Essstörung Orthorexia Nervosa - wann ist gesundes Essen krankhaft?

Ab wann wird gesunde Ernährung gefährlich? Erfahre hier alles über Orthorexia Nervosa.

Blick in den Kühlschrank

Die Gesellschaft in Europa befindet sich schon lange in einem Ernährungswandel. Was in Asien und Amerika schon lange Trend ist, schwappt langsam auch zu uns herüber. Es gibt immer mehr Reformhäuser und Biosupermärkte. Man kann von einer regelrecht neuen Food-Bewegung sprechen. Artgerechte Tierhaltung, Bio-Futter, Bio-Eier und Bio-Gemüse werden immer wichtiger für uns und gehören mittlerweile zum Lebensalltag. Wir sind bereit einen Großteil unseres Einkommens für die gesunde Ernährung auszugeben, probieren neue Konzepte aus, essen vegan oder vegetarisch und lassen Gluten, Zucker oder Salz von unseren Speiseplänen verschwinden. 

 

Die Diagnose ist schwierig

Aus all diesen neuen Trends hat sich ein neues Krankheitsbild entwickelt: Orthorexia Nervose, eine Essstörung deren Betroffenen ein auffallend, ausgeprägtes Verlangen nach gesunder Ernährung vorweisen. Die Existenz dieser Sucht ist umstritten und von der Schulmedizin noch nicht umfassend anerkannt. Die Frage bei Orthorexia Nervosa ist: Krankheit oder aufwändiger Lebensstil? Und genau das macht auch Definition und Diagnose sehr schwer. Ab wann ist gesund gefährlich? Betroffene sehen deshalb häufig keinen Anlass für eine Therapie oder Veränderung. 
 
Das Leben eines Orthorektikers dreht sich ausschließlich nur noch um Nährstoffe und Lebensmittel. Er verbringt Stunden im Reformhaus und ernährt sich meistens vegan. Er gibt viel Geld für Lebensmittel aus, backt selbst, hat häufig Gemüse- und Obstgarten, achtet auf das Fairtrade Siegel und gibt anderen im Umfeld das Gefühl, sich schlecht zu ernähren.

Symptome einer Suchtkrankheit

Es gibt allerdings einige Symptome, die immer auf eine Suchterkrankung hinweisen. Dabei ist entscheidend, wie lange der Betroffene sich schon so ernährt und ob er sich aus dem Freundeskreis isoliert, weil er keine Zeit mehr hat. Außerdem ist wichtig, ob sich seine Gedanken ständig nur um das Essen drehen, er Schuldgefühle nach für ihn „ungesundem“ Essen hat und sein Körper irgendwann gesundheitliche Schäden davon trägt. 
 
Der US-Arzt Dr. Steven Bratmann, der das Krankheitsbild um 1997 selbst prägte, konnte in der Hochzeit seiner Sucht kein Gemüse mehr essen, das vor längerer Zeit als 15 Minuten geerntet wurde. Häufig geht die Krankheit auch einher mit einem übertriebenen Fitnesswahn (anorexia athletica) und dem Bedürfnis sehr schlank zu sein.

Die Folgen der extrem gesunden Ernährung

Die Folgen der einseitigen und übertrieben gesunden Ernährung sind Mangelerscheinungen, die zu ernsthaften Krankheiten führen können und den gesamten Lebensablauf einschränken. Generell sollten betroffene Personen häufiger einen Arzt aufsuchen um ihre Blutwerte kontrollieren zu lassen. 
 
Orthorektiker können sich in Foren oder Selbsthilfegruppen therapeutische Möglichkeiten suchen, um ihre Lebenswandel unter Kontrolle zu bekommen. Häufig kann ein Therapeut mittels weniger Tests herausfinden, ob jemand betroffen ist oder sich doch "nur" gesund ernährt.
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