27. Oktober 2011
Alleskönner Kontaktlinsen

Alleskönner Kontaktlinsen

Statt mit einer Brille korrigieren Millionen Deutsche ihre Sehschwäche mit Kontaktlinsen. Und die sind heute wahre Alleskönner – wenn es die Richtigen sind. Alles Wichtige für den perfekten Durchblick.

Frau mit Kontaktlinse
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Frau mit Kontaktlinse

Sie sind unsichtbar, stören weder beim Sport noch beschlagen sie bei Regenwetter. Und gut vertragen werden Kontaktlinsen in den allermeisten Fällen auch. Bleibt die Frage: Welche der kleinen Haftschalen sind die Richtigen? Es ist nämlich nicht ganz einfach, bei der Vielzahl an neuen Linsentypen und verbesserten Materialien den Überblick zu behalten. Vital hat mit Fachleuten über aktuelle Trends und Neuerungen gesprochen und sich erklären lassen, worauf es beim Linsen-Kauf ankommt.

Scharf und deutlich: klare Sicht für alle

Für Kurzsichtige: Eine sogenannte Myopie kann heute sprichwörtlich über Nacht verschwinden. Möglich machen das Orthokeratologie- oder kurz OK-Linsen. Es handelt sich bei ihnen um formstabile („harte“) Haftschalen, die extrem sauerstoffdurchlässig sind und die Hornhaut – während ihr Träger tief und fest schläft – in eine andere Form bringen. Tagsüber werden sie abgesetzt, scharfes Sehen geht bis zur nächsten Nacht ohne jede Sehhilfe. Allerdings korrigieren die OK-Linsen nur eine schwächer ausgeprägte Kurzsichtigkeit von bis zu -5 Dioptrien. Sie eignen sich vor allem für Menschen, die einen Job mit hoher Staubbelastung haben. Die Hightechmodelle haben allerdings ihren Preis: Die Erstanpassung kostet 400 bis 500 Euro, pro Jahr kommt die gleiche Summe für die Linsen dazu (Infos unter ok-info.org).

Für Weitsichtige: Bei einer Hyperopie bieten sich vor allem neuartige Silikonhydrogel-Linsen an, die man bis zu vier Wochen am Stück trägt – auch beim Schlafen. Sie bestehen aus winzigen Silizium-Sauerstoffverbindungen, die Wassermoleküle umschließen. Dieses Material ist besonders verträglich und hat gewebeähnliche Eigenschaften. Seine hohe Sauerstoffdurchlässigkeit verhindert in der Nacht eine Schwellung der Hornhaut. Die weichen Linsen können ein Spektrum von +10 und bis -12 Dioptrien ausgleichen. Erste Modelle regulieren sogar schon Hornhautverkrümmungen. Der Preis: ab 200 Euro, zuzüglich Anpassung und regelmäßiger Nachkontrolle (weitere Infos unter sehen.de).

Für Alterssichtige: Etwa ab 45 haben die meisten damit zu kämpfen. Lesen ohne Brille wird zunehmend anstrengend. Das betrifft auch diejenigen, die kurzsichtig sind. Doch heute muss niemand mehr mit zwei Brillen hantieren. Neue Multifokal- oder Gleitsichtlinsen (z. B. „Air Optix Aqua Multifokal“, Fachhandel) erlauben das scharfe Sehen sowohl in der Ferne als auch in der Nähe. Auch sie bestehen aus Silikonhydrogel und haben mehrere Sehzonen mit einem gemeinsamen Mittelpunkt („multifokal“). Welches Bild gebraucht wird, wählt das Gehirn automatisch aus. So können bis zu 20 Dioptrien ausgeglichen werden. Gleitsicht-Monatslinsen kosten für ein halbes Jahr etwa 180 Euro.

Hintergrund

Sehen ist der wichtigste unserer fünf Sinne: 85 Prozent der Informationen über unsere Umwelt erhalten wir über die Augen. Lässt die Sehschärfe nach, beeinträchtigt das die Lebensqualität. Fast zwei Drittel aller Deutschen über 16 Jahren benötigen eine Seh hilfe, die meisten wegen Kurzsichtigkeit. Rund fünf Prozent der Erwachsenen entscheiden sich für Kontakt linsen. Die kleinen Haftschalen, die federleicht auf der Tränenflüssigkeit schwimmen, sind inzwischen in der Lage, fast jeden Sehfehler elegant auszugleichen.

Bei Hornhautverkrümmung: Um einen leichten Astigmatismus auszugleichen, reicht häufig bereits eine „normale“ formstabile Kontaktlinse aus. Bei stärker ausgeprägten Formen kann jetzt eine neue torische, d. h. zylindrische Linse helfen, die dafür sorgt, dass Lichtstrahlen, die auf das Auge treffen, an einem Punkt auf der Netzhaut gebündelt werden. Dafür ist es allerdings wichtig, dass sie in genau der richtigen Position auf dem Auge sitzt. Diese Linsen gibt es in allen Stärken und inzwischen auch als weiche Haftschalen. Sie korrigieren Kurzsichtigkeit bis -12 Dioptrien und Weitsichtigkeit bis +6 Dioptrien bei einer Hornhautverkrümmung von bis zu 2,5. Es gibt torische Tages-, Wochen- und Monatslinsen, die zwischen 30 und 60 Euro kosten (Infos: kontaktlinseninfo.com).

Linsen aus dem Netz: keine gute Idee

Generell gilt: Wer Kontaktlinsen ausprobieren will, sollte das nicht in Eigenregie tun. Die Erstanpassung gehört in die Hand eines Optikers oder des Augenarztes. „Wir berücksichtigen den allgemeinen Gesundheitszustand. Manche Menschen haben Allergien gegen Schwermetalle, die in bestimmten Pflegemitteln vorkommen“, erklärt Christian Müller, Vizepräsident des Zentralverbandes der Augenoptiker in Düsseldorf. „Dann geht es um die Beschaffenheit des Auges. Wir vermessen die Oberfläche der Hornhaut an 9000 Punkten. Der Tränenfilm wird überprüft, die Abflachung des Auges kontrolliert und der vordere Augenabschnitt auf Verhärtungen untersucht. Anhand dieser Kriterien suchen wir die passende Linse aus.“ Das kostet etwa 50 Euro und ist keine Kassenleistung.

Optiker und Augenärzte raten dringend davon ab, sich bei Internetanbietern buchstäblich blind Linsen zu bestellen. „Die einfachen Lösungen, die da teilweise versprochen werden, gibt es nicht“, sagt Dr. Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte in Düsseldorf. „Die Fälle, in denen sich Probleme durch das Tragen falscher Linsen ergeben, häufen sich.“ So können Blutgefäße abgequetscht oder die Hornhaut beschädigt werden. Ein- bis zweimal im Jahr sollte daher geprüft werden, ob die Linsen noch korrekt sitzen. „Sie sind zwar für viele selbstverständlicher Teil des Alltags“, weiß Optiker Christian Müller. „Aber es handelt sich immer noch um ein Medizinprodukt, für das gelten ganz klare Regeln gibt.“

Dos and Don´ts rund um die Kontaktlinse

Wenn Haftschalen Probleme verursachen, steckt in 70 Prozent der Fälle ein Anwendungsfehler dahinter. So kann man sie wirkungsvoll vermeiden.

Darf ich Monatslinsen auch mal etwas länger als vier Wochen tragen?
Lieber nicht. „Es ist nämlich so, dass Träger von weichen Kontaktlinsen meist erst Veränderungen spüren, wenn sich bereits Probleme eingestellt haben“, sagt Christian Müller, Vizepräsident des Zentralverbandes der Augenoptiker. Sein Rat: Linsen niemals übertragen, sondern Monatslinsen nur vier Wochen nutzen.

Was passiert, wenn ich Kontaktlinsen nicht vertrage?
Die Augen werden rot, jucken oder brennen. „Aber sobald die Linsen raus sind, entwickeln sich die Beschwerden zurück“, beruhigt Müller. Das ist z. B. bei Allergien der Fall. Dann unbedingt zum Augenarzt oder zum Optiker gehen.

Wie oft sollte ich den Sitz meiner Linsen kontrollieren lassen?
Der Sitz von weichen Haftschalen sollte zweimal im Jahr, der von harten bzw. formstabilen Linsen einmal im Jahr bei einer Nachuntersuchung geprüft werden.

Darf ich Linsen tragen, wenn ich unter Heuschnupfen leide?
Da gibt es individuelle Unterschiede. „Man kann sagen: Ein Drittel der Träger empfinden Linsen an Heuschnupfen- Tagen als störend, einem weiteren Drittel ist es egal und dem letzten geht es mit Linsen sogar besser“, sagt Müller. Das liegt daran, dass die Pollen zum Teil über die Augen aufgenommen werden. Linsen stellen dann einen gewissen Schutz dar.

Sollte ich lieber eine Brille tragen, wenn ich erkältet bin?
Nein, heute nicht mehr. Die Sauerstoffdurchlässigkeit der Linsen ist inzwischen so optimiert, dass sie auch bei Erkältungen gut vertragen werden.

Dürfen Kinder Kontaktlinsen tragen?
Ja, es gibt sogar medizinische Härtefälle, wo bereits Säuglingen Linsen angepasst werden. Müller: „Ich beobachte in meinem Geschäft, dass Kinder ab zehn in der Regel gut mit Kontaktlinsen umgehen können.“

Kontaktlinsen richtig pflegen

Richtig aufsetzen
Erst Hände waschen! Dann die Linse auf die Kuppe eines der Zeigefinger legen und das Augenlid jeweils an den Wimpern mit beiden Mittelfingern auseinanderziehen. Linse vorsichtig auf der Mitte des Auges platzieren.

Richtig absetzen
Bei weichen Linsen einfach mit zwei Fingern die Lidseiten nach hinten ziehen, bis die Linse herausfällt. Bei formstabilen Haftschalen hilft der „Linsenstöpsel“, der in der Mitte des Auges aufgesetzt und mitsamt Linse sanft abgezogen wird.

Richtig pflegen
1. Linsen nach dem Tragen in der frisch gewaschenen Hand mit einigen Tropfen Reinigungslösung etwa 20 Sekunden abreiben. Dazu am besten den kleinen Finger der anderen Hand benutzen.

2. Danach mit einer geeigneten Lösung desinfizieren und anschließend in einer Aufbewahrungslösung bis zum nächsten Tragen lagern. Ein „All-in-one“- Pflegemittel erfüllt dabei beide Aufgaben gleichzeitig.

3. Linsenbehälter alle sechs Wochen gründlich säubern.

4. Mit einer Proteinentfernungstablette können Eiweissrückstände gelöst werden – idealerweise einmal pro Woche anwenden.

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