9. April 2017
Die fünf größten Allergie-Auslöser

Die fünf größten Allergie-Auslöser

Keine Lust auf die nächste Runde tränende Augen, Schnupfennase, Hautkribbeln? Wir zeugen Euch die fünf größten Auslöser für Allergien. Gleich mit dazu: Was Ihr tun könnt, um sie zu stoppen.

Auslöser Allergie
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Auslöser Allergie

Hinter dem ganzen Drama steckt schlichtweg: eine Fehleinschätzung. Denn es sind keine Feinde sondern harmlose, alltägliche Dinge, die das Immunsystem regelrecht ausflippen lassen. Blütenpollen, Staub oder Katzenhaare behandelt es wie schlimmste Krankheitserreger. Massenhaft schüttet es Abwehrstoffe aus und die Folgen dieser Flutung mit Antikörpern und Hormonen kennt jede Allergikerin. Sie reichen von Niesattacken über Schnupfen, Hautjucken, Übelkeit bis zu Atemnot.

Auslöser für Allergien gibt es viele

Die genaue Ursache für den inneren Großalarm ist Forschern noch immer nicht restlos klar. „Die genetische Veranlagung spielt bei Allergien eine große Rolle“, so der Allergologe Prof. Jörg Kleine-Tebbe. „Immer wichtiger ist jedoch der Faktor Lebensstil: Stress, Ernährung, Luftverschmutzung und ein Zuviel an Hygiene könnten bei 70 bis 80 Prozent die Ursache für Allergien sein. Und somit dafür, dass das Immunsystem überreagiert.“ Allein in Deutschland sind gut 20 Millionen Menschen betroffen.

Auslöser Allergie Pollen
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Auslöser Allergie Pollen

Da blüht uns was: Wenn Pollen krank machen

In milden Wintern sind Hasel- und Erlenpollen schon ab Januar unterwegs. Dann ist für Pollenallergiker (etwa 13 Prozent der Deutschen) Heuschnupfen bis in den Spätherbst Thema. „Eine Allergenkarenz, also das Meiden der Pollen, ist kaum möglich. Augen zu und durch ist allerdings auch keine Option“, so Experte Kleine-Tebbe. Unbehandelt kann sich der allergische Schnupfen zum Bronchialasthma auswachsen.

Hyposensibilisierung bei Pollenallergie:

Loswerden könnt Ihr eine Allergie nur durch die Hyposensibilisierung: Ein Impf-Schema, bei dem das Allergen in steigenden Dosen verabreicht wird, regt das Immunsystem an, sich allmählich an den allergieauslösenden Stoff zu gewöhnen. Nachteil dieser Immuntherapie: Sie dauert 3 Jahre. Deutlich schneller, aber im Langzeiterfolg noch ungesichert, ist die „Cluster-Immuntherapie“, bei der die Grundimmunisierung durch häufigere Spritzen schon nach einer Woche steht. Um die Symptome bei akuten Beschwerden zu lindern, bieten sich Antihistaminika an, die Wirkstoffe können jedoch müde machen. Das passiert bei homöopathischen Arzneien nicht (z. B. „Heuschnupfenmittel DHU“, in Apotheken). Die Augenbeschwerden lassen mit beruhigenden Tropfen nach (z. B. „WALA Euphrasia Augentropfen“, in Apotheken), in der Nase helfen kortisolhaltige Sprays, die Entzündung einzudämmen (z. B. „Mometason-ratiopharm Heuschnupfenspray“, ab Mitte März rezeptfrei in Apotheken).

Auslöser Allergie Nahrungsmittel
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Auslöser Allergie Nahrungsmittel

Eier, Nüsse oder Fisch: Allergien bei Nahrungsmitteln

Meist zeigen besonders Proteine in Fisch, Kuhmilch, Hühnerei, Soja, Hülsenfrüchten oder Nüssen bei Allergikerinnen Wirkung. „Bei pflanzlichen Lebensmitteln sind vor allem die Samenspeicherproteine gefährlich. Sie sind sehr stabil und werden selbst durch Kochen nicht angegriffen“, so Prof. Kleine-Tebbe. Symptome sind Schleimhautschwellungen, Übelkeit, Durchfall, im schlimmsten Fall ein allergischer Schock.

Molekularer Allergiediagnostik kann helfen

Mit molekularer Allergiediagnostik lässt sich genau bestimmen, welche Stoffe individuell bedenklich sind. Experten raten, ein Ernährungstagebuch zu führen, um die Reaktion und zeitliche Abfolge beurteilen zu können (Gleiches gilt für die Medikamentenallergie, die oft ähnlich schwer zu diagnostizieren ist). Relativ neu ist die „spezifische orale Toleranzinduktion“ (SOTI), bei der das Allergen ärztlich überwacht – in kleinen Dosen gegessen wird. Bei Ei-, Milch- und Erdnussallergien zeigt sie bereits gute Erfolge.

Auslöser Allergie Hausstaub
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Auslöser Allergie Hausstaub

Was tun, wenn Hausstaub zu Allergien führt?

Sie stecken in Kissen, Sofas, Teppichen und allein in einer Matratze leben rund 10 Mio. Hausstaubmilben. Völlig normal, doch für etwa jeden Zehnten von uns auch ein Problem. Schwirren kleinste Partikel der Tiere in der Raumluft, kommt es zu geschwollenen Augen, verstopfter Nase, Niesattacken und Juckreiz. „Vor allem am Morgen sind die Beschwerden schlimmer, weil wir im Bett den Allergenen besonders lange ausgesetzt sind“, so der Experte.

Das hilft bei einer Hausstauballergie

Bleibt die Allergie unerkannt bzw. unbehandelt, kann sich daraus nicht nur Asthma entwickeln, auch eine Neusensibilisierung droht. Der Körper reagiert dann auch auf andere Allergene. Bei schwerer Belastung schafft nur die Immuntherapie Abhilfe – gegen Hausstaub ist sie seit Kurzem auch in Tablettenform möglich. Gute Erfolge bringt zudem Akupunktur: Bei einer Studie der Uniklinik Dresden waren 70 Prozent der Patienten noch zehn Wochen danach beschwerdefrei. Mit milbendichten Matratzenbezügen (Encasings) reduziert Ihr die Belastung. Oder Ihr rückt den Krabblern mit pflanzlichen Sprays (z. B. „Milbopax“, in Apotheken) zu Leibe. Die machen die Nahrung der Milben ungenießbar, was die Population reduziert.

Tier für Allergiker
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Tier für Allergiker

Tierhaarallergie: Wenn Haustiere zur Last werden

Was Tierhaarallergikerinnen die Tränen in die Augen treibt, sind Eiweißbausteine im Speichel oder in Hautschuppen der Vierbeiner. Über das Fell verteilen sich die Allergene, die Haare haften an der Kleidung und gelangen so überallhin. Forscher wiesen sogar schon in der Antarktis Tierallergene nach. Die gute Nachricht: Betroffene reagieren oft nur sensibel auf eine Tierart, meist auf Katzen.

Auch bei dieser Allergie gilt: Auf Dauer lässt sie sich nur mittels einer Immuntherapie in den Griff bekommen. Im Alltag hilfreich: Täglich Polstermöbel absaugen und Hartböden feucht wischen, nach jedem Streicheln die Hände waschen, Hund und Katze konsequent aus dem Schlafzimmer verbannen!

Wespenstiche behandeln
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Wespenstiche behandeln

Insektengifte: Wie Ihr Euch gegen Bienen und Wespen verteidigen könnt

Wenn’s passiert, kann das ganz schön wehtun: Nach einem Wespen- oder Bienenstich brennt die Haut in der Regel und wird an der Einstichstelle rot. Solange es dabei bleibt, ist alles im grünen Bereich. Bei rund einem Viertel der Deutschen zeigt sich allerdings eine stärkere Reaktion: „Das Hautareal um den Stich schwillt an, die Stelle hat einen Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern und bildet sich erst nach mehreren Tagen zurück. Das sind Anzeichen, die Sie beim Allergologen besser abklären lassen“, rät Kleine-Tebbe.

Auch bei dieser Allergie kann der Körper über Monate hinweg per Injektion in kleinen Dosen an das Gift gewöhnt werden, damit er mit der Zeit toleranter wird. Bei geschätzt 2,6 Millionen Bundesbürgern treten nach einem Stich extrem heftige Symptome wie Nesselsucht, Hitzewallungen, Schwindel, starke Gesichtsschwellungen oder Atemnot auf. „Das kann im schlimmsten Fall zum Zusammenbruch des Kreislaufs führen“, so Kleine-Tebbe. Ist kein SOS-Set mit Adrenalin-Pumpspray oder Injektion parat, muss dringend der Notarzt gerufen werden Den effektivsten Langzeitschutz vor lebensbedrohlichen Situationen bietet die sogenannte Rush-Immuntherapie. Sie gewöhnt die Patienten innerhalb von zwei bis drei Tagen an das Insektengift. Studien zeigen, dass bei rund 98 Prozent der Betroffenen keine oder nur noch geringe Reaktionen eintreten.

Auslöser Allergie auf einen Blick
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Auslöser Allergie auf einen Blick

Allergie-Auslöser auf einen Blick

Birke, Hasel, Roggen, Beifuß, Gräser, Pappel, Brennnessel

Diese Allergien lösen sie aus: Pollenallergie, Heuschnupfen

Das sind die Symptome: Starker Fließschnupfen, häufiges Niesen, Kribbeln in Nase und Augen, Bindehautentzündung, Juckreiz, Müdigkeit

Eiweißpartikel im Kot der Hausstaubmilben

Diese Allergien lösen sie aus: Hausstaubmilbenallergie

Das sind die Symptome: Tränende Augen, Kopfweh, Niesanfälle, Hustenreiz, verstopfte Nase

Katzen, Hunde, Kaninchen, Meerschweinchen, Pferde, Vögel – über deren Fell und Federn werden Bestandteile von Talg, Speichel, Schweiß verteilt

Diese Allergien lösen sie aus: Tierhaarallergie

Das sind die Symptome: Reizungen von Augen, Nase und Bronchien, Fließschnupfen. Auch: Atemnot und Asthmaanfälle

Proteine tierischer und pflanzlicher Lebensmittel, z. B. Nüsse, Milch, Eier, Fisch und Meeresfrüchte, Äpfel, Kiwi, Sellerie, Karotten

Diese Allergien lösen sie aus: Nahrungsmittelallergie

Das sind die Symptome: Geschwollene Schleimhäute im Mund- und Rachenraum. Auch: anschwellende Zunge, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

Gift von Wespen, Bienen, Hummeln und Hornissen. Auch: Speichel von Mücken und Bremsen

Diese Allergien lösen sie aus: Insektengiftallergie

Das sind die Symptome: Starke Schwellung der Einstichstelle, auch am Hals und im Gesicht, Atemnot, Schwindel, Übelkeit, allgemeine Rötung der Haut

Kreuzallergie
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Kreuzallergie

Was ist eine Kreuzallergie

Wer auf Pollen allergisch reagiert, kann mit der Zeit auch bei einigen Nahrungsmitteln Probleme bekommen. Besonders oft trifft es Menschen mit einer Allergie gegen Frühblüher wie Birke, Erle oder Hasel. Ihr könnt zusätzlich allergische Symptome zeigen, wenn Ihr Nüsse, Stein- und Kernobst (z. B. Äpfel), Sellerie oder Möhren essen.

Der Grund: Weil sich die chemische Struktur der Allergene mancher Pollen und Nahrungsmittelbestandteile sehr ähnelt, kann das Immunsystem sie nicht unterscheiden und reagiert vorsichtshalber auf alles. Lasst Ihr Euch eine Pollenallergie möglichst früh nach der Diagnose mit einer Immuntherapie behandeln, können auch Kreuzreaktionen wirksam eingedämmt werden.

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