Moderne Heiler Sich fallen lassen in die Schwerelosigkeit

VITAL besucht Frauen, die fernab der Schulmedizin kaum bekannte Verfahren gewählt haben, um zu helfen. Hier sagen sie, wie es dazu kam – und wie sie behandeln. Diesmal: Sibylle Schütz.

Sibylle Schütz

Wie ganzheitlich heilsam die Warmwassertherapie ist, erfuhr die in München lebende, studierte Theaterwissenschaftlerin am eigenen Leib. „Mir ging es in einigen Phasen meines Lebens gesundheitlich nicht gut. Und ich war immer auf der Suche nach etwas, das mich stärkt“, sagt sie nachdenklich, und ein kleine Falte gräbt sich bei dieser Erinnerung in ihre Stirn. „Weil ich sehr neugierig bin und mich schon immer für Körpertherapien, Persönlichkeitsentwicklung und esoterische Trends interessiert habe, probierte ich so einiges aus. Vom viel belächelten Seidenmal- Selbstfindungskurs in der Toskana über Bioenergetik bis zu den Fünf Tibetern“, erzählt sie weiter. Alles blieb jedoch ohne Nachhall – bis sie im Jahr 2000 einen Watsu-Einführungskurs belegte: „Getragen von den Armen des Therapeuten, schwebte ich im warmen Wasser und wusste: Das ist es! Diese Entspannung will ich anderen Menschen schenken.“ Denn obwohl Sibylle Schütz damals noch in der Presseabteilung eines Münchner Buchverlags arbeitete, spürte sie tief in ihrem Inneren schon lange den Wunsch, etwas völlig anderes zu machen.

Den Körper strecken, dehnen, massieren

Parallel zum Job absolvierte sie eine zweijährige Ausbildung am Institut für Aquatische Körperarbeit in Freiburg. „Ich lernte alles Nötige über Anatomie und medizinische Grund - lagen, über Shiatsu, die Arbeit im Wasser und mit den Klienten“, erzählt sie und betont, wie wichtig das Einfühlen in andere sei. „Nur wenn ich im Vorgespräch erfahre, wo Schwachpunkte liegen und was den Klienten wichtig ist, kann ich im Wasser gezielt darauf eingehen.“

Weil sich Klientin und Therapeutin beim Watsu sehr nah kommen und es die Bereitschaft zum Loslassen erfordert, arbeitet Sibylle Schütz zu Beginn einer Stunde mit Floats und Pool-Noodles. Diese beiden Auftriebhilfen ermöglichen es dem Klienten in der „Aufwärmphase“, sich ohne viel Körperkontakt an das schwebende und passive Gefühl im Wasser zu gewöhnen. „Durch dieses Relaxen baut sich langsam Vertrauen auf, und ich kann mit der eigentlichen Therapie beginnen: den Körper strecken, dehnen, massieren und in meinen Armen durchs Wasser führen.“