Impfung gegen das Coronavirus Bin ich trotz Impfung Überträger? Experte Dr. Esser beantwortet die wichtigsten Fragen zum Coronavirus

Das Coronavirus hat den Alltag verändert. Bis es einen Impfstoff gegen das Virus gibt, werden uns Beschränkungen und verschärfte Hygieneregeln weiterhin begleiten. Vital konnte mit Lungenfacharzt Dr. Heinz-Wilhelm Esser über das Virus und den Impfstoff sprechen.

Impfung

Das Coronavirus versetzt die Welt in den Ausnahmezustand. Der Alltag ist beschränkt, verschärfte Hygieneregeln gelten und die Mundschutzpflicht hat sich ebenfalls durchgesetzt. Bis es einen Impfstoff gegen das Virus gibt, wird der Ausnahmezustand wohl anhalten. Vital konnte mit Dr. Esser, Lungenfacharzt am Sana Klinikum Remscheid über das Virus und einen möglichen Impfstoff sprechen.

Vital: Aktuell hofft die Welt auf einen Impfstoff. Bei den Pharmakonzernen kursieren unterschiedliche Zeiten, zu denen er fertig sein könnte. Doch wann kommt der Impfstoff gegen das Virus?

Dr. Esser: "Die Phase-1-Studie für einen Impfstoff ist erstaunlich früh zugelassen worden. Innerhalb der Phase-1-Studie wird der Impfstoff an einer kleinen Gruppe von Gesunden erprobt. Bei guten Ergebnissen können Phase-II-und Phase-III-Studien zeitnah folgen – was vielleicht eine Zulassung des Impfstoffes Ende 2020 bedeutet. Realistisch halte ich jedoch eine Zulassung Anfang 2021."

Vital: Warum dauert es so lange, bis eine Zulassung erfolgt?

Dr. Esser: "Es wird dringend ein Impfstoff benötigt, welcher jedoch nach dem bisherigen Sicherheitsprofil entwickelt werden muss. In Deutschland ist das für die Zulassung mit den Phase-I-bis-III-Studien für neue Medikamente normal. Man darf nicht vergessen: Jede Substanz hat auch Nebenwirkungen. Und diese müssen ausreichend bekannt sein, bevor ein Medikament auf den Markt kommt."

Vital: Mit einer Einführung des Impfstoffs: Wie würden Impfregeln aussehen? Muss ich mich dann impfen lassen?

Dr. Esser: "Ich bin ein absoluter Verfechter von Impfungen, allerdings setze ich auf Überzeugung und nicht auf Zwang. Vorstellbar wäre eine Impfempfehlung ähnlich der Empfehlung für die Influenzaimpfung – ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Personen in Heilberufen etc. Ich hoffe, dass das zu einer schnelleren Herdenimmunität beitragen wird."

Vital: Wenn ich mich dann impfen lasse, kann ich das Virus anschließend weitergeben?

Dr. Esser: "Das hängt von der Art des Impfstoffes ab. Mittlerweile handelt es sich fast immer um Totimpfstoffe, so dass eine Weitergabe nicht möglich ist. Bei einer Impfung mit einem Lebendvirusimpfstoff besteht ein Risiko für eine Übertragung."

Vital: Ist es bis zur Fertigstellung des Impfstoffs denn sinnvoll, die Maskenpflicht weiterhin bestehen zu lassen?

Dr. Esser: "Ich bin kein großer Freund der Mundschutzpflicht. Zum einen ist die Studienlage hinsichtlich Effizienz von diesen Maßnahmen nicht eindeutig, zum anderen stelle ich immer wieder fest, dass der Umgang mit der Maske von vielen Bürgern nicht beherrscht wird und so die Gefahr einer Kontamination gegeben ist. Zusätzlich wiegen sich viele in einer trügerischen Sicherheit und vergessen die Abstandsregel und Niesetiquette. Auch bringen Einmalhandschuhe nichts. Hier gilt auch wieder, dass der Umgang gelernt sein will und ich trage im Krankenhaus auch nicht ständig Handschuhe, sondern nur bei einigen ärtzlichen Handlungen."

Vital: Wie könnte der Umgang mit dem Virus in Zukunft aussehen? Könnte es sich wie ein Grippevirus etabliert haben?

Dr. Esser: "Das hoffe ich. Im besten Falle haben wir einen effektiven Impfstoff, so dass Risikogruppen geschützt werden können. Wir wissen mittlerweile, dass junge Betroffene zwar einen schweren Verlauf zeigen können, aber selten an SARS-CoV-2 versterben. So kennen wir das auch von der Influenza – bei jungen Menschen läuft sie in den häufigsten Fällen sehr glimpflich ab, aber man muss immer wieder darüber aufklären, dass es auch schwere Verläufe bei Jungen und gesunden gibt."

Datum: 07.05.2020

Autor: Christina Liersch

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