17. September 2013
Nahrungsmittelunverträglichkeit

Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Intoleranz?

Fast jeder zweite glaubt, auf ein oder mehrere Lebensmittel allergisch zu reagieren. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen lediglich um eine Intolerant. Wir erklären, wo der Unterschied liegt.

Nahrungsmittel
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Nahrungsmittel

Das weiß heute jedes Kind: Obst, Gemüse, Milchprodukte und Vollkornbrot sind gesund. Fakt ist aber auch, dass viele Menschen davon Beschwerden bekommen. Sie reichen von Schwellungen im Mund, Halsweh, Quaddeln am ganzen Körper, Blutdruckabfall bis zu Bauchschmerzen und Durchfall. Die Symptome können einzeln oder gleichzeitig auftreten. Der Grund ist eine Nahrungsmittelallergie oder -intoleranz. Die Beschwerden können sich ähneln, aber die Ursachen sind, medizinisch gesehen, ganz verschieden.

Allergien – das Immunsystem reagiert falsch

„Die Nahrungsmittelallergie wird durch eine Überreaktion des Immunsystems verursacht“, erklärt Prof. Dr. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden. „Es stuft harmlose Substanzen in den Speisen, wie z.B. Eiweiß, als Feinde ein und bildet zu deren Bekämpfung größere Mengen spezieller Antikörper. Sie sind gegen körperfremde Eiweißstoffe gerichtet und lösen im Körper allergische Entzündungen aus. Dabei wird Histamin freigesetzt, das die bekannten Symptome verursacht.“ Die Reaktion kann innerhalb von Sekunden einsetzen. „Die eiweißbedingte Nahrungsmittelallergie ist die häufigste Form. Davon betroffen sind circa sechs Prozent der Kinder und drei Prozent der Erwachsenen“, so Prof. Klimek.

Während bei Kleinkindern einzelne Nahrungsmittel wie Kuhmilch, Hühnerei oder Erdnüsse eine Allergie auslösen, verhält es sich bei Erwachenen anders. Hier liegt meist eine Kreuzallergie zwischen Pollen und bestimmten Obst- und Gemüsesorten vor. Wer z. B. von Birkenpollen Heuschnupfen bekommt, ist oft auch gegen Pfirsiche allergisch. Bei starken Reaktionen wie Atemnot oder Kreislaufkollaps hilft nur, das betreffende Lebensmittel wegzulassen. In leichteren Fällen kann der Arzt Antihistaminika oder Kortison verschreiben.

Nahrungsmittelintoleranzen haben andere Ursachen

Schuld an den Unverträglichkeiten ist nicht das Immunsystem, sondern eine Stoffwechselstörung. Das gilt z. B. bei Histamin, Milchzucker und Fruktose. Histamin entsteht bei der Reifung von Lebensmitteln. Es wird im Darm von dem Enzym Diaminoxidase (DAO) abgebaut. Mangelt es am DAO, reichert sich Histamin an und führt zu Ausschlag und Durchfall. Auch der Laktoseintoleranz liegt ein Enzymmangel im Dünndarm zu Grunde. Dadurch gelangt der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm, vergärt und verursacht Koliken und Durchfall. Im Akutfall gibt’s für beide Intoleranzen Tabletten, die die fehlenden Enzyme ersetzen. Bei der Fruktoseintoleranz ist die Aufnahme des Erle Fruchtzuckers gestört, es kommt zu Blähungen und Krämpfen. Bei Zöliakie verträgt der Körper das Klebereiweiß Gluten nicht. Die Folge ist eine Entzündung im Dünndarm. Patienten müssen Gluten strikt meiden.

Kreuzallergie

Baumpollen enthalten Eiweiße. Sie ähneln denen in Obst und Gemüse. Daher kann die Abwehr sie nicht unterscheiden. Pollenallergiker sind doppelt geplagt: mit Heuschnupfen und mit Nahrungsmittelallergien

Pollen

kreuzallergene Lebensmittel

Bäume Apfel, Birne, Aprikose, Pfirsich, Pflaume, Kiwi, Mirabelle, Maracuja, Zwetschge, Brombeere und Nüsse, besonders die Haselnuss. Bei Gemüse vor allem Sellerie, Karotte, Kartoffel, Gurke, Tomate, Knoblauch, Artischocke, Paprika. Gewürze: Anis, Muskat

Getreide/

Gräser

Bohnen, Erbsen, Linsen, Erdnüsse, Soja, Kartoffel, Mangold, Tomaten, Spinat. Obst: Honig- und Wassermelonen, Kiwi, Mangos, Papaya

Kräuter Anis, Artischocke, Basilikum, Curry, Dill, Estragon, Fenchel, Karotte, Knollensellerie, Kohlrabi, Kümmel, Majoran, Muskatnuss, Oregano, Paprika, Petersilie, Pfeffer, Sonnenblumenkerne

Nahrungsmittelallergie: So testet der Arzt

Prick-Test
Dabei wird jeweils ein Tropfen der zu testenden Allergenlösungen in die markierten Hautstellen eingepikst. Kommt es zu einer sichtbaren Reaktion, ist der Patient sensibilisiert und der „Übeltäter“ gefunden. Der Prick-Test ist die gängigste Methode.

Blut-Test
Wer auf Eiweiß allergisch reagiert, hat vermehrt spezielle Antikörper im Blut. Um das festzustellen, wird dem Patienten Blut abgenommen und dieses ins Labor geschickt. Sind die Werte erhöht, ist eine Allergie sehr wahrscheinlich. Dieser Test gilt als sehr sicher.

Provokations-Test
Hier nimmt der Patient genau das Nahrungsmittel zu sich, das man als Auslöser der Beschwerden vermutet. Zuerst in ganz kleinen Mengen. Wegen des Risikos schwerer allergischer Reaktionen wird der Test unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt.

Nahrungsmittelintoleranz

Histamin-Test
Eine Intoleranz wird durch einen Bluttest oder eine Eliminations-Diät festgestellt. Bei Letzterer lässt der Patient für zwei Wochen alle histaminhaltigen Nahrungsmittel weg und prüft, ob die Beschwerden besser werden.

H2-Atem-Test
Damit kann sowohl eine Laktose- als auch Fruktoseintoleranz nachgewiesen werden. Der Patient trinkt zuerst die entsprechenden Lösungen. Dann wird der Wasserstoff in der Atemluft des Patienten gemessen, den die Bakterien produziert haben.

Zöliakie-Test
Bei Verdacht auf Glutenintoleranz wird das Blut auf Transglutaminase-Antikörper untersucht. Ferner wird getestet, ob es Antikörper gegen Gliadine gibt. Sie sind Glutenbestandteile, die im Weizen vorkommen. Manchmal wird eine Gewebeprobe der Dünndarmschleimhaut entnommen.

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