Coronavirus Infektionen über Tröpfchen und Aerosole – wo liegt der Unterschied?

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie liest und hört man immer wieder von Infektionen, die durch Tröpfchen und Aerosole entstanden sind. Doch gibt es da eigentlich einen Unterschied? Und wie gefährlich sind Aerosole wirklich?

Desinfektion

Dass das Coronavirus über Tröpfchen durch Niesen, Sprechen und Husten übertragen wird, stand schnell fest. Dennoch wird es auch über Aerosole übertragen. Doch was ist eigentlich der Unterschied? Und was bedeutet es für die Hygiene im Alltag?

Tröpfchen vs. Aerosole

Beim Niesen oder Husten gelangen winzige Speicheltröpfchen und andere flüssige Absonderungen der Atemwege wie Nasensekret oder grüner Nasenschleim nach außen. Diese Tröpfchen enthalten Mikroorganismen und Krankheitserreger, welche beim Ausatmen, Sprechen, Niesen und Husten durch Vernebelung an die Umgebung abgegeben werden. 

Tröpfchen haben einen Durchmesser von mehr als fünf Mikrometern und sinken, nachdem sie ausgeatmet wurden, schnell zu Boden. Auch werden sie nur bis zu einer Distanz von ungefähr eineinhalb bis zwei Metern übertragen. In einer Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) wurde im Rahmen des Coronavirus festgestellt, dass diese Partikel auf einer Distanz von bis bis zu acht Metern verbreitet werden können.

Aerosole hingegen sind kleiner als Tröpfchen. Ihr Durchmesser beträgt weniger als fünf Mikrometer. Verdunstet ihre Wasserhülle, werden die Tröpfchen leichter, sodass sie länger in der Luft verweilen können. Tröpfchenkerne bleiben übrig, welche von anderen Menschen in der Umgebung eingeatmet oder über die Schleimhäute der Augen aufgenommen werden können. Aufgrund ihrer geringen Größe gelangen sie in die tieferen Atemwege.

Was bedeuten die zwei Übertragungsformen nun für unseren Alltag?

In der 40. Folge des NDR-Podacsts "Jetzt ist Alltagsverstand gefragt" erklärt Virologe Prof. Christian Drosten, dass laut verschiedener Studien die Aerosol-Übertragung beim Coronavirus wichtiger denn je ist. Laut Drosten könnten die Infektionswege jeweils ungefähr zur Hälfte über Tröpfchen und Aerosole verlaufen, jedoch nur gute zehn Prozent über die sogenannte Schmierinfektion. Gegen diese würde zwar das Händewaschen und Desinfizieren helfen, jedoch nicht gegen die Übertragung durch Tröpfchen und Aerosole. Drosten sieht deshalb das Problem deutlich in Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen.

Studie untersucht, wie viele Tröpchen beim Sprechen freigegeben werden

In einer Studie des National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK) wurde nun untersucht, wie viele Tröpfchen und Aerosole beim Sprechen ausgestoßen werden und wie lange sie sich in der Luft halten. Dafür sollten verschiedene Testpersonen in einem geschlossenen Raum 25 Sekunden lang den Satz "Stay healthy" sagen. Das "th" gilt im Englischen als besonders spuckaffin. Die Forscher machten die Tröpfchen sichtbar und stellten fest, dass in einer Minute über 1000 virusbelastete Tröpfchen abgegeben wurde, welche durchschnittlich zwölf Minuten in der Luft verweilten. Ebenso stellten sie fest, dass die Schwebeteilchen weniger virusbelastet sind, je kleiner sie waren. Die Forscher schlussfolgerten aus ihren Ergebnissen, dass eine Ansteckung umso wahrscheinlicher ist, je kleiner der Raum ist und je länger gesprochen wird. Zweitrangig sei dabei, ob es genügend Abstand gibt. Dieser Infektionsweg ist für die Forscher nicht neu: Auch bei Masern, Tuberkulose und Influenza ist das Infektionsrisiko durch Tröpfchen und Aerosole erhöht.

Mögliche Lösungen für den Alltag

Als Lösung für Restaurants & Co. sieht Drosten vor, dass der Außenbereich besonders jetzt im Frühling und Sommer verstärkt genutzt wird, da Tröpfchen und Aerosole schneller wegwehen. In geschlossenen Räumen hingegen sollten die Fenster geöffnet und die Abstandsregel eingehalten werden. Möglich wäre auch, dass Ventilatoren, welche ans geöffnete Fenster gestellt werden, für einen Luftstrom im Raum sorgen, um für eine Verdünnung der Erreger zu sorgen. Zu frühen Aufhebungen der generellen Lockerungen, wie es zum Beispiel Thürungen und Sachsen im Alleingang planen, steht Drosten sketpisch gegegnüber. Im Deutschlandfunk äußerte er sich kritisch zu diesem Thema – seiner Meinung nach sei diese Eigenverantwortung nicht angemessen.

Datum: 26.05.2020

Autor: Christina Liersch

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