2. Oktober 2014
7 Tipps für eine gesunde Haut

Die Haut, in der ich wohne

Unsere fragile Hülle muss viel aushalten. Da kann sie Hilfe gut gebrauchen: vital nennt 7 typische Probleme - und 7 Lösungen für eine gesunde Haut.

Körper
© thinkstockphotos
Körper

So facettenreich wie sie erscheint und arbeitet kein anderes Organ des Körpers: Unsere Haut kann weit mehr, als unliebsame Eindringlinge abzuwehren und das Innere zu schützen. Sie ist vielleicht die wichtigste Stimme, mit der unser Körper spricht. Innig mit all unseren Sinnen verknüpft und extrem wichtig, um unsere Umwelt wahrzunehmen. Die Haut mit all ihren feinen Nerven darin prägt uns als Individuen, die unterschiedlich auf Reize reagieren.
Allerdings nehmen diese Reize an Zahl, Vielfalt und Stärke ständig zu. Kein Wunder, dass wir im wahrsten Wortsinn dünnhäutiger werden - körperlich und seelisch.

Extrem empfindliche Haut

Denn auch in der Schulmedizin setzt sich langsam die Einsicht durch, dass Ängste und Sorgen genauso Spuren auf und in der Haut hinterlassen können wie Viren.
Ein Negativ-Trend, der unter die Haut geht, vermelden Dermatologen: Bereits sieben von zehn Patientinnen klagen in der Praxis über "extrem empfindliche Haut". Und sogar leichte Hautkrankheiten belasten uns über Gebühr - oft allein deshalb, weil sie sich unseren Mit menschen so offensichtlich zeigen.
Sieben der häufigsten Probleme und Lösungswege finden Sie auf den nächsten Seiten. So können Sie Ihrer Haut helfen, ihre gesunde Stärke wiederzufinden.

Couperose

Couperose

Nicht schlimm, aber auch nicht schön: Rötliche und bläuliche Gefäße schimmern durch die Haut

Was passiert mit der Haut?

Diese erworbene oder ererbte Schwäche der Gefäße im Gesicht und oft auch des gesamten Bindegewebes beginnt meist im Alter um die 30, kann aber schon nach der Pubertät einsetzen. Durch Hitze, Stress, zu viel Kaffee, Alkohol oder scharfe Gewürze stellen sich die kleinen Blutgefäße weit – sind aber nicht mehr in der Lage, sich zusammenzuziehen. Auf Dauer scheinen sie rötlich-bläulich durch die Haut (am Körper heißen sie dann Besenreiser). Zunächst ist das nur ein kosmetisches Problem, doch mit fortschreitendem Alter oder bei ständigen Reizen (wie Sonne, Sauna, Eiseskälte) werden die erweiterten Gefäße anfälliger für Entzündungen. Auch die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren, etwa zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr, können die Probleme verstärken. Dann sprechen Hautärzte von einer „Rosazea.“

Das hilft:
Alles, was beruhigt. Kosmetikerin Manuela Schöbel: „Halten Sie Ihre Haut grundsätzlich kühl. Sie braucht viel Schutz, dazu zählt neben der Pflege vor allem das Verhalten: In der Sonne und in der Sauna die betroffenen Hautstellen immer abdecken. Um die ‚Genuss-Rosazea‘ zu vermeiden, möglichst wenig Kaffee und Alkohol trinken.“

Neurodermitis

Neurodermitis

Früher wurde sie verharmlosend Juckflechte genannt. Heute wissen wir, dass Gene und Seele die entscheidende Rolle spielen

Was passiert mit der Haut?

„Die Anlage zu dieser entzündlichen Erkrankung (sie zählt zu den Ekzemen) wird vermutlich vererbt. Ein entspannter Lebensstil und die richtige Pflege können die Gene beeinflussen und „ruhig“ halten, statt sie zu aktivieren. Die Neurodermitis (med.: atopisches Ekzem) verläuft chronisch, oft in Schüben, steckt aber nicht an. Ursache ist vermutlich ein gestörtes Protein: Das Filaggrin, mitverantwortlich für den Aufbau der Hautbarriere, zeigt Mutationen. Dadurch reagiert die Haut empfindlicher auf Umwelteinflüsse, und es kommt leicht zu Entzündungen. Die betroffenen Stellen jucken stark, nässen und bilden Krusten. Die übrige Haut ist sehr trocken, überempfindlich und spannt. An Neurodermitis leiden bis zu zwanzig Prozent der Kinder, aber nur ein bis acht Prozent der Erwachsenen. Die Stellen bilden sich oft im Gesicht, in den Armbeugen und Kniekehlen.

Das hilft: „Benutzen Sie tensidfreie Reinigungspräparate“, rät Manuela Schöbel, „am besten eine Milch. Keine Peelings! Im Hautbild bewegt sich sowieso viel, das sollte nicht von außen unterstützt werden. Eine passende Pflege legt sich wie eine Decke schützend über die Haut. Beruhigende Masken tun gut, ein entspannendes Bad – alles, was uns aus dem Hamsterrad des Alltags holt.“

Überempfindlichkeit

Überempfindlichkeit

Die Veranlagung tragen viele Menschen in sich. Aber erst die Pflege­ und Lebensgewohnheiten überreizen die hypersensible Haut

Was passiert mit der Haut?

Immer mehr Menschen haben das Gefühl, ihre Haut werde immer empfindlicher: Sie reagiert auf Cremes, Kleidung oder sogar auf das Wet­ter, juckt, spannt und neigt zum Brennen oder Schuppen. Dr. Sabine Zenker: „Dabei handelt es sich nicht um eine Allergie! Vielmehr legen die Gene und der eigene Hauttyp fest, ob eine Haut sensibel ist. In zweiter Linie beeinflusst unsere Lebensweise die Hautkondition entscheidend: Wir waschen häufiger, benutzen viele Reini­gungs­ und Hautpflegemittel. Inhaltsstoffe wie z. B. Duft­ und Konservierungsstoffe oder zu reichhaltige Cremes – Stichwort ,überpflegen‘ – können die Symptome auslösen.“

Das hilft: „Generell verträgt sensible Haut milde Cremes besser, die mit wenigen Inhaltsstoffen auskommen und weder Duft­ noch Konservierungsstoffe enthalten“, sagt Dr. Zenker. „Manche Produkte tragen den Zusatz ,hypo­ allergen‘, ihr Reizpotenzial ist geringer. Vorsicht bei Anti­-Aging­-Produkten: Verzichten Sie besser auf solche mit hoher Konzentration an Fruchtsäuren oder Vitaminen.“

Akne

Akne

Nicht nur immer mehr Jugendliche, auch Frauen ab 30 leiden öfter unter einem sehr unreinen Teint

Was passiert mit der Haut?

Diese entzündliche Erkrankung der Talgdrüsen­follikel kommt in leichter Form vor mit Mitessern (Komedonen), in mittlerer mit Papeln und Pusteln und in schwerer Form mit Zysten. Akne wird durch vermehrten Talgfluss, Verhornungsstörungen in Folli­keln, Bakterien, männliche Hormone und eine hohe Entzündungsbereitschaft geför­dert. 70 bis 95 Prozent aller Jugendlichen weisen in ihrer Haut Akneschäden auf. Akne ist die häufigste Hauterkrankung.

Das hilft:
Inzwischen gilt als sicher, dass die Zusammensetzung des Talgs (med.: Sebum) entscheidend für die Entstehung der Akne ist. Er kann Stoffe beinhalten, die Entzündungsmediatoren aktivieren, z. B. Interleukine (Peptidhormone, die als körpereigene Botenstoffe der Immunzellen fungieren). Wer zu Akne neigt, sollte auf Milchprodukte und hoch ausgemahlenes Getreide (fördert Entzündungen) verzich­ten. „Das A und O“, sagt Expertin Manuela Schöbel, „ist eine kontinuierliche Tiefen­reinigung: erst Gesichtsdampfbad, dann eine Reinigungsmaske auf die feuchte Haut auftragen – die zieht sich beim Trock­nen zusammen, das ist besser als ein mechanisches Peeling.“ Letzteres könnte die Haut zusätzlich reizen.

Pigmentflecken

Pigmentflecken

Irgendwann kommt die Quittung: Die braunen oder hellen Stellen sind meist eine Spätfolge ausgedehnter Sonnenbäder

Was passiert mit der Haut?

Dermatologen nennen die bräunlichen Flecken neutral Pigment­verschiebungen. Dabei ist die Bildung der haut­eigenen Pigmente (Melanin) gestört, sie verklumpen regelrecht, sodass sich die Haut stärker (Hyper­pigmentierung) oder schwächer (Depigmentierung) färbt als üblich. Das liegt an Hormonveränderungen, Verletzungen oder Medikamenten, am häufigsten jedoch an einer Veränderung der Melanozyten selbst (Melanin produzierende Zellen) durch Sonnenschä­den – die erst nach etwa 20 bis 30 Jahren auftreten.

Das hilft:
Um die Flecken zu reduzieren und die Neubildung zu verhindern, wird die Tyrosinase gehemmt (ein Enzym, das sich an der Bildung von Melanin beteiligt). Andere Wirkstoffe (z. B. Viniferine aus dem Saft der Weinranken, Vitamin C oder Reti­nol) können aufhellend wirken, die Melanozyten reparieren oder mit Energie versorgen. Beide Behandlungsarten sollten täglich und dauerhaft erfolgen. Darüber gehört immer (!) eine Tagescreme mit Lichtschutz. Denn wer die Flecken einmal hatte, bekommt sie sonst immer wieder, jede kleine UV­ Dosis im Alltag schadet der Haut.

Extrem trocken

Extrem trocken

Meist sind Pflegefehler die Ursache. Dann lechzt der Teint nach Feuchtigkeit – nicht etwa nach Fett

Was passiert mit der Haut?

Trockener Haut fehlt Feuchtigkeit und nicht, wie viele vermuten, Fett. Doch zugeführte Feuchtigkeit kann sie bei einer gestörten Lipidschicht bzw. einem löchrigen Hydro-Lipidmantel nicht binden. Dann verwandelt sich trockene in sehr trockene und fettarme Haut mit einer mehr und mehr durchlässigen Barriereschicht.

Das hilft: Viel Feuchtigkeit einschleusen (mit Tonic, Lotionen, Seren, Cremes und/oder Masken mit Hyaluronsäure, Urea), dann einen Schutz darüberlegen, der die Feuchtigkeit in der Haut hält. Konkurrenzlos: pflanzliche Öle, weil sie sich gezielt zu hauteigenen Stoffen gesellen. Tipp von unserer Expertin Manuela Schöbel: „Die Pflege mit warmen Kompressen einarbeiten und darauf achten, dass Hautcremes keinen Alkohol (auf der Liste der Inhaltsstoffe als Ethanol deklariert) enthalten.“

Schuppenflechte

Schuppenflechte

Wie sie entsteht, ist noch nicht endgültig geklärt. Fest steht: Eine Psoriasis juckt heftig, und die Haut erneuert sich siebenmal schneller als üblich

Was passiert mit der Haut?

Bei der Schuppenflechte bildet der Körper extrem schnell neue Hautzellen. Mechanische Reize, ein Sonnenbrand, bestimmte Medikamente oder Stress begünstigen den Prozess. Die neuen Zellen streben zur Hautoberfläche, sterben ab und hinterlassen, weil sie so viele sind, rötlich-weißliche Schuppen – oft an Knien, Ellenbogen und auf dem Kopf.

Das hilft: Salben auf Öl- oder Vaseline-Basis mit Urea (Harnstoff) oder Salicylsäure helfen, die Schuppen sanft zu entfernen und Entzündungen zu verhindern. Neue Studien belegen die Erfolge von Cremes mit Weihrauch-Extrakten. Ölbäder, Laser-Therapien sowie eine Kombination aus Salzwasser und UV-Licht (Balneo-Phototherapie) können ebenfalls Linderung bringen. Verschreibungspflichtige Salben enthalten in der Regel Kortison, synthetischen Teer, Vitamin-A- oder Vitamin-D-Abkömmlinge.

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