Gesund Leben Liebe, Düfte und Neugier

Es existiert tatsächlich: das Rezept für ein langes Leben. Und die Zutaten dafür? Vital stellt Ihnen die zehn besten Gesundmacher vor und erklärt, wie sie jeder für sich optimal nutzen kann.  

Lachende Frau

Nr. 3 Liebe

Das sagt die Forschung: Viele Wissenschaftler halten menschliche Nähe als Gesundheitsfaktor für ebenso bedeutsam wie Sport, Gene oder Ernährung. Dieser Effekt lässt sich bereits bei Frischverliebten messen, fand der US Forscher Sheldon Cohen heraus. Paare, die er mit Schnupfenviren infizierte, erkrankten seltener und weniger schwer. Grund: Sie weisen mehr Abwehrzellen im Blut auf. Wird aus der ersten Verliebtheit dann eine harmonische Partnerschaft, wächst der Gesundheits-Benefit noch. So empfinden Rheumapatienten, die glücklich verheiratet sind, weniger Schmerzen und können ihre Gelenke besser bewegen als Ledige, so die American Pain Society. Das Zusammenbleiben lohnt sich buchstäblich bis zum letzten Tag. „Eine lebendige Paarbeziehung über viele Jahre halbiert im Alter das Risiko, an einer Demenz zu erkranken“, so Dr. Krister Håkansson vom Karolinska-Institut in Stockholm.

Das können Sie selbst tun: Das Gesundheits-Geheimnis der Liebe ruht auf unterschiedlichen Säulen. Eine davon heißt Oxytocin. Das „Kuschelhormon“ wird ausgeschüttet, wenn wir zärtlich mit jemandem sind. Es senkt den Blutdruck, wirkt Entzündungen entgegen und fördert die Regenerationskräfte des Körpers. Und nichts kurbelt die Oxytocin-Produktion so an wie Sex. Das gilt übrigens auch, wenn man ihn alleine genießt: Eine Studie mit britischen Studenten zeigte, dass die Ausschüttung auch bei Teilnehmern anstieg, die sich selbst befriedigten.
Doch das sind natürlich nicht die einzigen Möglichkeiten. Wer sich eine Massage gönnt, kommt dank der Berührungsreize auch in den Genuss des heilsamen Liebeshormons. Laut der schwedischen Biologieprofessorin Kerstin Uvnäs-Moberg wird Oxytocin außerdem auch bei bestimmten geistigen Prozessen freigesetzt: etwa beim Beten, Meditieren oder einfach beim Schöne-Gedanken-Machen.

 

Nr. 4 Düfte

Das sagt die Forschung: Manche Duftstoffe wirken auf das Gehirn wie Medikamente, fand der renommierte Riechforscher Prof. Hanns Hatt von der Universität Bochum heraus. Je nach Art des Geruchs lassen sich Ängste lindern oder Konzentration und Stimmung schnell bessern. So zeigte sich etwa, dass Moleküle mit einem grapefruitartigen Aroma im Tierversuch an speziellen Rezeptoren andockten, woraufhin die Versuchsmäuse prompt einschlummerten.
Dieses Wissen ist Grundlage der Aromatherapie: Dabei werden ätherische Öle, also die Duftstoffe von Pflanzen, gezielt eingesetzt, um Blutdruck, Herzfrequenz oder Muskelspannung zu steuern. Düfte wirken aber längst nicht nur im Gehirn. Gelangen beispielsweise Moleküle von Rosmarin über Atmung und Haut in den Blutstrom, wirken sie im Körper gefäßerweiternd. Die Durchblutung wird angekurbelt, die Sauerstoffaufnahme steigt – wir fühlen uns erfrischt.

Das können Sie selbst tun: Ätherische Öle lassen sich mithilfe einer Duftlampe vielseitig einsetzen. Dazu geben Sie je nach Raumgröße 2 bis 6 Tropfen des Öls in das Schälchen Wasser, das über dem Teelicht hängt. Spritzige Zitrusdüfte wie Lemongras oder Orange beleben, warme Düfte wie Jasmin oder Sandelholz beruhigen. Im Badewasser verbindet sich der Dufteffekt mit der Wirkung auf die Haut. Dafür 3 bis 5 Tropfen des Öls in 3 EL Sahne rühren und die Mischung in die gefüllte Badewanne geben. Um das Immunsystem zu stärken, je 10 Tropfen Eukalyptus-, Lavendel-, Fichten-, Thymian-, Teebaumund Zitronenöl (Apotheke) in 30 ml Macadamiaöl geben. Von diesem Mix täglich 1 TL abschöpfen und damit Fußsohlen, Nacken sowie Bauchmitte massieren und über drei Wochen kurmäßig anwenden.

 

Nr. 5 Neugier

Das sagt die Forschung: Wer zeitlebens wissbegierig und geistig interessiert bleibt, schafft sich ein Schutzpolster vor Demenz im Alter, fasst das Netzwerk Alternsforschung der Universität Heidelberg aktuelle Forschungsergebnisse zusammen. Die Beschäftigung mit neuen Eindrücken und Anforderungen wirkt wie ein Jungbrunnen für die grauen Zellen. Es werden Nervenwachstumsfaktoren freigesetzt, und zwischen den Neuronen sprießen neue Verbindungen (Synapsen). Es entsteht eine kognitive Reserve, die den geistigen Verfall im hohen Alter bremst. David Cutler und Ellen Meara von der Harvard University in Boston fanden außerdem heraus, dass eine höhere Bildung das Leben um bis zu sieben Jahre verlängern kann. Sie stärkt die Fähigkeit, vorausschauend zu planen und entsprechend zu leben – und das kommt der Gesundheit zugute.

Das können Sie selbst tun: Ob Französischkurse, Tanzunterricht oder Klarinettenstunde – was immer Ihr Interesse weckt und das Gehirn fordert, schützt vor dem geistigen Abbau. Dazu zählt auch das laute Lesen von anspruchsvollen Texten. Es stimuliert den präfrontalen Cortex, die Schnelldenkzentrale an der Stirnseite des Gehirns. Das fand der japanische Neurowissenschaftler Prof. Ryuta Kawashima von der Tohoku-Universität heraus. Je mehr Grips der Text erfordert und je klarer die Aussprache ist, desto größer der Effekt. Auch die Ernährung trägt dazu bei, das Gehirn jung zu halten. Blaubeeren etwa sind pures Brainfood. Schon eine Handvoll täglich zeigt Wirkung. Das entdeckten Forscher an der Tufts-Universität in Boston, als sie ältere Ratten mit Blaubeer-Nährstoffen fütterten. Dank der Farbstoffe in den Kraftkügelchen kommunizierten die „grauen Zellen“ besser, die Gehirne enthielten weniger schädliche Eiweißstoffe, und es bildeten sich neue Nervenzellen.

Autor: Bernhard Hobelsberger