Vorsorge Dr. Waltraud Pfarrer im Interview

Der erste deutsche Gesundheitsbericht beweist: Männer sind Vorsorgemuffel. Das hat fatale Folgen. Die Hintergründe – und Tricks, wie Sie ihn zum Arzt kriegen.

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"Bevormunden Sie ihn nicht"

Vital sprach mit Dr. Waltraud Pfarrer, Fachärztin für psychosomatische Medizin in Hamburg. Ihr Tipp um Mann zum Vorsorgeuntersuchung zu kriegen: "Bevormunden Sie ihn nicht."

VITAL: Kann eine Frau ihren Mann zum Arztbesuch motivieren, indem sie ihm eine Belohnung für seinen Mut anbietet, etwa Tickets für ein Fußballspiel?

Dr. Pfarrer: Nein, was bei Kindern vielleicht noch wirkt, wird beim Partner sicher ein Misserfolg. Es macht ihn eher ärgerlich, weil er sich nicht für voll genommen fühlt. Besser wäre es, echtes Interesse an seiner Gesundheit zu zeigen. Erkundigen Sie sich vor und nach dem Arztbesuch nach seinem Befinden und sprechen Sie mit ihm über die Untersuchungsergebnisse.

Helfen bemutternde Aufforderungen wie „Schatz, treib doch mal wieder Sport“?

Nein, die eigene Mutter begehrt man nicht. Um die Partnerschaft nicht zu gefährden, müssen sich Frauen mit solchen Ermahnungen zurückhalten! Nehmen Sie sich Zeit und reden Sie ernsthaft, ohne Vorwürfe, über Themen wie Sport, Ernährung oder Vorsorge. Verzichten Sie dabei auf „Du-Botschaften“ wie „Du solltest mehr Sport treiben“. Sagen Sie stattdessen: „Ich hätte Lust, wieder häufiger mit dir zum Sport zu gehen.“

Und wie wirkt ein rigoroses „Morgen gehen wir zum Arzt. Ich habe einen Termin gemacht!“?

Ihr Mann ist doch nicht Ihr Sohn! Wenn Sie Streit vermeiden wollen, sollten Sie ihn weder übergehen noch bevormunden. Formulieren Sie es doch so: „Darf ich für dich einen Termin vereinbaren?“ Machen Sie ihm klar, dass Sie ihn lieben und sich Sorgen um seine Gesundheit machen. Sagen Sie ihm, dass Sie sich freuen, wenn er regelmäßig zum Check-up geht.

Lässt sich das Gesundheitsinteresse von Männern überhaupt wecken?

Wenn er weiß, dass andere Männer das Thema für wichtig halten, steigt auch sein Interesse. Motivieren Sie gemeinsame Freunde, offen über gesundheitliche Fragen und Probleme zu sprechen. Und alle Freundinnen und Kolleginnen, in ihren Familien ebenfalls offen zu reden und sich gemeinsam mit den Männern um Lösungen zu bemühen. Bitten Sie Ihren Mann, den Kindern auch in gesundheitlichen Dingen ein gutes Vorbild zu sein. Entwickeln Sie gemeinsam ein Konzept, damit es den Söhnen als Männer leichter fällt, gesünder zu leben.

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