Forschung Botox: Das zahlt die Krankenkasse

Wir kennen es als Beauty-Spritze für ein jugendliches Aussehen. Doch nahezu unbemerkt hat sich das Nervengift zum neuen Allround-Medikament entwickelt.

Botox-Spritze

Die Botox-Wirkung hält nie dauerhaft an 

Die gute Nachricht: Glücklicherweise verschwinden solche seltenen Nebenwirkungen mit der Zeit. Und die schlechte: Auch der segensreiche Effekt des Medikaments verpufft nach drei bis sechs Monaten. Das liegt daran, dass körpereigene Enzyme das Botulinumtoxin im Körper zerlegen, sodass die lahmgelegten Muskeln oder Drüsen ihre Funktionstüchtigkeit zurückerlangen. „Dabei wird das Botox vom Körper vollständig abgebaut“, versichert Prof. Jost. „Die Behandlung kann anschließend beliebig oft wiederholt werden, gerade weil keine Langzeitnebenwirkungen auftreten.“
Eine Langzeitnebenwirkung macht sich bei etlichen Botox-Patienten allerdings durchaus bemerkbar: Ihr Kontostand verringert sich spürbar. Rund 400 Euro – je nach Erkrankung und benötigter Dosis auch mehr – fallen für eine Spritze an. Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, hängt von der jeweiligen Störung ab und von der Schwere des Leidens. Vorausgesetzt wird überdies, dass Botulinumtoxin als offizielles Medikament für die Erkrankung zugelassen ist. „Bei etlichen kleineren Anwendungen lohnt es sich für den Hersteller nicht, das aufwendige Zulassungsverfahren zu beantragen. Die Behandlung ist dennoch legal und sinnvoll, muss aber selbst bezahlt werden“, erklärt Prof. Jost. Nicht umsonst, aber vergeblich ist die Botox-Spritze bei etwa jedem 100. Patienten: Die Betroffenen reagieren überhaupt nicht auf das Medikament, weil ihr Organismus Antikörper gegen das Nervengift bildet.

  • Bei diesen Erkrankungen ist Botox als Medikament zugelassen und kann von den Krankenkassen bezahlt werden: chronische Migräne, halbseitiger Gesichtskrampf, Lidkrampf, Schiefhals, Armspastik nach Schlag anfall, übermässiges Schwitzen in der Achselhöhle, neurogene Blasenstörung, Spitzfuß bei Kindern mit frühkindlicher Hirnschädigung.
  • Bei anderen Erkrankungen besteht noch keine Zulassung, obwohl die Wirksamkeit durch Studien oder langjährige Erfahrung nachgewiesen ist: zum Beispiel starker Speichel- und Tränenfluss, chronische Rückenschmerzen, Zähneknirschen.

Bei Migräne kann Botox vorbeugen 

Seit September 2011 ist Botox auch zur Behandlung chronischer Migräne zugelassen: Damit existiert erstmals eine wirksame Vorbeugung gegen die gefürchteten Kopfschmerzattacken. Zwar können die prophylaktischen Spritzen die Migräne nicht wegzaubern, doch sie lindern die Symptome bei zwei Dritteln der Behandelten: Die Anfälle treten seltener auf und verlaufen weniger intensiv.

Wie wird behandelt? Bei der Sitzung injiziert der Arzt Botox in bestimmte Bereiche der Kopf- und Halsmuskulatur. Das entspannt nicht nur die betroffenen Muskeln, sondern blockiert auch Schmerzsignale, vermuten Neurologen. Der Effekt hält etwa drei Monate an, dann muss neu gespritzt werden.

Für wen und wo? Voraussetzung für die Behandlung ist, dass keine andere Therapie geholfen hat. Angeboten wird die Botox-Therapie von Neurologen, die sich auf die Behandlung schwerer Migräne spezialisiert haben.

 

Autor: Bernhard Hobelsberger