Energie: Gesundheit Die richtige Behandlung bei einem Infarkt

Ich schenke dir mein Herz, ich schließe dich in mein Herz, ich fasse mir ein Herz, ich bringe es nicht übers Herz, es bricht mir das Herz: Kein anderes menschliches Organ verkörpert die Liebe und den Schmerz, den Mut und die Verzweiflung, das Leben und den Tod so radikal und poetisch zugleich. Kaum verwunderlich, dass auch aus medizinischer Sicht dem Herzen eine Schlüsselrolle zufällt.

Das Herz ist ein Organ und ist wichtig aus der Sicht von Ärzten

Auf leisen Sohlen

Beim Infarkt verstopft ein winziges Blutgerinnsel eine der millimeterdünnen Adern der Herzkranzgefäße. Ein Teil des Herzmuskels wird nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt, dieser gerät außer Takt. Es kann in den ersten Stunden nach der Verstopfung zum Kammerflimmern kommen. Das Herz schlägt über 300-mal/Minute (normal: 60–70-mal/Minute), aber so uneffektiv, dass sich die Herzkammer nicht mehr ausreichend mit Blut füllen kann und der Kreislauf zusammenbricht. Eine andere Folge: das Absterben eines Herzmuskelbereichs.
 
Viele Menschen weltweit schwören seit Jahrzehnten auf Acetylsalicylsäure (ASS, „Aspirin“), weil sie das Blut verdünnt und so Verklumpungen des Blutes vorbeugt. Gerade bei Gefäßvorerkrankung lässt sich so die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich verringern. Doch nicht für jeden ist die ASS-Einnahme zum Schutz vor Herzinfarkten ratsam, warnt die Deutsche Herzstiftung. Prof. Dr. Helmut Gohlke, der dem Vorstand der Deutschen Herzstiftung angehört, betont: „Hat ein Mensch kein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, ist von einer regelmäßigen ASS-Einnahme abzuraten.“ Bei Gesunden ist die Gefahr von Nebenwirkungen (Blutungen im Magen-Darm-Bereich, Gehirnblutungen) größer als der Nutzen – selbst wenn täglich nur die empfohlene, niedrige Dosis von 75–100 mg eingenommen wird. Zum Vergleich: Die handelsübliche Tablette gegen Kopfschmerzen enthält 300 bis 500 mg. Vorbote eines echten Infarkts können z. B. Angina-pectoris-Anfälle sein: starke Schmerzen in der Herzgegend, die ausstrahlen. In der Metamedizin stehen sie für einen Territoriumsverlust. Unser Territorium ist das, was uns gehört, das, was wir unter vielleicht großen Mühen erbaut oder erschaffen haben – sei es unser Haus, unsere Firma, unsere Familie, unsere Kinder, unsere Arbeit.

Wenn das Herz bricht 

Diese Zusammenhänge sind nicht abwegig. Mittlerweile erkennen auch Wissenschaftler an, dass schwerwiegende psychische und emotionale Ereignisse sich auf das Herz auswirken. Die Hochschule Hannover  veröffentlichte im September 2013 eine Studie zu dem Phänomen des gebrochenen Herzens (Broken-Heart-Syndrom). Demnach leiden daran 2,5 Prozent aller Patienten, die mit Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Krankenhaus kommen. Es kann z.B. nach dem Tod des Partners oder einer Scheidung auftreten, bei Mobbing oder finanziellen Sorgen. Die Symptome, der EKG-Befund und selbst die Laborwerte gleichen denen des Herzinfarkts bis ins Detail. In der ersten Phase sind beide Erkrankungen gleich lebensgefährlich – beim Broken-Heart-Syndrom funktioniert der Herzmuskel, wenn er sich erholt, jedoch wieder normal. Beim Herzinfarkt hingegen entstehen dauerhafte Narben, die die Pumpfunktion des Organs langfristig beeinträchtigen können. Nur die Herzkatheteruntersuchung zeigt, dass bei einem gebrochenen Herzen die Herzkranzgefäße nicht wie bei einem echten Herzinfarkt verstopft sind. Diese invasive Untersuchung wird vielleicht bald ersetzt werden: Forschern aus Hannover und von der Universität Zürich ist es vor Kurzem gelungen, Biomarker im Blut zu identifizieren, welche es nur beim Syndrom des gebrochenen Herzens gibt.
 
Vor einem Schicksalsschlag, davor, dass ein zutiefst trauriges Ereignis uns das Herz bricht, ist niemand gefeit. Unser Herz stärken können wir beizeiten durch die nötige Achtsamkeit, die wir uns und unseren Lieben zukommen lassen. Wenn wir uns regelmäßig bewegen und mediterran ernähren, auf Nikotin verzichten, Stress abbauen oder vorbeugen, ist schon viel gewonnen. Der Herzspezialist und Organist Prof. Dr. Hans- Joachim Trappe vom Vorstand der Deut- schen Herzstiftung glaubt zudem an die Kraft der Musik. Sie helfe bei Herz-Kreislauf- Problemen, Ängsten, Depressionen, gegen Schlafstörungen und Stress. Die positiven Auswirkungen auf das Immunsystem sind bekannt. Er selbst empfiehlt vor allem Klassik. Doch auch Popsongs vermögen es, die Herzen höherschlagen zu lassen und Männer wie Frauen dazu zu bringen, ihrem Herzen zu folgen oder es zu verschenken, dem Schmerz in ihrem Herzen nachzugeben – oder aber sich ein Herz zu fassen, um jemanden oder auch das Leben selbst (wieder) in ihr Herz zu schließen.

Autor: Dr. Suzann Kirchner-Brouns