Gezielte Provokation durch Humor Zum Lachen provozieren - wie geht das?

Es geht nicht nur um ein besseres Gefühl zu sich selbst – Humor verbessert auch die Kommunikation mit anderen. Deshalb raten immer mehr Psychologen zu einer gezielten Provokation.

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Auch in Deutschland findet die Provokative Therapie immer mehr Anhänger. Die Ärztin Dr. Heidi Huber aus Neustadt an der Weinstraße ist eine der Vorreiterinnen. Sie ist seit 20 Jahren mit dem Gründer Frank Farelly in engem Kontakt, hat mit seiner Methode viele Erfahrungen gesammelt. Wir haben mit ihr gesprochen.

WORIN LIEGT FÜR SIE DER ERFOLG DES PROVOKATIVEN STILS?

Immer wieder verharren Menschen in bestimmten Denkschienen und verlieren den Blick für das Ganze. Um diese Menschen aufzuwecken, spiegele ich ihnen ihre eigenen inneren Stimmen wider und treibe sie auf die Spitze. Wenn z. B. jemand glaubt: „Ich habe immer Pech. Anderen geht es viel besser“, sage ich: „Das ist wohl Ihr Schicksal. Die anderen stehen auf der Sonnenseite des Lebens, Sie im Schatten. Da ist Ihr Platz. Damit müssen Sie sich abfinden.“ Eine solch idiotische Bemerkung löst meist die amüsierte Reaktion aus: „Die spinnt doch ...“ Die Patienten verstehen mit einem Mal das Absurde ihrer Gedanken, entspannen sich, brechen manchmal sogar in schallendes Gelächter aus. Außerdem provoziere ich damit ihren Widerspruch.

WAS PASSIERT DA GENAU BEIM PATIENTEN?

Der Mechanismus hat mit Balance zu tun, genau wie bei einem Floß. Stellen Sie sich einmal vor, dass ein Patient auf einer Seite eines Floßes steht, während er von seinem negativen Selbstbild erzählt. Wenn man ihm übertrieben recht gibt, sich sozusagen auf seine Seite begibt, kippt das Floß. Instinktiv springt der Patient dann auf die andere Seite, beginnt automatisch, eine andere Position einzunehmen. Und schon ist das Floß wieder ausgeglichen. Das Schöne ist: Der Patient kommt aus seiner Opferhaltung heraus, lernt, die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, und übernimmt wieder Verantwortung für sich selbst.

WERDEN SIE AUCH MANCHMAL MISSVERSTANDEN?

Das Wichtigste ist, dass ich meine Übertreibungen und kleinen Provokationen in einem liebevollen Ton formuliere. Sozusagen mit einem Augenzwinkern. Die Menschen müssen spüren, dass ich ihnen wirklich helfen möchte. Wenn ich von Anfang an locker bin und mich selbst auch nicht so wichtig nehme, wird der scherzhafte Ton meist verstanden. Wenn ich aber merke, jemand fühlt sich verletzt, reagiere ich sofort darauf.