15. April 2021
AstraZeneca-Impfung: Ursache für Hirnvenenthrombosen

AstraZeneca-Impfung: Vektor könnte Hirnvenenthrombosen auslösen

Nach den Impfungen mit den Vektorimpfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson sind einige Fälle von seltenen Hirnvenenthrombosen aufgetreten. Experten versuchen nun herauszufinden, welche genauen Ursachen hinter dieser schweren Nebenwirkung stecken.

AstraZeneca-Impfung: Vektor als potentieller Verursacher der Thrombosen

Nach Impfungen mit den Vektorimpfstoffen AstraZeneca und Johnson & Johnson sind einige Fälle von seltenen Hirnvenenthrombosen aufgetreten. Experten wollen nun die Ursache herausgefunden haben. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn: „Die Tatsache, dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist.“ Allerdings sei das zum gegenwärtigen Zeitpunkt spekulativ.

Vektor überträgt Erbinformationen des Coronavirus

Harmlose Schnupfenviren (Adenoviren) fungieren bei beiden Impfstoffen als Vektor, der die genetischen Informationen des Coronavirus überträgt – und zwar für ein einzelnes Eiweiß des Coronavirus, das sogenannte Spikeprotein. Nach der Impfung wird die transportierte Information von den Zellen „abgelesen“, woraufhin die Zellen das Spike-Protein selbst herstellen. Daraufhin erkennt das Immunsystem das Fremdeiweiß und bildet Antikörper und Abwehrzellen gegen das Spike-Protein. Es sei theoretisch denkbar, dass das Spike-Protein des Virus, das in allen verfügbaren Impfstoffen dem Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen präsentiert wird, die Nebenwirkungen verursacht, erklärte Oldenburg. Ebenso sei es grundsätzlich möglich, dass die Nebenwirkungen unspezifisch im Rahmen der allgemeinen Immunantwort ausgelöst würden.

Da auch beim amerikanischen Impfstoff von Johnson & Johnson Fälle von Thrombosen aufgetaucht waren, vermutete Clemens Wendtner, Chefarzt an der München Klinik Schwabing, einen „Klasseneffekt –  also die Adenoviren, die als Vektoren genutzt werden [...].“

Experten von der Ständigen Impfkommission (STIKO) halten den Vektor als Ursache der Entstehung der Sinusvenenthrombosen eher für unwahrscheinlich, da diese Komplikation weitaus häufiger auftreten müsste. Sie gehen davon aus, dass ein bislang noch unbekannter Risikofaktor vorliegen muss.

AstraZeneca-Impfung aktiviert Blutplättchen

Forscher aus Greifswald hatten zuvor herausgefunden, dass bei Betroffenen die Vakzine einen Abwehrmechanismus auslösten, bei dem Blutplättchen aktiviert werden. Dieser Mechanismus wird normalerweise bei der Wundheilung aktiviert, damit Blut gerinnt und Wunden sich verschließen. Im Fall der AstraZeneca-Impfung führte dies zur Bildung von Blutgerinnseln im Gehirn. Typische körperliche Anzeichen einer Sinusvenenthrombose sind starke und anhaltende Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Sprachstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Wird die Thrombose rechtzeitig erkannt, lösen Blutverdünner und spezielle Immunglobine die Blutgerinnsel auf.

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