Gesundheit Beschwerden ernst nehmen

Wir wussten es schon immer: Frauenherzen schlagen anders. Aber nur wer die Unterschiede kennt, kann vorsorgen und sein Herz-Kreislauf-System schützen.

Herzkreislauf fördern
„Frauen werden oft nicht ernst genommen in ihrem Krankheitsgefühl“, berichtet Kardiologin Dr. Boer. „In erster Linie kommen sie mit Luftnot. Früher haben die Frauen ihre Einkaufstaschen problemlos in den 4. Stock getragen, und nun geht das nicht mehr. Vor allem Luftnot im Ruhezustand kann auf ein Herzgeschehen hinweisen. Schwindel signalisiert möglicherweise eine akute Rhythmusstörung, wird aber oft fälschlicherweise mit einem degenerativen Geschehen an der Halswirbelsäule in Verbindung gebracht.“
 

Bluthochdruck geht über Generationen

Schnell wird ein psychologischer Hintergrund ausgemacht und nicht näher hingeschaut: Herzklabastern, typisch Frau 40 Prozent aller Patientinnen mit Herz- beschwerden eine (zusätzliche) Rolle in Form eines Angstkonfliktes spielt, so muss doch immer ein Herz-Kreislauf-Geschehen ausgeschlossen werden. Dazu zählt auch ein akut oder chronisch zu hoher Blutdruck. Das Robert-Koch-Institut sagt voraus, dass in Deutschland jede zweite Frau im Laufe ihres Lebens damit rechnen muss, an einem Bluthochdruck (Hypertonie) zu erkranken. Ausschlaggebend ist unsere genetische Veranlagung: Leidet ein Elternteil unter Bluthochdruck, so steigt das Risiko für die Kinder auf 50 bis 80 Prozent. Sind beide Eltern Hypertoniker, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 100 Prozent.
 
Eine weitere Ursache: unausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an tierischen Fetten – und vor allem Salz. Wir Deutschen konsumieren täglich circa 3000 mg Natrium (entspricht ca. 6 g Speisesalz), das ist doppelt so viel, wie die American Heart Association empfiehlt.
Tückisch daran: Ein erhöhter Blutdruck bleibt lange unbemerkt. Oft wird der Be- fund nur zufällig bei einer Routineunter- suchung festgestellt. Kopfschmerzen, Schwindel, Atemnot, Nasenbluten und Konzentrationsstörungen können jedoch darauf hindeuten. Vor den Wechseljahren schützen körpereigene Östrogene Frauen vor Bluthochdruck. Mit sinkendem Hor- monspiegel bröckelt dieser Schutz. Um Spätfolgen wie einem Schlaganfall, einer Niereninsuffizienz oder auch Sehstörun- gen vorzubeugen, sollten Frauen ihren Blutdruck ab dem 40. Lebensjahr regelmä- ßig kontrollieren lassen.
 

Auf die Ernährung achten

Fett und salzarme Ernährung helfen gegen erhöhten Blutdruck, ebenso viel Bewegung, Abnehmen bei Übergewicht und schließlich blutdrucksenkende Medikamente. Dr. Jana Boer weist auch in diesem Bereich auf den Gender-Effekt hin: „Es besteht – sogar unter Kollegen – immer noch viel Aufklärungsbedarf, gerade in Bezug auf die Verordnung von Herz- Kreislauf-Medikamenten an Frauen. Für die Aufnahme einiger blutdrucksenkender Medikamente zum Beispiel braucht der weibliche Magen-Darm-Trakt länger – was bedeutet, dass sie schwächer wirken. Für die Ausscheidung anderer Herzmedikamente hingegen brauchen die Nieren mehr Zeit, diese Medikamente wirken bei Frauen stärker.“ Eines liegt der Kardiologin besonders am Herzen: „Bleiben Sie sensibel. Denken Sie nie, die Nebenwirkung eines Herz-Kreislauf-Präparats sei normal oder Sie müssten diese aushalten.“
 
Selbst wenn die Erkrankung vom Arzt richtig erkannt wurde, sollten wir Frauen unseren Körper weiterhin aufmerksam beobachten. Und unser Herz zur Herzensangelegenheit machen.