Pollenallergie Heuschnupfen ernst nehmen

Nicht mehr lange und für Millionen Deutsche beginnt das große Niesen: Pollenalarm! Was gegen die Symptome des Heuschnupfens hilft – und warum Sie die häufigste Allergie keinesfalls unterschätzen sollten.

Allergie im Sommer durch Pollenflug

Weglaufen zwecklos

Ärzte raten meist dazu, den allergieauslösenden Stoff – das Allergen – zu meiden. Manchmal funktioniert das recht gut, etwa bei einer Fischeiweiß- oder Nickel-Allergie. Aber Gräserpollen mit ihren rund 12 000 Arten, auf die mehr als die Häle aller Allergiker reagieren, meiden? Unmöglich! Trotz reduzierter Pollenbelastung sind viele Heuschnupfengeplagte während „ihrer“ Pollensaison auf Medikamente angewiesen, vor allem Corticoide und Antihistaminika. Doch diese Mittel wirken allein gegen die Symptome. Sie unterdrücken die Wirkung des Gewebshormons Histamin und damit Rötung, Jucken und Anschwellen der Nasenschleimhäute. Mit Heilung hat das jedoch nichts zu tun – sobald die Pollen wieder fliegen, fängt alles von vorn an.

Lappalie? Von wegen!

Auch wenn’s einigen Patienten noch so schlecht geht: Sie selbst und oder auch ihre Hausärzte nehmen die allergische Rhinitis nicht allzu ernst. Doch diese Bagatellisierung kann Folgen haben. Abgesehen von der durch Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und verringerte Leistungsfähigkeit geminderten Lebensqualität, geht der Heuschnupfen häufig mit anderen Erkrankungen einher. Etwa jeder vierte Pollenallergiker leidet gleichzeitig unter einer Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis), viele haben häufig Mittelohrentzündungen oder eine auf Dauer gefährliche Schlafapnoe (Schnarchen mit Atemaussetzern). Vor allem aber sei z. B. das Risiko, ein Asthma bronchiale zu entwickeln, bei erwachsenen Patienten mit allergischer Rhinitis um den Faktor 3,2 höher als bei Gesunden, schreiben Prof. Ludger Klimek und Prof. Oliver Pfaar vom Zentrum für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden. „Über 80 Prozent der Asthmatiker leiden auch unter einer allergischen Rhinitis.“
 
Und so unangenehm ein Heuschnupfen auch ist –, Asthma mit Atemnotsanfällen, Husten und/oder Brustenge sowie pfeifenden Atemgeräuschen ist noch weit übler. Vier von fünf aller Nahrungsmielallergien stehen zudem im Zusammenhang mit einer allergischen Rhinitis (sogenannte Kreuzallergien). So haben viele Heuschnupfenpatienten auch eine Allergie z. B. gegen Kern- und Steinobst oder Nüsse. Da Lebensmittelallergien unter Umständen zu einem finalen Kreislaufversagen führen können, ist der Heuschnupfen indirekt sogar für Todesfälle verantwortlich. 
 
Und was das kostet!
 
Der „Etagenwechsel“ – also von der Nase (Heuschnupfen) in die Bronchien und Lunge (Asthma) – belastet nicht nur die Betroffenen durch die Verschlechterung ihrer Lebensqualität, sondern auch die Solidargemeinschat der Krankenversicherten. Denn während die Behandlung der allergischen Rhinitis pro Patient im Schnitt 30 bis 50 Cent am tag kostet, verschlingt allergisches Asthma mehr als 30 Euro pro Patient und Tag. Alle Kosten inklusive Arbeitsausfällen zusammen ergeben für Heuschnupfen 240 Millionen Euro pro Jahr, für Asthma gar 2,4 Milliarden. Da Allergien seit Jahren stark zugenommen haben, ist zu vermuten, dass die volkswirtschalichen Kosten heute weit höher liegen. „In den letzten Jahrzehnten ist die Häufigkeit allergischer Erkrankungen dramatisch angestiegen und stagniert jetzt auf hohem Niveau“, erklärt Professor Thomas Fuchs, Leiter des Bereichs Allergologie am Uniklinikum Göingen. „Man schätzt, dass um die 20 Millionen Menschen hierzulande Allergiker sind.“
 

Autor: Bernd Neumann

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