Heilung Rheuma

Damit unser Immunsystem Eindringlinge bekämpfen kann, markiert es sie zuvor mit Y-förmigen Antikörpern. Ein geniales Prinzip, das Mediziner jetzt mit wachsendem Erfolg gegen Krankheiten einsetzen.

Antikörper

Auch im Kampf gegen Rheuma verfolgen Ärzte ehrgeizige Ziele.

„Früher wollten wir einen erträglichen Zustand erreichen“, so Prof. Iris Löw-Friedrich, Forschungsleiterin beim Pharmakonzern UCB und Lehrbeauftragte an der Universität Frankfurt. „Heute heißt das Behandlungsziel Remission: Die Betroffenen sollen symptomfrei sein.“ Dafür sind zurzeit drei Antikörper zugelassen: Adalimumab, Certolizumab und Rituximab. Die ersten beiden blockieren den Entzündungsbotenstoff TNF-alpha. Rituximab besetzt eine Art Schalter auf weißen Blutkörperchen und verhindert so, dass sie weitere Entzündungsauslöser freisetzen. Dadurch arbeiten Gelenke wieder wie geschmiert, Schwellungen gehen zurück, die morgendliche Steife lässt nach. Das belegen mittlerweile mehrere große Studien. Da auch die Rheuma-Symptome Erschöpfung und Müdigkeit deutlich abnehmen, können viele Betroffene tatsächlich wieder ein normales Leben führen.

Fehlgeleitete Entzündungen spielen nicht nur bei Rheuma, sondern ebenso bei Schuppenflechte (Psoriasis) und multipler Sklerose (MS) eine entscheidende Rolle. Die Suche nach wirksamen Antikörpern läuft in beiden Fällen auf Hochtouren. Jeweils einer ist schon auf dem Markt: Ustekinumab kann bei Psoriasis-Patienten innerhalb von zwölf Wochen die Beschwerden um bis zu 75 Prozent mildern. Natalizumab verringert im gleichen Zeitraum die Anzahl der MS-Schübe um bis zu 68 Prozent und senkt das Risiko einer zunehmenden Körperbehinderung aufgrund der MS um bis zu 54 Prozent. Das bedeutet: mehr Lebenszeit, die nicht durch die Krankheit beherrscht wird. Bei keiner anderen Krankheit ist das so wichtig wie bei Krebs. Da erstaunt es nicht, dass die meisten Antikörper, die das Paul-Ehrlich-Institut in Langen auflistet – insgesamt 29 –, für diese Indikation zugelassen sind. Sie schneiden Tumore von der Blutversorgung ab, bremsen ihr unkontrolliertes Wachstum oder markieren sie, damit Abwehr zellen sie abtöten können.

Noch kann die Antikörper-Therapie die bisherigen Behandlungsmethoden (Chemotherapie, Bestrahlung, OP) nicht ersetzen. Aber wirkungsvoll ergänzen. So belegen zahlreiche Studien, dass beispielsweise der Antikörper Trastuzumab bei Brustkrebs öfter eine brusterhaltende Operation ermöglicht und viel dazu beiträgt, dass der Krebs seltener zurückkehrt. Sogar wenn sich schon Tochtertumore (Metastasen) entwickelt haben, bewirkt die Antikörper-Therapie ein deutlich langsameres Voranschreiten.

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