3. Januar 2022
Sind Feigen vegan? Es kommt ganz darauf an

Sind Feigen vegan? Es kommt ganz darauf an

Obst und Gemüse ist durchweg vegan, oder? Ganz so einfach ist es nicht, wie das Beispiel der Feige zeigt. Erfahren Sie, was es mit der Feigenwespe auf sich hat und warum Feigen nicht unbedingt vegane Lebensmittel sind.

Es gibt immer wieder Lebensmittel, die entgegen unserer Vermutung nicht komplett vegan sind und im Laufe des Herstellungsprozesses mit tierischen Produkten oder Tieren in Kontakt kommen. Erfahren Sie hier, warum die meisten Feigen auch dazu gehören.

Vegane Ernährung: Wann sind Lebensmittel vegan?

Menschen, die sich vegan ernähren, essen ausschließlich Lebensmittel, die pflanzlichen Ursprungs sind und in deren Herstellungsprozess keinerlei tierischen Produkte verwendet wurden. Veganer:innen verzichten auf Fleisch, Fisch sowie jegliche tierische Produkte wie Milch, Joghurt, Honig oder Gelatine. Man könnte meinen, die Definition und Abgrenzung, was vegan ist und was nicht, sei eindeutig. Allerdings gibt es bestimmte Grauzonen und Produkte, in deren Herstellung zumindest indirekt Tiere involviert sind, z.B. die Verwendung von Tierdünger oder Insektiziden. So sind sich vegan lebende Menschen und eigene pro-vegane Organisationen bei der Feige uneinig, ob die Frucht als vegan klassifiziert werden sollte. 

Sind Feigen vegan? Die Antwort ist komplizierter als gedacht

Sind Obst und Gemüse nicht automatisch vegan, da sie rein pflanzliche Lebensmittel sind? Theoretisch schon, es gibt jedoch einige Ausnahmen. So spielt bei der Befruchtung von Feigen die sogenannte Feigenwespe eine zentrale Rolle. Dieses nur wenige Millimeter kleine Insekt wird in einer Feige geboren und stirbt in einer anderen. Weibliche Feigenwespen fliegen aus einer befruchteten Feige los, um in einer noch unreifen Feige ihre Eier zu legen. Dabei transportieren sie den Pollen der einen Frucht zur nächsten und setzen so den Reifungsprozess in Gang. Allerdings verlieren die Feigenwespen beim Eintritt in die enge Feige üblicherweise ihre Flügel sowie zum Teil weitere Gliedmaßen und verenden, nachdem sie ihre Eier abgelegt haben. So besteht ein symbiotischer Kreislauf zwischen Feige und Feigenwespe. Die Wespen würden ohne die Feigen nicht existieren, die Früchte ohne die Feigenwespen nicht reifen.

Essen wir mit jeder Feige auch eine Feigenwespe?

Wenn das für Sie ziemlich eklig klingt und Sie nun befürchten, bereits viele Feigenwespen in Ihrem Leben verspeist zu haben, können wir Sie (teilweise) beruhigen. Denn ein Enzym namens Ficin sorgt dafür, dass die Wespen innerhalb der Feige komplett zersetzt und resorbiert werden. Von den Feigenwespen ist daher in der reifen Frucht nichts mehr übrig. Sonst wären Feigen nicht einmal vegetarisch.

Fazit: Sind Feigen vegan, oder nicht?

Diese Frage muss wohl jede Person für sich selbst beantworten. Denn je nachdem, wie streng man den Begriff „vegan“ auslegt, kommt man zu unterschiedlichen Antworten. So schreibt etwa Utopia.de: „Legt man den Begriff streng aus, sind die meisten Feigen aber tatsächlich nicht für eine vegane Ernährung geeignet: Beim Anbau der Früchte kommen in der Regel zahlreiche Wespen zu Schaden“. Einige Tierschutzorganisationen oder pro-vegane Unternehmen sehen es hingegen anders. So schrieb etwa PETA auf Twitter: „Ja, Feigen sind vegan“.

Falls Sie den Veganismus also eher streng auslegen oder Sie die Vorstellung von toten Feigenwespen in der Frucht erschaudern lässt, müssen Sie jedoch nicht komplett auf Feigen verzichten. Die hierzulande im Handel verfügbaren Feigen gehören zwar üblicherweise zu den Essfeigen oder Echten Feigen (Ficus carica), für deren Reifung die Wespen benötigt werden. Es gibt allerdings auch Feigenarten, die eigenständig und ohne Feigenwespen heranreifen, z.B. Negronne, Dalmatie, Brown Turkey oder Valle Negra.

Video: Hätten Sie's gewusst? Diese Produkte sind nicht vegan

Quellen: dw.com, peta.de, proveg.com, utopia.de

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