Sprachfehler Interview: Stottern

Diplom-Pädagogin Jana Pflughoft mit Vital im Interview - der Umgang mit Stotterer.

Stottern

VITAL: Was kann ich als Normalsprecher im Umgang mit Stotterern besser machen?
Jana Pflughoft: Das Wichtigste ist, sie ausreden, ihnen Zeit zu lassen. Sätze für sie zu beenden, ständig zu nicken oder wegzugucken – alles sicher gut gemeint – führt dazu, dass sich der Stotterer als nicht kompetenten Sprecher wahrnimmt. Es ist nicht leicht, so eine Situation auszuhalten. Fragen Sie Ihnen vertraute Stotterer: Wie soll ich reagieren? Behaupten Sie nicht: „Ich weiß schon, was du sagen willst.“ Das ist eine Bevormundung.

Beginnt das Stottern immer in der Kindheit?
Das sogenannte idiopathische Stottern beginnt zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr. Weitere Hochphasen treten mit der Einschulung auf sowie zwischen dem elften und dem zwölften Lebensjahr.

Die Behandlung sollte also frühestmöglich beginnen?
Ja. Zunächst arbeiten wir vor allem mit den Eltern. Viele reden zu schnell, stellen dem Kind in einem Satz fünf Fragen, unterbrechen zu oft. Das versuchen wir zu ändern. Ab dem fünften Lebensjahr arbeiten wir dann auch direkt mit den Kindern.

Ihr Institut bietet auch ein Therapie-Camp für Ältere am Steinhuder Meer an. Kann man da für den Alltag üben?
Absolut. Dieser Transfer in den Alltag ist uns wichtig. Deshalb suchen wir mit den Camp-Teilnehmern schwierige Situationen auf. Sie müssen z. B. mit einer Behörde oder mit ihren Eltern telefonieren, in verschiedenen Gruppensituationen sprechen, sich in einem Geschäft beraten lassen oder dort eine Ware reklamieren. Dahinter steht auch immer das Ziel, das Stottern zu enttabuisieren.

Autor: Stephan Hillig

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Quelle: Vital, Ausgabe 11/2011