Scheidenzäpfchen anwenden, um den Aufbau einer gesunden Scheidenflora zu fördern.

Hausmittel können einen effektiven Beitrag gegen die Darmbakterien leisten. Eine hundertprozentige Wirksamkeit der Mittel ist medizinisch jedoch nicht nachweisbar. Ganze Bakterienstämme werden also eher unwahrscheinlich nur durch Hausmittel zurückgedrängt. Solltet Ihr sie dennoch anwenden wollen, bedenkt bei dessen Anwendung, dass es zu Nebenwirkungen wie eine Reizung der Scheidenschleimhäute kommen kann.

Das wohl einfachste Mittel gegen die schädlichen Bakterien ist ein übermäßiges Waschen zu verhindern. Lasst auch die Finger von duftenden Waschlotionen und Intimsprays - es hilft Euch dabei, Entzündungen im Intimbereich vorzubeugen.

Beim Geschlechtsverkehr solltet Ihr darauf achten, dass Euer Partner ein Kondom trägt, so werden viele Infektionen der Scheide vermieden.

Da die Infektion sich im Inneren der Vagina befindet, könnt Ihr mit Hilfe eines Tampons beispielsweise Joghurt einführen. Aufgrund der vorhandenen Bakterien soll dadurch ein saures Milieu erzeugt werden.

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DOS:

  • Baumwollslips tragen und bei 60 Grad waschen. Bei Microfaser-Slips auf einen Baumwoll-Einsatz achten.
  • Wischtechnik auf dem WC: von vorne nach hinten. p Binden sind besser als Tampons. Wenn Tampons: regelmäßig wechseln, ein nicht zu großes Modell wählen.
  • Nach einer Antibiotika- Therapie eine Kur mit Milchsäure-Bakterien (z. B. „Vagisan“, „Kadefungin“, Apotheke) machen.
  • Abwehrsystem durch Warm-Kalt-Duschen stärken.

DONT'S:

  • Bei der Intimrasur keine Enthaarungscreme, keine Trockenrasur oder Warm- und Kaltwachs anwenden. Am besten zuerst die Haare mit der Schere kürzen, dann Nassrasur mit neuer Klinge. Nicht gegen die Wuchsrichtung rasieren. Schaum gut abspülen, pH-neutrale Feuchtigkeitscreme verwenden.
  • Bei Ausfluss keine Tampons benutzen. Während der Regel den Tampon nicht länger als eine Nacht in der Vagina lassen. Aber auch nicht zu kurz. Denn: wird die Watte nicht komplett durchfeuchtet, reizt sie die Schleimhäute beim Herausziehen.

Scheideninfektionen mit einem Test erkennen

All diese Risikofaktoren führen zu einer starken Vermehrung des Stäbchenbakteriums Gardnerella vaginalis. In geringer Anzahl gehört es zu jeder gesunden Scheidenflora. Nimmt der Keim aber überhand, verdrängt er die „guten“ Lactobazillen. Und erhöht den normalen sauren pH-Wert von 3,8 bis 4,5 auf einen von 5 bis 5,5. „Die subjektiven Beschwerden sind bei den Patientinnen sehr unterschiedlich. Nicht alle leiden unter der starken Vermehrung der Bakterien“, erklärt Dr. Wolfgang Cremer, Gynäkologe aus Hamburg. „Und auch der pH-Wert unterliegt täglich kleineren Schwankungen.“ Der Frauenarzt kann eine bakterielle Scheideninfektion schnell erkennen. Ganz anders sieht es bei den Betroffenen aus, die an ihren Beschwerden oft in Eigenregie herumdoktern: Sie tippen meist auf eine Pilzinfektion. Bei der Selbstdiagnose liegen 66 Prozent daneben und behandeln sich mit freiverkäuflichen Anti-Pilz-Zäpfchen und -Salben. Tatsächlich sind Scheidenpilze oft die Folge einer Vaginose. Doch sie separat zu behandeln, bringt in diesem Fall überhaupt nichts.

Diagnosesicherheit für zu Hause bietet ein Teststreifen (auch als Handschuhtest erhältlich) aus der Apotheke. Durch Farbveränderung zeigt er den pH-Wert des Scheidenmilieus an. Ein Set mit acht Teststreifen gibt es ab 50 Euro. Sollte der pH-Wert zu hoch sein (pH 5,5 oder mehr), unbedingt zum Arzt gehen. Übrigens: Bei Schwangeren gehört der Check zu den Vorsorgeuntersuchungen. Die Krankenkassen tragen die Kosten.

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