Leben ändern Keine Schwäche zeigen!

Zwei Frauen wollen ihr Leben ändern – bevor nichts mehr geht. Die Diplom-Psychologin und Autorin Kerstin Jähne berichtet aus einem ihrer Workshops.

Wge aus dem Burn-out

Burn-out bedeutet „ausbrennen“ – und zwar so hochgradig, dass man sich irgendwann nicht mehr regenerieren kann. Geben wir langfristig mehr, als wir können, macht das krank. Körperlich und seelisch. Am Ende stehen oft Depressionen, Suizidgedanken, die immer häufiger auftauchen, und der Verlust des eigenen Identitätsgefühls. Warum lassen Menschen diese „Selbstverbrennung“ zu? Der Grund ist genauso simpel wie bedrückend: Sie erleben sie nicht als solche. Zumindest anfangs nicht. Da sind sie noch Feuer und Flamme, brennen für eine Sache – vor allem für den Beruf, den sie oft mehr als Berufung sehen. Sie geben alles, denn es tut gut, gebraucht zu werden. Überschreiten sie dabei ständig die eigene Belastungsgrenze, droht eines Tages das Burn-out.

„Auf mich muss Verlass sein, damit ich niemanden enttäusche“, sagt Karen. Diese Einstellung treibt sie immer wieder an, noch mehr zu leisten. Genau wie der Glaubenssatz „Ich darf keine Schwäche zeigen, muss perfekt sein“. Seit Kindheitstagen begleiten sie diese sogenannten „inneren Antreiber“, denn sie hat früh gelernt zu „funktionieren“: Als ältestes Kind der Familie unterstützte sie ihre chronisch kranke Mutter und wuchs in deren Rolle hinein. Sie tat das gern, scheute die große Verantwortung nicht, obwohl die Last sie bedrückte. Die anderen waren schließlich noch bedürftiger.

Dieses Muster hat sie aus der Ursprungsfamilie auf die eigene übertragen. Sie will ihren Mann nicht belasten in den paar Stunden, die der Familie am Wochenende bleiben. Er arbeitet doch die ganze Woche so hart. Das tut sie aber auch! Es gäbe einiges zu erledigen und vieles zwischen ihnen zu besprechen: die gemeinsame Erziehung zum Beispiel. Aber das birgt Zündstoff, und Karen sehnt sich nach Harmonie. Um eine Konfrontation zu vermeiden, nimmt sie lieber stillschweigend hin, dass ihr Mann am Wochenende die mühsam erarbeiteten Spielregeln über den Haufen wirft. Sie wird die Kinder montags schon wieder in die Spur bringen. Zwar mit doppeltem Kraftaufwand, aber: „Das muss ich dann eben schaffen.“ Davon ist sie überzeugt, obwohl sie sich völlig erschöpft fühlt.