Allergien Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen

Sobald die ersten Pollen von Erle oder Birke fliegen, kommt der Heuschnupfen für rund 20 Millionen Deutsche zurück. Vielen würde eine Hyposensibilisierung helfen. Gemeinsam mit einem Allergologen erklären wir die verschiedenen Varianten und den besten Zeitpunkt für eine Hyposensibilisierung.

Frau, Wiese

Eine Desensibilisierung ist nichts anderes als eine Allergie-Impfung, bei der das Immunsystem an die Allergene gewöhnt wird. Die Möglichkeiten der Behandlung, die in der Regel von der Krankenkasse übernommen wird, sind zahlreich. Sie können sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern durchgeführt werden. Im weiteren Lauf stellen wir die Behandlungsmöglichkeiten vor.

Hyposensibilisierungen können bei allergischem Schnupfen, Heuschnupfen sowie Tierhaar- und Hausstauballergie wirken. 

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Wann kommt Hyposensibilisierung infrage?

Voraussetzungen für eine Hyposensibilisierung:

  • es muss sich um eine allergische Reaktion vom Soforttyp handeln (Symptome zeigen sich kurz nach Allergenkontakt)
  • es keine gute Alternative gibt, d.h. sich der Allergieauslöser nicht meiden lässt und Medikamente nicht gut anschlagen
  • bei hohem Leidensdruck
  • Alter über 5 Jahre

Keine Hyposensibilisierung bei:

  • Asthma
  • schweren Herz-Kreislauf-Krankheiten
  • Therapie mit Betablockern
  • Schweren Autoimmunerkrankungen und Immundefekten
  • Aktuellen Krebserkrankungen
  • während einer Schwangerschaft

Risiken und Nebenwirkungen einer Hyposensibilisierung

Während der akuten Behandlung können an der Einstichstelle Rötungen und Schwellungen nach der Injektion auftreten, die aber meist nach kurzer Zeit wieder abklingen. Um seltene, schwere allergische Reaktionen zu kontrollieren müssen Patienten die erste halbe Stunde nach der Injektion unter der Beobachtung des Arztes bleiben.

Schnelle Hyposensibilisierung: 7 Tage bis 4 Wochen vor der Pollensaison

Ideal für Berufstätige: Eine Turboversion der Hyposensibilisierung ist die Cluster-Immuntherapie. Wie bei den anderen Formen der Spezifischen Immuntherapie (SIT) erhält der Pollenallergiker per Spritze in steigender Konzentration genau die Pollen, die bei ihm die lästigen Heuschnupfenbeschwerden auslösen (= Allergene). Dies wirkt ähnlich wie eine Impfung gegen eine Infektionskrankheit. Das Immunsystem lernt nach und nach, nicht mehr oder zumindest weniger stark auf den Allergieauslöser zu reagieren. 

Die Cluster-Immuntherapie beeindruckt durch die deutlich verkürzte Grundbehandlung, die Erhaltungstherapie wird schneller erreicht. „Bei dieser neuen Form der Hyposensibilisierung verabreicht man in wöchentlichen Abständen zwei bis drei Injektionen pro Behandlungstag – mit einer Pause von mindestens 30 Minuten zwischen den Einzelinjektionen“, erklärt Prof. Ludger Klimek, Leiter des Allergiezentrums Wiesbaden. „So wird die individuelle Maximaldosis schon nach sieben Tagen bis vier Wochen erreicht. Dadurch sparen die Patienten viel Zeit. Aber vor allem wirkt die Cluster-Immuntherapie sehr gut. Deshalb stellt sie für viele Allergiker die ideale Behandlung dar.“ Weil die Therapie jedoch wie jede Hyposensibilisierung besonders am Anfang allergische Reaktionen auslösen kann, muss sie streng vom Arzt überwacht werden.

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4 bis 8 Wochen vor der Pollensaison

Eine Alternative zur „Schnell-Impfung“ ist die Kurzzeit-Immuntherapie. Dabei gibt der Arzt dem Patienten vor dem ersten Pollenflug vier bis acht Spritzen mit „seinen“ Allergenen. „Auch bei dieser Variante soll die allmählich ansteigende Dosis unempfindlicher machen gegen die Allergene“, sagt Klimek. „Das Erfolgsrezept jeder Hyposensibilisierung besteht nach heutigen Erkenntnissen darin, dass sie regulierende Immunzellen aktiviert, die vor zukünftigen allergischen Reaktionen schützen. Das Abwehrsystem des Körpers kann sich auf diese Weise später selbst vor einem allergischen Schub bewahren. Das ist im besten Sinn sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe.“

Besonders empfindliche „Heuschnupfler“ vertragen aber manchmal keine Injektionen. Sind Gräserpollen ihre Feinde, können sie auf Tropflösungen ausweichen. Sie werden unter die Zunge geträufelt und dann über die Mundschleimhaut aufgenommen. Diese Form der Hyposensibilisierung nennen Mediziner auch Sublinguale (lat: unter der Zunge) Immuntherapie (SLIT). Obwohl diese Methode für den Laien zunächst nicht so effektiv klingt wie die per Spritze: Zahlreiche Studien belegen ihre therapeutische Wirksamkeit.

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6 Wochen bis 4 Monate vor der Pollensaison

Ein Klassiker und auch häufigste Form der Immuntherapie ist die Subkutane (lat: unter der Haut) Hyposensibilisierung (SCIT). Wer sich in Form der Cluster- oder Kurzzeittherapie nicht durch die Spritzenzyklen hetzen möchte, wählt das „gemütlichere“ Modell, bei dem die Grundbehandlung im Schnitt bis zu vier Monate dauern kann. Der Arzt spritzt wöchentlich eine standardisierte Allergenlösung mit ansteigender Dosierung unter die Haut am Oberarm. Abwehrzellen, die im Hautgewebe patrouillieren, nehmen den Allergieauslöser auf und alarmieren das Immunsystem. Es reagiert zwar noch darauf, aber von Mal zu Mal schwächer. Die Spritzenimpfung wird so lange fortgeführt, bis eine vom Arzt errechnete Höchstdosis erreicht ist.

„Moderne Präparate erzielen einen hohen Therapieerfolg. Davon profitiert nicht nur die Mehrzahl der Heuschnupfenpatienten, sondern auch die der Insektengift- und Hausstaubmilbenallergiker“, so Klimek. „Diese Wirkung hält meist noch Jahre nach Beendigung der Therapie an – oftmals sogar das ganze Leben lang. Dann kann man tatsächlich von einer Heilung sprechen.“ Wichtig zu wissen: Haben Naselaufen und Augenbrennen schon eingesetzt, kommt jede Art der SCIT, jede Form der Hyposensibilisierung generell zu spät.

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Desensibilisierung mit 3 Jahren Dauer

Für alle Varianten der Spezifischen Immuntherapie gilt: Sobald die Allergen-Höchstdosis erreicht ist, schließt sich eine Fortsetzungsbehandlung an. Die Allergenlösung wird dann über einen Zeitraum von etwa drei Jahren circa alle vier bis sechs Wochen unter die Haut gespritzt. Das lockt das Immunsystem immer wieder aus der Reserve und macht es schließlich unempfindlich. Im Idealfall lernt es, sich mit harmlosen Waffen gegen den Allergieauslöser zu wehren. Statt des allergiefördernden Antikörpers IgE produziert es dann den Antikörpertyp IgG, der völlig „handzahm“ ist und keine Allergie anschiebt.

Die sogenannte Gräserimpftablette ist eine Dauerform der Hyposensibilisierung. Einfach jeden Tag eine mit der Höchstdosis an Gräserextrakten unter die Zunge legen – schon kommen die Niesattacken deutlich seltener. Gleichzeitig braucht man weniger Medikamente gegen Heuschnupfensymptome. HNO-Arzt Prof. Ludger Klimek: „Diese Immuntherapie per Tablette ist eine große Chance für Gräserpollenallergiker, die immerhin rund 70 Prozent der Heuschnupfenpatienten ausmachen.“ Allerdings eignet sie sich nicht für Ungeduldige: Die Gräserimpftablette muss Tag für Tag, drei Jahre lang, gelutscht werden. Das kann schon mal nerven.

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Therapieerfolg bei Hyposensibilisierung

Viele Studien haben gezeigt, dass Hyposensibilisierungen gute Wirkungen erzielen. Eine Verbesserung der Allergiesymptome wie etwa eine triefende Nase, Augenjucken und Niesreiz kann sich schon im ersten Jahr zeigen. In der Regel zeigt sich aber die volle Wirkung erst nach zwei bis drei Jahren. Dennoch gibt es keine Erfolgsgarantie – während eine Hyposensibilisierung manche Menschen sogar von ihren Allergiesymptomen befreit, spüren andere gar keine Verbesserung.

Hilft eine spezifische Immuntherapie auch gegen multiple Allergien?

Prinzipiell lassen sich bei einer Hyposensibilisierung auch mehrere Allergien behandeln, insofern sie die Voraussetzung für diese Behandlung erfüllen. Es sollte allerdings bei einer Kombination aus maximal zwei oder drei Allergenen belassen werden, um die Wirksamkeitschancen zu erhöhen.

Datum: 06.05.2020

Autor: Karin Dunkel

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