Süß und keine Kalorien Ist Stevia ein gesunder Zuckerersatz?

Auch wenn Stevia bei uns recht neu ist, bei den Naturvölkern in Südamerika wird es schon lange zum Süßen von Nahrungsmitteln genutzt. Nicht umsonst hat die Pflanze Stevia rebaudiana auch den Beinamen Süßkraut oder Honigkraut. Doch wie ist der Wissensstand über das neue Süßungsmittel? Vital klärt auf.

Stevia als Zuckerersatz

Es kam aus dem Nichts und sorgte direkt für mächtig Wirbel: Stevia. Es ist ein Produkt aus der Wunderpflanze Stevia rebaudiana und gilt momentan als der Zuckerersatz schlechthin. In einigen Getränken ist es schon zu finden und auch im Supermarkt ist es separat als Pulver käuflich zu erwerben. Firmen wie Steviago verkaufen das Pulver mittlerweile kistenweise an Zuckergegner und Diabetiker. Es hat keine Kalorien, ist in konzentrierter Form 300-mal süßer als Zucker und wird natürlich gewonnen. Klingt alles irgendwie zu schön um wahr zu sein. Bevor wir hier also Heiligsprechung betreiben, schauen wir uns das weiße Pulver genauer an. 

Was ist Stevia?

Stevia ist ein gewonnenes Stoffgemisch aus der Stevia rebaudiana-Pflanze. Zum größten Teil besteht es aus den Stoffen Steviolglycosiden und Steviosid. Beide Inhaltsstoffe kommen zu circa 10 Prozent in den Blättern der Pflanze vor und sorgen für die Süße der Blätter. Das Problem: Die Pflanze, wie sie von südamerikanischen Urvölkern wie den Guarani zum Süßen genutzt wird, besitzt auch einige Bitterstoffe, welche bei der Gewinnung nicht gewollt sind. Man kann also nicht einfach aus den Blättern einen Sud kochen, trocknen lassen und mit dem so gewonnenen Pulver seinen Kuchen süßen. Es bedarf eines komplexen Vorgangs, die gewünschten, reinen Bestandteile aus der Pflanze zu gewinnen. Hier von einem "natürlichen Süßstoff" zu sprechen ist falsch. Stevia, wie es in Europa angeboten wird, kommt aus dem Labor.

Die Grunddaten stimmen allerdings. Es ist sehr süß und kalorienfrei. Was das Extrakt für die Industrie sehr interessant macht. Gerade bei Diabetes könnte es helfen, da es den Blutzuckerspiegel nicht erhöht. Der glykämische Index beträgt bei Stevia null. Zum Vergleich: Haushaltszucker hat einen glykämischen Index von 100, Fructose immerhin noch von 22. Stevia kann als Pulver, aber auch als Tabs oder Kapseln gekauft werden. Auch zum Backen eignet es sich, allerdings werden dafür spezielle Rezepte benötigt. Ihr könnt also nicht einfach herkömmlichen Zucker gegen Stevia austauschen. Mittlerweile gibt es aber – gerade auf dem Getränkemarkt – genügend Steviaprodukte. Ihr wollt mehr zum glykämischen Index wissen? Lest unsere sieben effektiven Glyx-Regeln

Was gibt es bei Stevia zu beachten? 

Ihr solltet Euch vor Augen führen, dass Stevia, wie wir es hier kennen, nur in einer extrem hohen Konzentration erhältlich ist. Wir nutzen bei diesem Lebensmittelzusatzstoff eben nicht die Steviablätter, wie die Naturvölker, sondern eine Essenz, bei deren Herstellung auch Abfallstoffe wie Steviol produziert werden. Existierende Studien von Lebensmittelherstellern haben bislang aber keine Nebenwirkungen des Stoffes nachweisen können. Allerdings solltet Ihr Euch fragen, wie zuverlässig Studien sein können, die von Parteien in Auftrag gegeben werden, deren Anliegen es ist, ein Präparat auf den Markt zu bringen und möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Studien von unabhängigen Instituten liegen bisher nicht vor.

Das liegt zum größten Teil daran, dass Stevia ein sehr neues Produkt ist. Dadurch mangelt es vor allem an Langzeitstudien (eine vor 20 Jahren in Japan geführte Langzeitstudie gilt mittlerweile als widerlegt). Die Vergangenheit sollte uns gelehrt haben, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Noch vor ein paar Jahren galt Fructose als der Zuckerersatzstoff, weil es einen niedrigen glykämischen Index besitzt und den Blutzuckerspiegel kaum erhöht. Mittlerweile haben Langzeitstudien belegt, dass zu viel Fructose die Leber schädigen kann, da Fructose zwar kaum Insulinausschüttung verursacht, aber natürlich trotzdem in den Blutkreislauf gelangt und dadurch von der Leber gefiltert wird. Es bleibt also abzuwarten, ob sich Stevia tatsächlich als potenter Zuckerersatz in der Lebensmittelindustrie halten kann. Bis dahin gilt: Nutzt den Süßstoff mit Bedacht. Solltet Ihr unter einer Fructose-Intoleranz leiden, hilft Euch unsere Zusammenstellung von fructosehaltigen Lebensmitteln weiter.

Autor: Alexander Scherb

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