Vitamin-Bluttests: Sinnvoll, oder nicht?

Wie sinnvoll sind Vitamin-Bluttests?

Das große Angebot an Vitamintabletten in Drogerien und Supermärkten suggeriert, dass uns einige essentielle Nährstoffe fehlen könnten. Aus Angst vor einem Mangel greifen immer mehr Menschen zu teuren Bluttests, um ihre Spiegel zu erfassen. Wie sinnvoll und aussagekräftig sind solche Vitamin-Tests wirklich?

Vitamin-Bluttests: Sinnvoll, oder nicht?

Da Krankenkassen nur für die wenigsten Vitamin-Bluttests aufkommen, müssen Sie beim Arzt oder bei kommerziellen Anbietern je nach Umfang des Tests gut und gerne bis zu 700 Euro selbst zahlen, um Ihr Blut auf essentielle Nährstoffe hin untersuchen zu lassen. Doch möglicherweise geben Sie eine solch hohe Summe völlig umsonst aus. Denn ein großes Problem ist, dass es sich bei den Referenzwerten solcher Tests und den entsprechenden Blutwerten häufig lediglich um von Großlaboren ermittelte Durchschnittswerte junger, gesunder Personen handelt. In der Sendung Visite des Norddeutschen Rundfunks (NDR) vom 9. November 2021 erklärt die Allgemeinmedizinerin Dr. Bettina Brandt aus Lübeck, wieso solche Richtwerte mit Vorsicht zu genießen sind: „Wenn die Referenzgruppe junge, 18-jährige, gesunde Männer sind, dann ist der Organismus und der Stoffwechsel einer 80-jährigen Frau definitiv ein anderer – und deswegen auch der Normwert sehr wahrscheinlich ein anderer.“ 

Die Ergebnisse der meisten Vitamin-Bluttests könnten daher fälschlicherweise einen Mangel anzeigen, obwohl die entsprechenden Werte nicht auf die Gesamtbevölkerung übertragen und gleichermaßen auf einen 18-jährigen Mann wie auf eine 80-jährige Frau angewendet werden können. Darüber hinaus sind Vitaminspiegel, die sich laut Test zwar im Bereich der Unterversorgung oder gar des Mangels befinden, nicht zwangsweise auch als besorgniserregender Mangel einzustufen. Das sieht auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) so. In einer Pressemeldung heißt es: „Fälschlicherweise wird eine rechnerische Unterversorgung häufig bereits als Mangel bezeichnet.“

Laut DGE ist „Deutschland kein Vitaminmangelland“

Lassen Sie sich daher nicht verunsichern, falls Ihre Vitamin-Werte mal nicht der Norm entsprechen und ein wenig zu niedrig sind. Selbstverständlich kann ein Mangel an einzelnen Vitaminen und Nährstoffen auch hierzulande durchaus auftreten. Ein breiter, bevölkerungsweiter Vitaminmangel besteht jedoch laut DGE keineswegs. Lediglich einige wenige Personengruppen sind in bestimmten Lebenssituationen gefährdet, einen Nährstoffmangel zu erleiden. So sollten sich etwa vegan lebende Menschen vor einem Vitamin-B12-Mangel schützen, indem sie ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Ebenso kann bei Jod eine leichte Unterversorgung bestehen, falls kein jodiertes Speisesalz im Alltag verwendet wird. Und auch die Vitamin-D-Spiegel können gegen Ende des Winters hierzulande knapp werden, falls in den Sommermonaten nur wenig Sonne getankt wurde. Darüber hinaus sind in der Schwangerschaft und Stillzeit gleich mehrere Nährstoffe kritisch – darunter Folsäure, Eisen, Jod. Hierüber sollte Sie stets die behandelnde Ärztin gründlich aufklären und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Von der selbständigen Versorgung mit verschiedenen Vitamin- und Mineralstoffpräparaten raten Expert:innen und Ernährungsgesellschaften jedoch ab.

Quellen: dge.de, ndr.de, ernaehrungsmedizin.blog

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