Wenn Schimmel krank macht Schimmelpilzallergie

Niesattacken und tränende Augen - Hauptverdächtiger: Schimmel. Wir verraten, wann Schimmelpilz zu einer Allergie führen kann und was ihr gegen eine Schimmelpilzallergie unternehmen könnt.

 

Kranke-Frau

Das Immunsystem von Allergikern reagiert typischerweise auf Antigene, die auf tierischen und pflanzlichen Eiweißen vorkommen und im Normalfall keine Gefahr für den menschlichen Körper darstellen. Grundsätzlich kann jede Substanz eine Allergie hervorrufen. So auch Schimmelpilze; kleine Organismen, die mit dem bloßen Augen nicht sichtbar sind und in großer Zahl auftreten. Schädlich sind aber eigentlich nicht die Schimmelpilze selbst, sondern ihre Sporen (Samenkapseln), die zur Vermehrung der Pilze in der Luft verbreitet werden. Diese Sporen und manchmal Bruchstücke von Schimmelpilzorganismen können, sobald sie eingeatmet werden, heftige allergische Reaktionen auslösen.

Ursachen einer Schimmelpilzallergie

Eine Allergie auf Schimmelpilze setzt voraus, dass ihr den Pilzen über längere Zeit ausgesetzt seid. Die drei häufigsten Schimmelarten sind Cladosporium, Alternaria und Aspergillus. Diese kommen in nahezu jedem Haushalt in kleinen Mengen vor, weshalb es schwierig ist, eine Sporenflugzeit zu bestimmen. In großer Zahl treten sie in feuchten Häusern oder Wohnungen an den Wänden auf, sie können aber auch in alten Textilien (wie Gardinen) vorhanden sein. Pilzarten wie Botrytis, Fusarium oder Penicillium können in Lebensmitteln vorkommen. Schon ab dem ersten Kontakt mit dem Schimmel kann es zu einer Sensibilisierung des Körpers kommen - es werden Abwehrstoffe gegen die Sporen entwickelt, die dann später für die allergische Reaktion verantwortlich sind. Je länger der Kontakt mit dem Pilz andauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Sensibilisierung kommt und sich eine Schimmelpilzallergie bei euch entwickelt.

Symptome einer Schimmelpilzallergie

Werden die Schimmelpilzsporen eingeatmet, rufen sie bei Allergikern Niesattacken, Schnupfen, Husten oder Atemnot hervor. Zudem kann es durch das Anschwellen der Schleimhäute zu einer verstopften Nase kommen. Auch tränende und gerötete Augen, erhöhte Lichtempfindlichkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Fieber und Konzentrationsschwierigkeiten können auftreten.

Krankheitsverlauf einer typischen Schimmelpilzallergie

Bei einer Allergie gegen Schimmelpilze leiden Patienten bereits wenige Sekunden oder Minuten nach dem Kontakt mit den Sporen an ersten Symptomen. Diese werden durch den Botenstoff Histamin im Körper ausgelöst und könne sich durch weiteren Kontakt mit dem Schimmelpilz verschlechtern. Da sich die Sporen über die Luft verbreiten, reagiert ihr zunächst mit Niesen, Fließschnupfen oder asthmatischen Anfällen.

Die Stärke der Symptome steigert sich, je länger der Kontakt zu den Sporen andauert. Dabei hängt die Heftigkeit zum einen von der Menge der Schimmelpilzsporen ab, zum anderen aber auch davon, wie lange der Wohnraum schon mit gefährlichen Schimmelpilzen kontaminiert ist. Sollte es zu einer Kreuzallergie kommen (beispielsweise Schimmelpilzallergie und Heuschnupfen), treten die Symptome deutlich stärker auf.

Bei einigen Allergikern zeigen sich dann auch Rötungen der Haut, die schmerzen oder jucken können, wenn sie mit den Sporen direkt in Kontakt kommen. Die normalerweise akuten Allergiesymptome können sich bei dauerhaftem Kontakt mit dem Schimmelpilz bzw. Allergen stetig verschlechtern und schließlich sogar chronisch werden.

Diagnose

Der erste Schritt für eine genaue Diagnose ist herauszufinden, wo und wann die Allergiesymptome genau auftreten, damit ein Arzt allergieauslösende Stoffe eingrenzen kann, für die ihr dann einen Allergietest machen könnt. Meistens kommt dafür der sogenannte Prick-Test zum Einsatz, bei dem in kleinen Einschnitten in der Haut die Reaktion auf die möglichen Allergene und auf eine neutrale Lösung verglichen wird.

Gelingt es dem Arzt, mit diesem Test ein bestimmtes Allergen zu identifizieren, folgt die Blutuntersuchung auf Antikörper (RAST-Test). Finden sich bei dieser Untersuchung Antikörper in der Blutprobe, ist die Diagnose bestätigt.

Therapie und Tipps für Schimmelpilzallergiker

Für eine erfolgreiche Behandlung der Schimmelpilzallergie ist es wichtig, dass die Innenräume der betroffenen Wohnungen oder Häuser vollständig saniert werden, sodass die Schimmelpilzbelastung minimiert wird.

  • Tauscht alte Schaumgummi-Matratzen gegen allergikerfreundliche Matratzen aus und sorgt für gute Belüftung von unten.
  • Teppichböden und Staubfänger (beispielsweise Vorhänge, offene Bücherregale und Trockenblumensträuße) sollten zumindest aus den Schlafbereichen entfernt werden.
  • Verzichtet auf Bettkästen unter dem Bett und verwendet einen Lattenrost.
  • Achtet zusätzlich darauf, dass alle Bezüge bei mindestens 60°C waschbar sind.
  • Alle Räume sollten immer gut gelüftet und trocken gehalten werden. Die ideale Luftfeuchtigkeit liegt bei nicht mehr als 50 Prozent, wobei die Raumtemperatur zwischen 18 und 20°C liegt. Bei diesen klimatischen Bedingungen fühlen sich weder Schimmelpilze noch Milben wohl.
  • Es gilt: Je mehr Möbel in einem Raum stehen, desto mehr Hausstaub sammelt sich an, der wiederum die Sporen in die Luft trägt. Weniger ist also mehr an dieser Stelle. Die Einrichtungsgegenstände sollten einige Zentimeter von einer Wand entfernt stehen, um eine gute Luftzirkulation zu gewährleisten und somit die Gefahr für Schimmelbildung zu minimieren.
  • Das Staubwischen oder Staubsaugen sollte eine Person übernehmen, die an keiner Staub- oder Schimmelallergie leidet oder ihr schützt euch mit einer Atemmaske.
  • Lagert Gemüse und Obst im Kühlschrank und verzehrt es möglichst frisch, ohne unnötige Wartezeiten.
  • Lasst zusätzlich Küchenabfälle nicht offen liegen.
  • Meidet Lebensmittel, die Schimmelpilze und Hefe in ihrer natürlichen Form enthalten und bei denen Schimmelpilze für den Geschmack oder die Haltbarkeit eingesetzt werden (zum Beispiel Camembert). Auch auf verarbeitete Lebensmittel, die meist vergorene Zutaten enthalten, wie Wein, Bier und Fruchtsäfte, solltet ihr ein Auge haben.
  • Da Schimmelpilze überall vorkommen, beispielsweise auf Bäumen, vermoderten und verschimmelten Blättern und im Erdboden, achtet bei der Gartenarbeit unbedingt darauf, nicht zu stakt mit Kompost und abgestorbenen Pflanzenteilen in Berührung zu kommen.
  • Solltet ihr trotz unternommener Maßnahmen unter starken allergiebedingten Symptomen leiden, kann eine Hyposensibilisierung helfen.

Hierbei wird euch in regelmäßigen Abständen vom Arzt eine gering konzentrierte Schimmelpilzlösung unter die Haut gespritzt. Das Ziel der Behandlung liegt darin, euer Immunsystem mit der Zeit an den Pilz zu gewöhnen und so eine Überreaktion zu verhindern. Diese Therapie nimmt mehrere Jahre in Anspruch.