13. August 2012
Alles über's Leitungswasser

Alles über's Leitungswasser

Viele von uns trinken das Wasser, wie’s aus dem Hahn kommt, andere schwören darauf, es vorher zu filtern. Was bringt ein Wasserfilter? Und: Brauchen Sie überhaupt einen? VITAL liefert die Antworten.

Trinkende Frau
© thinkstockphotos
Trinkende Frau

Seit sie auf dem Lande außerhalb von Hamburg wohnt, trinkt sie eine kräftigere Teesorte, erzählt eine Kollegin – weil dort das Wasser einen anderen Härtegrad hat, der den Geschmack beeinträchtigt. Eine andere klagt über die ständig wiederkehrenden Kalkablagerungen in ihrem Wasserkocher. Zwei Effekte eines Lebensmittels: Trinkwasser.

64 Prozent der Deutschen trinken es täglich – weil es herrlich erfrischend schmeckt, nicht viel kostet, zu jeder Zeit wie selbstverständlich aus dem Hahn fließt und obendrein streng kontrolliert wird. Das bestätigt der aktuelle Bericht zur Trinkwasserqualität des Bundesministeriums für Gesundheit und des Umweltbundesamtes. Gleichzeitig unterscheidet sich Trinkwasser je nach Region in puncto Geschmack und Inhaltsstoffe – mit ein Grund, warum so viele Menschen Wasserfilter benutzen.
In den vergangenen fünf Jahren stieg ihre Zahl noch mal deutlich an. Aber was bringen Wasserfilter wirklich? Können sie Schadstoffe vollständig und nachhaltig aus unserem Leitungswasser entfernen?
Grundsätzlich sind zwei unterschiedliche Systeme auf dem Markt: Tisch- bzw. Kannenfilter und Einbaufilter.

Tischfilter: der kleine Helfer

Für viele ist der Tisch- oder Kannen- filter (z.B. von Brita) seit Teestubenzeiten ein alter Bekannter. Er funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Das frische Leitungswasser wird direkt aus dem Hahn in ein Gefäß gefüllt. Darin fließt es durch ein Filterelement mit Aktivkohle. In einem Arbeitsgang kann so ein Gerät etwa anderthalb Liter Wasser filtern und dabei Kalk und geschmacksverändernde Stoffe, zum Beispiel Chlor, entfernen. Das verbessert den Geschmack.
Aber:
Schadstoffe wie Bakterien, Viren oder Chemikalien kann so ein Filter nicht beseitigen. Auch Blei oder Kupfer, das möglicherweise aus alten Rohrleitungen im Haus ins Wasser gelangt, werden nur zu einem sehr geringen Teil herausgefiltert.

Filter mit Mehrwert

Noch relativ neu sind Tisch- bzw. Kannenfilter, die nicht nur unerwünschte Stoffe aufnehmen, sondern über den Filter gleichzeitig Mineralien an das Wasser abgeben (z.B. der Kannenfilter von BWT), etwa Magnesium. Das soll einerseits den Geschmack des Wassers verbessern und andererseits, wie eine Mineralstofftablette, ein Plus für die Gesundheit bringen. Kannenfilter kosten je nach Marke und Funktion 20 bis 50 Euro.

Kartuschen: das Herzstück

Doch der aufwendigste Filter bringt nichts, wenn Sie nicht regelmäßig die Kartusche austauschen. Wegen ihrer begrenzten Kapazität zur Aufnahme von Fremdstoffen muss sie alle zwei bis vier Wochen erneuert werden – nicht ganz billig. Viele Tischfilter verfügen über eine Memo-Anzeige, die blinkt, sobald die Kartusche „voll“ ist. Dann heißt es auswechseln.
Neue Kartuschen bekommen Sie online direkt beim Hersteller, in Drogerien und im Elektrofachhandel, sie kosten zwischen drei und acht Euro pro Stück. Verbrauchte Kartuschen können Sie über den Hausmüll entsorgen. Mittlerweile bieten einige Hersteller (z. B. Brita) einen Rücknahmeservice für alte Kartuschen an.

Komplettlösung: der Einbaufilter

Weniger bekannt sind Einbaufilter, die an der Wasserleitung im Haushalt installiert werden. Manche Systeme werden nur vor einen Hahn gesetzt, so bekommen Sie zum Beispiel frisch gefiltertes Trinkwasser in der Küche. Andere werden direkt vor dem Haupthahn angeschlossen und filtern dann das gesamte Wasser des Hauses, auch das für Wasch- und Spülmaschi- ne (schont bei sehr kalkhaltigem Wasser die Geräte). Diese Filter muss in der Regel ein Fachmann installieren. Aus hygienischen Gründen sollte er das System dann unbedingt auch alle sechs bis zwölf Monate warten. Solche Anlagen kosten ab ca. 150 Euro aufwärts, der Preis für einen Wechselfilter beträgt zwischen 10 und 50 Euro. Die angebotenen Geräte arbeiten nach verschiedenen Methoden und sind leistungsstärker als die Tischfilter. Einbaufilter schaffen pro Minute viele Liter Wasser, und sie können mehr Schadstoffe herausfiltern: Je nach Filtermethode entfernen sie Verunreinigungen und Schadstoffe, wie Schwermetalle oder Phosphate, sowie Kalk und Chlor aus dem Wasser und sogar bestimmte Bakterien. Allerdings: Gegen die immer mal wieder auftretenden Legionellen (Bakterien, die Lungenentzündung hervorrufen) können sie nichts ausrichten. Denen soll die neue Trinkwasserverordnung entgegenwirken: Demnach sind Besitzer von Mehrfamilienhäusern verpflichtet, das Wasser jährlich von einem Fachlabor auf Legionellen untersuchen zu lassen.

Im Zweifel zum Test

Lohnt es sich also, einen Wasserfilter anzuschaffen? Grundsätzlich, so die Aussage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, sind Wasserfilter und Filteranlagen im Haushalt nur sinnvoll, wenn tatsächlich unerwünschte Stoffe das Wasser belasten. Werden die nachgewiesen, sollten Sie sich hinsichtlich der passenden Filtermethode fachmännisch beraten lassen.

Nur Gutes aus dem Hahn?

Das Trinkwasser in Deutschland bekommt regelmäßig Bestnoten. Trotzdem traten in der Vergangenheit auch Fälle von Verunreinigungen auf, z. B. durch Medikamente, Pestizide oder Tenside. Zu einer unmittelbaren Gefährdung der Gesundheit kam es allerdings nie, da die Stoffe in sehr geringen Konzentrationen vorlagen. „Trotzdem – solche Missstände gilt es auf alle Fälle zu vermeiden“, fordert Professor Wolfram Thiemann, Professor a. D. im Institut für Physikalische Chemie und Umweltchemie an der Universität Bremen.

Schadstoffe

„Immer wieder geraten neue Schadstoffe ins Grundwasser, mit denen niemand gerechnet hat“, so Thiemann. Und bekannte Substanzen werden als schädlich entlarvt. Bis die Über- wachungsämter dann auf die Analyse solcher Stoffe vorbereitet sind, vergeht aber oft noch viel Zeit.

Kontrollen

Die Grenzwerte werden im Wasserwerk kontrolliert – nicht direkt an den diversen Hausanschlüssen. Das heißt: Innerhalb des Rohrleitungssystems eines Hauses können sich Schwermetalle wie Kupfer oder Blei im Wasser anreichern. Deshalb rät Thiemann dringend, alte Rohre auszutauschen, da die chronische Einwirkung von Blei die Gesundheit gefährdet. Wer mehr über die in „seinem“ Leitungswasser vorhandenen Substanzen wissen möchte oder einen konkreten Verdacht hat, wendet sich ans örtliche Wasserwerk. Dort oder in einem Labor (ab 30 Euro) können Sie das Wasser untersuchen lassen.

Lade weitere Inhalte ...