Studie liefert Antworten Sind die Gene am Übergewicht schuld?

Trotz Diät und Sport gelingt es manchen Menschen einfach nicht, ein gesundes Gewicht zu halten. Das kann an den Genen liegen, wie Wissenschaftler in Studien untersucht haben. 

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Zu- und Abnehmen ist im Prinzip einfach: Wer zu viel isst und sich zu wenig bewegt, nimmt zu. Wer jedoch mehr verbraucht, als er isst, nimmt ab. So in der Theorie. In der Praxis sieht das jedoch oft anders aus. Während manche Menschen schlank bleiben, obwohl sie öfter zu z. B. Kuchen greifen, müssen andere nur wenig essen, um im schlimmsten Fall dadurch noch zuzunehmen. Wissenschaftler haben dieses Phänomen in Studien untersucht. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass tatsächlich ein Teil der Gene bestimmt, wie anfällig eine Person für Übergewicht ist.

Forscher untersuchen, wie Gene und Körpergewicht zusammenhängen

Das Gewicht bestimmen oftmals Faktoren wie die Erziehung, der Bildungsstand, die Lebensumstände und Ernährungsgewohnheiten, sowie der Beruf, Wohnort und die Alltagsaktivität. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass auch die Gene bestimmen, wie hoch die Anfälligkeit für Übergewicht ist. In Adoptions- und Zwillingsstudien fanden Wissenschaftler bereits vor 20 Jahren Belege, dass die Gene eine Rolle spielen. Sie untersuchten das Gewicht von Erwachsenen, die als Kind adoptiert worden waren, und verglichen es mit dem Gewicht der Adoptiveltern. Die Forscher fanden heraus, dass der Körperbau der Adoptivkinder sich eher dem ihrer leiblichen Eltern ähnelte als dem der Adoptiveltern. Laut der Forscher haben offenbar die Gene Einfluss auf das Gewicht.

In Zwillingsstudien untersuchten Forscher ebenfalls, wie Gene und Gewicht zusammenhängen. Sie nahmen an, dass wenn das Gewicht eine zu 100 Prozent vererbbare Eigenschaft wäre, eineiige Zwillinge auch immer das exakt gleiche Gewicht auf die Waage bringen müssten. Bei zweieiigen Zwillingen könnte es jedoch auch einen geben, der schlank und einen, der übergewichtig ist. Das Ergebnis der Studie war jedoch, dass es in beiden Gruppen Gewichtsunterschiede gab, sodass nicht nur die Gene Einfluss auf das Gewicht haben. Laut aktuellstem Stand ist die Anfälligkeit für Übergewicht um mehr als 20 Prozent genetisch bedingt.

Wie viel Einfluss nehmen die Gene auf das Gewicht?

Verschiedene Studien legen nahe, dass unterschiedliche Erbgut-Abschnitte Einfluss auf das Gewicht haben. Dazu zählen:
  • Muskelmasse
  • Hunger- und Sättigungsempfinden
  • Nahrungspräferenz (Neigung eher zu Salat oder Junk Food)
Zusätzlich konnte ein Forscherteam um Molekularbiologin und Ernährungswissenschaftlerin Melina Claussnitzer nachweisen, dass ein Erbgut-Abschnitt im Bereich des sogenannten FTO-Gens dafür verantwortlich ist, wie viel Fett der Körper verbrennt. Der Zusammenhang besteht darin, welche Fettzellen der Körper bevorzugt bildet. Weiße Fettzellen speichern vorwiegend Energie, während beige Zellen Fett nicht nur einlagern, sondern auch verbrennen können. In der Untersuchung fand das Team heraus, dass Menschen mit einem höheren BMI einen höheren Anteil an weißen Fettzellen haben. Ebenso tragen Übergewichtige häufiger das FTO-Gen in sich, welches offenbar darüber entscheidet, wie viel Fett verbrannt bzw. eingelagert wird.

Trotz ungünstiger Gene ein gesundes Körpergewicht erreichen

Da die genetischen Faktoren nur einen kleinen Prozentsatz ausmachen, ist es für Übergewichtige nicht viel schwerer, ein gesundes Körpergewicht zu finden und zu halten.

  • Kalorienverbrauch steigern
    Im Alltag aktiv werden, mehr spazieren gehen, Fahrradfahren und Sport treiben. Kraftsport oder Training mit dem eigenen Körpergewicht hilft bei regelmäßiger Reizsetzung Muskel aufzubauen. Und Muskulatur verbraucht im Ruhezustand mehr Energie als Fettzellen. 
     
  • Die richtige Ernährung finden
    Für welche Ernährungsform sich ein Mensch entscheidet, ist für das Körpergewicht grundsätzlich irrelevant. Egal ob mit Low Carb, High Carb, Paleo, vegetarisch, vegan oder mit Intervallfasten – wichtig sind vor allem Proteine, viel Gemüse, Obst, gute Fette, komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe. 
     
  • Körperlichen Hunger von emotionalem Hunger unterscheiden
    Manche Menschen brauchen drei große Hauptmahlzeiten, um satt zu sein. Andere hingegen sind mit fünf oder sechs kleineren Mahlzeiten zufrieden. Übergewichtige sollten sich darin ausprobieren, um späteren Heißhungerattacken zu entgehen. Ebenso ist es wichtig, zu lernen, wie sich körperlicher Hunger von emotionalem Hunger unterscheidet. Fragen wie "Bin ich wirklich hungrig und knurrt mein Magen? Habe ich einfach nur Appetit? Bin ich gestresst, traurig oder wütend und brauche deshalb etwas zu essen?" geben Aufschluss über das eigene Essverhalten. Wer eine Zeit lang Tagebuch führt, wird schnell eine gewisse Struktur erkennbar.
 
Datum: 30.06.2020

Autor: Christina Liersch

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