Medizin Diagnostik

In den vergangenen 40 Jahren haben wir den Mensch immer besser verstehen gelernt. Wer hätte gedacht, dass wir mit Genen heilen? Oder ohne Schnitte operieren? Ein Abriss über die medizinische Entwicklung bei den 10 wichtigsten Frauenkrankheiten.

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Diagnostik

Allergien

Früher: Der Prick-Test weist eine Allergie in ein paar Minuten nach. Das vermutete Allergen (z. B. Pollen) wird in Tropfenform auf den Unterarm aufgetragen, die Haut darunter mit einer Lanzette aufgestochen. Reagiert der Patient allergisch, bilden sich eine Rötung, Quaddeln, Juckreiz.

Heute: In Blutproben können sogenannte freie IgE-Antikörper gemessen werden. Bei einer Allergie ist der Wert dieser speziellen Immuneiweiße erhöht. Das eosinophile kationische Protein im Blut gibt Auskunft darüber, ob eine allergische Entzündungsreaktion vorliegt.

Augenerkrankungen

Früher: Zur Messung des Augeninnendrucks im Rahmen der Früherkennung des grünen Stars ist eine lokale Betäubung nötig. Für die Untersuchung des Augenhintergrunds müssen die Pupillen weit getropft werden. Unscharfes Sehen, Blendempfindlichkeit halten Stunden an.

Heute: Per Laser lassen sich z. B. Sehnerv und Hornhaut für den Glaukom-Check (grüner Star) schmerzfrei und präzise vermessen. Die digitale Darstellung der Netzhaut erleichtert die schonende Diagnose von Augenerkrankungen, liefert aber auch Hinweise auf Herz-Kreislauf-Risiken.

Brustkrebs

Früher: Zur Früherkennung von Brustkrebs wird die Mammografie eingesetzt. Die Röntgenuntersuchung spürt mit kontrastreichen Aufnahmen bereits noch nicht tastbare Tumore auf. Die Röntgengeräte sind aber nicht zertifiziert, haben eine 10-fach höhere Strahlendosis als heutige.

Heute: Für Frauen zwischen 50 und 69 zahlen die Kassen alle zwei Jahre ein Mammografie- Screening. Die dreidimensionalen Röntgenbilder der digitalen Mammografie erkennen selbst Vorstufen von Brustkrebs. Der Gentest BCRA1/BCRA2 sagt das Krebsrisiko vorher.

Darmkrebs

Früher: Mit Tests auf verborgenes Blut im Stuhl („Haemoccult“) sollen Darmkrebs und seine Vorstufen, die Darmpolypen, aufgespürt werden. Aber nur bei 15 % der Patienten mit positivem Test liegt tatsächlich Krebs vor. Viel genauer ist die Koloskopie (Darmspiegelung).

Heute: Immunologische Tests finden deutlich mehr Krebsvorstufen als der Okkultblut-Test. Die Darmspiegelung – Trefferquote: fast 90 %! – ist ab 55 Jahren alle 10 Jahre Kassenleistung. Eine Kamerakapsel, die geschluckt werden kann, schießt Fotos vom Darm.

Depressionen

Früher: Der Psychiater beurteilt den Gemütszustand des Patienten lediglich nach einer groben Dreier-Klassifikation: 1. durch belastende Lebensumstände ausgelöste Depression, 2. genetisch bedingte Depression, 3. durch körperliche Krankheiten ausgelöste Depression.

Heute: Die Depression wird exakt mit der Klassifikation nach ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation bestimmt. Sie gibt dem Psychiater einen differenzierten Symptomkatalog an die Hand. Zunehmend wird das EEG eingesetzt. Es entlarvt typische depressive Gehirnaktivitäten.

Diabetes

Früher: Oft wird nur der Nüchternblutzucker ermittelt, eine Momentaufnahme. Nicht jeder Diabetes Typ II lässt sich damit feststellen. Ein Glukose Toleranztest, bei dem Zuckerlösung getrunken und der Blutzuckerwert nach zwei Stunden gemessen wird, ist aussagekräftiger.

Heute: Kombiniert werden Glukose-Toleranztest und der Langzeitblutzucker- Wert HbA1c. Er gibt den Prozentanteil des mit Glukose verbundenen roten Blutfarbstoffs an, der immer unter 6,5 % liegen sollte. Damit lässt sich der Blutzucker der letzten 8 bis 10 Wochen beurteilen.

Hautkrebs

Früher: Der Arzt beurteilt Hautveränderungen nach der ABCD-Regel. Für schwarzen Hautkrebs sprechen: asymetrische Form, unscharfe Begrenzung, Mehrfarbigkeit (engl.: colour), ein Durchmesser von mehr als 5 mm. Auffälligkeiten werden auf einer Körperkarte eingetragen.

Heute: Mit dem Auflichtmikroskop lassen sich tiefere Gewebeschichten inspizieren. Die Daten werden am Computer ausgewertet. Ab 35 können gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre kostenlos zum Hautkrebs- Check gehen. Früh erkannt, ist Hautkrebs heute wie früher heilbar.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Früher: Ein Röntgenbild vermittelt einen Eindruck über Form, Größe und Lage des Herzens. Die Untersuchungsergebnisse sind aber oft unpräzise. Ob Gehirn und Herzkranzgefäße gut durchblutet werden, lässt sich mit Ultraschall und Kontrastmittel sichtbar machen.

Heute: Moderner Ultraschall und der Kernspin (MRT) ermöglichen genaue Darstellungen von Herz, Gehirn, Gefäßen, ohne Eingriff in den Körper oder Strahlung. Die Positronen- Emissions-Tomografie (PET) liefert detaillierte Bilder von radioaktiv markiertem Gewebe.

Migräne

Früher: Der Patient schildert dem Arzt seine Beschwerden. Typische Symptome wie halbseitiger Stirn-, Augenschmerz oder Sehstörungen bringen ihn auf die Diagnosespur. Vielleicht. Denn einen einheitlichen Diagnose-Schlüssel gibt es nicht, apparative Diagnostik macht keinen Sinn.

Heute: Die Kriterien der International Headache Society für den Arzt zusammen mit dem Kieler-Kopfschmerz-Fragebogen für den Patienten machen eine 100-%ige Diagnose möglich. Eine apparative Diagnostik ist überflüssig – und es gibt sie bis heute auch nicht.

Myome

Früher: Myome – gutartige Geschwulste – am Gebärmuttermund werden vaginal mit einem Spekulum betrachtet. Myome am Uteruskörper durch Bauchdecke und Scheide abgetastet. Bauchdecken- Ultraschall macht Myome sichtbar. Noch schlechte Bildqualität.

Heute: Viele Myome lassen sich gestochen scharf mit dem vaginalen Ultraschall darstellen. Die Schallwellen werden direkt von der Gebärmutter reflektiert. Sitzt das Myom in der Uterusschleimhaut, wird die Gebärmutter durch einen Bauchschnitt endoskopisch gespiegelt.