Parfüms ohne Risiko Kontrolle und Überwachung aller Duftstoffe

Parfüms symbolisieren Liebe, Luxus, Leidenschaft und Lebensfreude. Doch leider kann sich nicht jede in einen gutriechenden Duft ihrer Wahl hüllen. Immer mehr Menschen reagieren allergisch auf bestimmte Inhaltsstoffe in Parfums, Deos und anderen Pflegeprodukten. Da muss natürlich auch die Branche reagieren. Immer mehr Hersteller versuchen deswegen Ihre Inhaltsstoffe an die neuen Bedürfnisse der Kunden anzupassen.

Parfums ohne Risiko

Parfümeure setzen auf freiwillige Selbstkontrolle

Die meisten Probleme registrierte der Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) 1999. Von den Patienten, die in diesem Jahr mit dem Verdacht auf ein allergisches Kontaktekzem zum Hautarzt gingen, reagierten 13,1 Prozent auf den Mix aus problematischen Duftstoffen. Dass diese Quote heute nur noch 6 Prozent beträgt, liegt keineswegs daran, dass weniger Riechstoffe verwendet werden. Schließlich stecken die duftenden Partikel nicht nur im Parfüm, sondern in unzähligen Gebrauchsgegenständen – vom Haushaltsreiniger bis hin zum Neuwagen.

Den Rückgang der Duftstoffallergien verdanken wir vielmehr einer immer strengeren Kontrolle aller Duftstoffe. Und die wird nicht vom Gesetzgeber vorangetrieben, sondern von der Parfümbranche selbst. Weltweit fahnden auf Rechnung der Dufthersteller Wissenschaftler, um Probleme zu erkennen und zu umgehen, bevor sie die Verbraucher und Behörden beschäftigen. Ganz uneigennützig ist das nicht, schließlich lebt die Branche von ihrem guten Ruf.

Organisiert sind die Duftwächter in verschiedenen Instituten. Das 1966 in den USA gegründete Research Institute for Fragrance Materials (RIFM) bewertet zum Beispiel laufend alle Duftstoffe, die auf den Markt kommen. Tritt ein Verdacht auf, geht der Stoff an ein unabhängiges internationales Expertengremium, um die praktische Relevanz zu beurteilen. Die konkreten Konsequenzen für die Hersteller formuliert aber die International Fragrance Association (IFRA) in Brüssel. „Wir sind sozusagen die Exekutive“, erklärt Dr. Matthias Vey, wissenschaftlicher Direktor der IFRA. Gegenwärtig arbeitet sein Team an dem 46. „Amendment“, wie die Duftwächter ihre Empfehlungen nennen.

 

Risiko-Duftstoffe werden limitiert oder verändert

Bis sich Veys Arbeit bei uns im Badezimmer bemerkbar macht, vergeht geraume Zeit. „Im Moment bewegt den Markt noch das 43. Amendment, das 2008 veröffentlicht wurde. Dabei geht es unter anderem um eine mengenmäßige Beschränkung bestimmter Duftstoffe mit allergenem Potenzial, zum Beispiel Ylang-Ylang, Kumarin und Jasmin.“ Bis jetzt betraf die Regel nur Neulancierungen, doch was ab September in die Regale gestellt wird, muss der Richtlinie entsprechen – auch wenn die Duftrezepte wie im Fall von „Opium“ schon viele Jahrzehnte alt sind. Dank Amendment Nr. 43 wird vielleicht auch der beliebte, aber noch als allergen geltende Duftstoff Eichenmoos bald rehabilitiert. Die RIFM-Spürhunde konnten die Stoffe isolieren, die im Eichenmoos die Allergien verantworten: Atranol und Chloratranol. Schon jetzt dürfen keine Düfte mehr mit Eichenmoos entwickelt werden, das die Übeltäter noch enthält. Ab Februar 2011 gilt dieses Reinheitsgebot dann für alle Parfüms.

 

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