25. Februar 2016
So lindern Sie Allergien im Frühling

So lindern Sie Allergien im Frühling

Freuen Sie sich auf den Frühling: Bewährte und neue Methoden versprechen Linderung bei Allergien!

Linderung bei Allergien
© evgenyatamanenko/iStock
Linderung bei Allergien

Extrem - so reagiert das Immunsystem bei Allergikern, sobald ihm irgendwo ein Stoff begegnet, den es als feindlich einstuft. Was gut gemeint ist, läuft total aus dem Ruder. Das Allergen, der vermeintlich gefährliche Stoff, führt nichts Böses im Schilde; trotzdem versetzt das Immunsystem sämtliche Verteidigungstruppen in Alarmbereitschaft, die dann ausrücken, um den unschädlichen Eindringling zu bekämpfen. Auf diese Weise mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, bleibt natürlich nicht ohne Folgen - und die armen Allergiker haben das auszubaden.

Diese zwei Allergie-Typen gibt es

Die typischen Symptome wie Juckreiz und geschwollene Schleimhäute werden durch Entzündungsbotenstoffe wie Histamin hervorgerufen. Das Immunsystem bildet nach dem ersten Kontakt mit dem Allergen Antikörper, sogenannte Immunglobuline vom Typ E (IgE). Sobald ihnen das Allergen erneut über den Weg läuft, veranlassen sie eine massenhafte Histamin-Ausschüttung. In etwa 90 Prozent der Fälle liegt dieser Allergietyp vor, der Soforttyp: Die Reaktion z. B. auf Pollen, Tierhaare, Hausstaub, Penicillin oder Bestandteile von Nahrungsmitteln (Nüsse, Hühnereiweiß) erfolgt oft unmittelbar nach dem Kontakt mit dem Allergen.

Eine um etwa ein bis zwei Tage verzögerte Reaktion, der seltenere Spättyp, zeigt sich bei einem Kontaktekzem, etwa den sogenannten Kontaktallergien auf Nickel, Chrom oder Bestandteile von Reinigungs- und Körperpflegeprodukten.

Ein Massenphänomen: Jeder Dritte hat Allergien

Die Veranlagung, eine Allergie zu entwickeln, liegt in unseren Genen. Doch auch die zunehmende Belastung durch Umweltgifte und Feinstaub müssen wir inzwischen zu den Ursachen zählen. In den Industriestaaten hat sich die Zahl der Betroffenen in den letzten 30 Jahren nahezu verdreifacht. Heute leidet etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland an einer Allergie. Meist wird sie im Kindesalter diagnostiziert, aber immer öfter tritt die Erkrankung erst mit 50 oder später auf. Dann denken selbst Ärzte nicht sofort daran, dass hinter schnupfenähnlichen Symptomen, tränenden Augen, Bindehaut­entzündung, Hautausschlag oder Atem­beschwerden eine Allergie stecken kann.

Doch unbehandelt verschlimmern sich die Beschwerden oft. „Im Krankheitsver­lauf kommt es schließlich durch die anhal­tende Reizung der Atemwege zu Entzündungsprozessen“, erklärt Dr. Frank Becker, HNO­-Arzt in Hamburg. „Sie führen lang­fristig zu bleibenden Schäden des Lungen­gewebes.“ Als schlimmste Komplikation droht sogar ein allergischer Schock, der zu einem Kreislaufzusammenbruch und Herzstillstand führen kann.

Ein Allergietest ist sinnvoll

Lassen Sie sich bei Verdacht auf eine Allergie in der Facharztpraxis testen. Denn mit jedem neuen Kontakt kann die Reak­tion stärker ausfallen. Bei einem Allergietest werden Proben möglicher Auslöser auf oder unter die Haut gebracht. Eine Positivreaktion zeigt sich mit Pusteln oder Quaddeln. Ergänzend oder alternativ las­sen sich spezifische Antikörper im Blut nachweisen. Machen Sie um identifizierte Stoffe künftig einen großen Bogen.

Lesen Sie auf den nächsten Seiten, wie Sie selbst die Allergiesymptome mit kleinen Tricks lindern können >>

Linderung bei Allergien
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Linderung bei Allergien

So lindern Sie Allergien im Frühling

Allergien ganz einfach selbst lindern

Doch häufig lässt sich der Kontakt nicht vermeiden. Keine Wohnung kann völlig staubfrei gehalten werden, und Pollen schweben eben durch die Lüfte. Doch Sie sind nicht hilflos: Mit Feinstaubfiltern auf Heizkörpern (z. B. „Clean Office“, ca. 12 Euro) oder dem Laserdrucker (z. B. „tesa Clean Air“, ab ca. 25 Euro) klären Sie die Luft von allergiefördernden Partikeln. Spezielle Luftreiniger­-Geräte erreichen sogar noch mehr.

Gegen akute Beschwerden können Sie ein Antihistaminikum einnehmen. Die in der Apotheke frei verkäuflichen Arznei­mittel blockieren die Wirkung des Botenstoffs Histamin, sodass die Symptome abklingen. Präparate der neueren Generation (z. B. „Cetirizin-ratiopharm“) machen auch kaum noch müde.

Wenn Sie es lieber auf natürlichem Weg versuchen: Indisches Lungenkraut (z. B. in „Allergin“, in Apotheken) zeigte in einer Praxisstudie ebenso gute Wirkung wie ein übliches Antihistaminikum. Die antiallergischen Eigenschaften der Eichenrinde sollen bei der anthroposophischen Medizin Haut und Schleimhaut helfen, sich besser gegen die Umwelt abzugrenzen (z. B. in „Calcium Quercus Globuli velati“, in Apotheken). Außerdem legen klinische Studien nahe, dass auch die Akupunktur Allergiesymptome lindert. Bei einem zweiten Therapiezyklus im zweiten Studienjahr zeigte sich sogar ein noch größerer Erfolg als nach der ersten Nadelrunde.

Das Immunsystem kann umschulen

Ursächlich wirkt jedoch nur eine Immuntherapie, die Hyposensibilisierung. Sie regt den Körper an, eine Toleranz gegenüber dem Allergen zu entwickeln. Dazu bekommen die Patienten den Allergieauslöser regelmäßig über einen längeren Zeitraum verabreicht. „Das Immunsystem baut daraufhin laufend schützende Antikörper auf, die dann eine allergische Reaktion blockieren“, erklärt Allergie-Experte Dr. Frank Becker. „Nach und nach lernt das Immunsystem, dass es sich um einen harmlosen Stoff handelt und nicht um eine ernsthafte Bedrohung. Mit der Zeit reagiert das Immunsystem dann immer weniger empfindlich.“

Damit diese Therapie greift und sich die Beschwerden auf Dauer deutlich bessern, brauchen Betroffene viel Geduld: Über drei Jahre wird ihnen beim Arzt eine Spritze gesetzt. Zuerst wöchentlich, später einmal im Monat. Ein großer Zeitaufwand und Stress für jene, die vor Nadeln am liebsten Reißaus nehmen. Manche Allergiker haben jedoch Glück im Unglück: Sie können stattdessen auf eine Tablette zurückgreifen – Fachbegriff: sublinguale Immuntherapie. „Zugelassene Wirkstoffe dafür existieren bereits für Birkenpollen und Gräserpollen“, erklärt Privatdozentin Dr. Kristine Breuer, Fachärztin für Dermatologie und Allergo­ logie. „Seit Neuestem gibt es auch eine zugelassene Tablette gegen Hausstaub­milbenallergie.“ Die Tabletten sollen unter der Zunge zergehen, das Allergen wird über die Mundschleimhaut aufgenommen. Zwei weitere Vorteile dieser Behandlungs­form: Die Patienten sparen sich die ständi­gen Praxisbesuche, und ein Start der The­rapie ist auch noch während der Pollenflugsaison möglich, nicht nur davor.

Eine schnellere Injektionstherapie be­findet sich in der Entwicklung. Dr. Kristine Breuer: „Mit dem neuen Wirkstoff sollen wenige Spritzen für die Hyposensibilisie­rung ausreichen.“ Dann dauert die Proze­dur statt drei Jahre nur noch etwa drei Monate. Die Zukunft sieht also doch recht rosig aus.

Linderung bei Allergien
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Linderung bei Allergien

So lindern Sie Allergien im Frühling

Abends Haare waschen

Weil Pollen und andere Allergene an den Haaren und der Kleidung haften, sollten Sie die kleinen Plagegeister loswerden, bevor Sie sich schlafen legen. Waschen Sie vor dem Zubettgehen die Haare und ziehen Sie sich nicht im Schlafzimmer, sondern in einem anderen Raum aus – und lassen Sie die Kleidung dort liegen.

Milben aus dem Bett verbannen

Hausstauballergiker reagieren auf den zu Staub zerfallenen Milbenkot. Die mikroskopisch kleinen Spinnentierchen ernähren sich von Hautschuppen, Haaren sowie Textilfasern und lieben das feuchtwarme Klima im Bett. Trockene Luft mögen sie nicht. Lüften Sie daher mehrmals täglich gründlich und waschen Sie Bettwäsche bei 60 Grad. Ein pflanzlicher Wirkstoff macht die Nahrung der Milben ungenießbar: Sprühen Sie Matratze und Textilien mit einem Spray ein (z. B. „Milbopax“, in Apotheken“), dann fressen und vermehren sich die Milben nicht mehr, Sie haben etwa sechs Monate Ruhe.

Das Kleingedruckte bei Kosmetik lesen

In vielen Beauty-Produkten stecken Duft- und Konservierungsstoffe oder Emulgatoren, die Kontaktallergien auslösen können. Weil die Reaktion mit 24- bis 72-stündiger Verspätung auftritt, fällt es oft schwer, den Auslöser zu ermitteln. Ein Test beim Hautarzt bringt Gewissheit. Studieren Sie vor dem Kauf die Inhaltsstoffe und lassen Sie problematische Produkte im Regal stehen. Orientierung bieten das daab-Logo des Deutschen Allergie- und Asthmabundes, die Empfehlung der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e. V. oder das ECARF-Siegel der Europäischen Stiftung für Allergieforschung. Im Friseursalon können Sie sich allergikerfreundlich die Haare färben lassen (z. B. mit „Koleston Perfect Innosense“ von Wella Professionals mit ECARF-Siegel).

Trockene und gereizte Haut beruhigen

Ob bei Neurodermitis oder Allergie: Die Betroffenen leiden unter sehr trockener, sensibler Haut und quälendem Juckreiz. Ihre Hautpflege sollte eines der oben aufgeführten Qualitätssiegel tragen und über intensiv beruhigende Eigenschaften verfügen (z. B. Gesichtspflege „Toleriane Ultra“ von La Roche- Posay, 40 ml, ca. 22 Euro, in Apotheken). Auch gut: Omega-Fettsäuren und Urea. Sie stärken die Hautbarriere und spenden Feuchtigkeit (z. B. „Omega 3-6-9 Lipo Activ Lotion“ von Eubos, 200 ml, ca. 20 Euro, in Apotheken).

Die Nase spülen

Um Heuschnupfen zu lindern und die Entzündungsreaktion zu unterbrechen, können Sie die Nase ein- bis zweimal am Tag mit einer isotonen Salzlösung spülen (z. B. mit einer Nasendusche von Emser, in Apotheken). Das befreit die Schleimhaut von Allergenen und löst festsitzendes Sekret. Regelmäßig angewendet, bleiben die Nasenschleimhäute feucht und können sich somit gegen Pollen und Viren besser zur Wehr setzen. Die Nasendusche unbedingt nach jedem Gebrauch gründlich reinigen!

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