Schwangerschaft Fruchtwasseruntersuchung – notwendig oder nicht?

Während einer Schwangerschaft gibt es zahlreiche Untersuchungen, die Informationen über den Gesundheitszustand und die Entwicklung des ungeborenen Babys liefern. Einige davon werden immer gemacht, andere wiederrum, werden nur unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt – hierzu gehört auch die Fruchtwasseruntersuchung. 

Fruchtwasseruntersuchung

Fruchtwasseruntersuchung in der Schwangerschaft notwendig?

Für eine Fruchtwasseruntersuchung in der Schwangerschaft kann es verschiedene Gründe geben. Wenn das Lebensalter der Schwangeren über 35 Jahren liegt oder es Chromosom-Störungen in der direkten Familie gab. Auch frühere Schwangerschaften der Frau die risikoreich waren, können eine mögliche Indikation sein. Der Frauenarzt wird entscheiden, ob eine Fruchtwasseruntersuchung sinnvoll ist und die werdenden Eltern hier umfassend beraten.

Wann wird eine Fruchtwasseruntersuchung vorgenommen?

Die Fruchtwasseruntersuchung findet zwischen der 16ten und 18ten Schwangerschaftswoche statt. In Ausnahmefällen kann diese Untersuchung auch ein wenig früher stattfinden. Allerdings sollte sie nicht vor der 15ten Schwangerschaftswoche erfolgen, da hier die Risiken einfach zu groß.

Was passiert denn während der Untersuchung?

Vereinfacht ausgedrückt wird direkt aus der Fruchtblase Flüssigkeit entnommen. Hierfür wird über die Bauchhaut (ein kleiner Schnitt ist erforderlich) eine Punktionsnadel an die Fruchtblase herangeführt und dort das Fruchtwasser entnommen. Dies wird dann im Labor untersucht, die Chromosomen werden bestimmt und ausgezählt. Das alles hört sich einfach an, birgt aber auch Risiken. Schmerzhaft ist die Untersuchung für die Schwangere nicht, die Untersuchung wird mit örtlicher Betäubung durchgeführt und dadurch spürt die Schwangere keinen Schmerz. Nach der Untersuchung kann es allerdings zu Schmerzen oder leichten Blutungen kommen.

Risiken der Fruchtwasseruntersuchung

Das größte Risiko bei der Fruchtwasseruntersuchung ist ein Blasensprung oder auch das Einsetzen der Wehen. Auch Verletzungen des Kindes oder der Nabelschnurgefäße können vorkommen. Daher wird kein verantwortungsvoller Arzt ohne zwingenden Grund eine Fruchtwasseruntersuchung durchführen. Auch wenn das Risiko einer Fehlgeburt gering ist, sollte man immer den Nutzen dieser Untersuchung abwägen. Noch weitaus geringer ist die Gefahr, das Kind bei der Untersuchung zu verletzen. 

Wann können die Eltern mit einem Befund rechnen?

Leider bekommen die werden Eltern das Ergebnis meist erst nach zwei bis drei Wochen mitgeteilt. Die Laboruntersuchung nimmt einige Zeit in Anspruch. Ein langer Zeitraum, wenn man sich Sorgen macht.

Was, wenn das Ergebnis positiv ist?

Falls wirklich ein Chromosomenschaden oder eine Erbkrankheit vorliegt, müssen sich die Eltern im Klaren darüber sein, dass dieses nicht heilbar ist. Allerdings kann keiner mit Gewissheit sagen, wie stark die Beeinträchtigungen des Kindes denn wirklich sein werden. Besprechen Sie also die Entscheidung, die getroffen werden muss, ausführlich untereinander und auch mit Ihrem Arzt. Der relativ späte Zeitpunkt der Fruchtwasseruntersuchung macht die Entscheidung nicht einfacher. Falls sich die Eltern also, aus welchen Gründen auch immer, gegen das Kind entscheiden müssen, steht dem Paar noch ein schwieriger Weg bevor. Leider kann zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft keine Ausschabung oder Absaugung unter Narkose erfolge. Das bedeutet, es muss eine künstliche Fehlgeburt eingeleitet werden. Dies ist für die Eltern eine enorme seelische und natürlich auch körperliche Belastung.

Fazit

Alle werdenden Eltern sollten sehr gut überlegen, ob eine Fruchtwasseruntersuchung sinnvoll ist. Ganz abgesehen von den Risiken dieser Untersuchung. Das Paar sollte sich schon im Vorfeld darüber einig sein, was bei einem positiven Ergebnis geschieht. Sicher kann die Untersuchung auch ein Segen für werdende Eltern sein. Bei Paaren, wo das Risiko extrem hoch ist, dass ihr Kind einen Chromosomenschaden haben könnte, ist es manchmal auch hilfreich, wenn dieser Verdacht vom Tisch ist. Andererseits kann es für werdende Eltern auch hilfreich sein, vor der Geburt zu wissen, dass ihr Kind eine Behinderung haben wird. Sicher ist dies am Anfang ein schwer zu verkraftender Gedanke. Aber wer die Gelegenheit nutzt und sich mit anderen Eltern behinderter Kinder austauscht, wird erfahren, auch diese Kinder können eine absolute Bereicherung des Lebens sein. Es ist aber auch völlig in Ordnung, wenn Eltern sich nicht der Belastung eines behinderten Kindes aussetzen möchten oder können. Vor der Fruchtwasseruntersuchung sollte halt sehr gut überlegt werden, wie mit einem positiven Ergebnis umzugehen ist. Hier gibt es ganz sicher keine richtige und falsche Entscheidung.