Macht Milch krank? Wir klären 8 Milch-Mythen auf!

Milchprodukte: 8 Mythen über Milch augeklärt!

Noch immer halten sich zahlreiche Mythen zu tierischer Milch. Sie soll krank machen, Krebs auslösen und Osteoporose begünstigen. Doch was stimmt denn nun? Wir räumen mit den Milchmythen auf!

Frische Milch in Kanne
© YelenaYemchuk/iStock
Wie gesund oder ungesund ist Milch wirklich? Wir klären alle Mythen auf.

Mythos 1: "Milch macht Osteoporose"

Laut einer schwedischen Studie begünstigte Milchkonsum Knochenbrüche und Osteoporose. In der Studie wurden aber nicht alle Faktoren, die zu Osteoporose und Knochenfrakturen führen, berücksichtigt. So soll Milch vom Körper sauer verstoffwechselt werden, wodurch die entstehenden Säuren das Calcium aus den Knochen ziehen und der Körper dieses über den Urin ausscheide. Die Calcium-Konzentration sei im Urin nach dem Verzehr von Milchprodukten erhöht.
In der Studie wurde jedoch nicht berücksichtigt, dass in Mittelschweden, dort wo die Studie durchgeführt wurde, ein enormer Vitamin-D-Mangel herrscht. Dieses Vitamin und auch Vitamin K sind dafür zuständig, dass das Calcium in den Knochen eingebaut wird. Ausgeschieden wird letztendlich nur der Calciumanteil, der vom Körper nicht aufgenommen werden konnte. Das ist wie mit dem Wasserkonsum zu vergleichen: Trinken wir mehr, scheiden wir auch mehr aus, weil der Körper nicht alles benötigt. Auch führt Milch nicht zu einer Übersäuerung im Körper.

Mythos 2: "Milch lässt den Körper übersäuern"

Eine Azidose, also eine Verschiebung des pH-Wertes in den sauren Bereich, sowie eine Alkalose, eine Verschiebung in den basischen Bereich, sind durch den Verzehr bestimmter Lebensmittel nicht zu erzeugen. Die Hauptursache für eine latente Azidose ist ein hoher Verzehr von schwefelhaltigem Protein und/oder eine verminderte Säureausscheidungskapazität. Mit einer normalen Ernährung ist das aber kaum zu erreichen. Selbst bei 2,5-3 g Protein pro Kilo Körpergewicht. Zu einer Azidose führen können Ketonsäuren, die z.B. bei Diäten oder Fastenkuren freigesetzt werden. Auch mangelnde Aktivität und eine unzureichende Durchblutung der Muskulatur führt zu Sauerstoffmangel, der im anaeroben Stoffwechsel Milchsäure freisetzt. Ein weiterer Grund für eine Übersäuerung sind chronische Krankheiten der Lunge, Leber und Nieren. Eine echte Übersäuerung mit Symptomen wie Atemnot, Herzrasen und blau gefärbten Lippen muss sofort im Krankenhaus behandelt werden.

Mythos 3: "Milch ist nicht nachhaltig"

Milch litt in den letzten Jahren unter einem zunehmend schlechten Ruf. Kritiker führten an, dass die Umweltbelastung durch die Milchproduktion viel zu hoch sei. Und tatsächlich ist die Umweltbilanz während des gesamten Produktionswegs von Kuhmilch ziemlich negativ. Die Futtermittelproduktion für die Kühe verschlingt riesige Anbauflächen, während die Tiere selbst in mitunter bemitleidenswerten Massentierhaltungen leben. In den letzten Jahren hat sich allerdings viel bewegt. Die Nachhaltigkeitsbewegung hat Fahrt aufgenommen, viele Unternehmen und Milcherzeuger haben ihre gesamte Produktionsweise unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit verändert. Danone etwa, eines der größten Molkereiunternehmen der Welt, hat unlängst das anspruchsvolle Nachhaltigkeitszertifikat der B Corp für alle "Milchfrische"-Produkte erhalten. Für die Zertifizierung werden ökologische, soziale und ethische Standards bei der Herstellung von Joghurts und Milcherzeugnissen des Unternehmens berücksichtigt.

Auf den Geschmack gekommen? Erfahren Sie in "Joghurt, Quark und Käse" alles darüber, wie Sie zu Hause selbst eigene fermentierte Milcherzeugnisse herstellen können. Noch mehr Anregung für den eigenen Joghurt oder Kefir in Eigenarbeit finden Sie bei "Joghurt, Kefir, Sauermilch und Co. selbst gemacht". Alternativ greifen Sie zu köstlichem Joghurt mit Granola und Amaranth oder probiotischem Skyr nach isländischer Art

Mythos 4: "Milch macht Krebs"

Dass Milch krebserregend ist, wurde bisher noch nicht bestätigt. Aus dem Bericht des World Cancer Research Fund (WCRF) von 2007 geht hervor, dass das Risiko an einem kolorektalen Karzinom (Krebs im Darm) sogar durch den Verzehr von Milch verringert wird. Es wird vermutet, dass dieser Effekt auch auf Blasenkrebs zutrifft. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DEG) wirkt Milch risikosenkend auf Darm- und Dickdarm, sowie Brust- und Magenkrebs. Ebenso stellten das Kompetenzzentrum für Ernährung Bayern (KErn) und das Max Rubner-Institut Karlsruhe (MRI) fest, dass die Inhaltsstoffe Calcium, typische Milchfettkomponenten und Proteine, z.B. Casein, Entzündungsprozesse im Körper stoppen und Abwehrstoffe aktivieren.

Mythos 5: "Milch führt zu Bauchschmerzen und Blähungen"

Milch und Milchprodukte führen nicht grundsätzlich zu Bauchschmerzen und Blähungen. Als der Mensch vor 12000 Jahren im Orient begann Viehzucht zu betreiben, konnte Milch noch nicht verdaut werden, da sich das Enzym Laktase nach dem Kindesalter nicht mehr bildete. Eine genetische Mutation sorgte hingegen dafür, dass es bis heute für uns Menschen möglich ist, Milch zu verdauen. In asiatischen Ländern konnte lange Zeit der Calciumbedarf über andere Lebensmittel wie grünem Blattgemüse gedeckt werden. So pflanzten sich die Menschen dort ohne das Enzym Laktase fort, weshalb noch heute viele Asiaten keine Milch vertragen. In Europa wurde Milch jedoch eine immer bessere Calciumquelle, weshalb die Genmutation an die nächsten Generationen weitergegeben wurde - wenn auch nicht an jeden. Im Schnitt leiden 20 % der Europäer an einer Laktoseintoleranz. Nur wer den Milchzucker nicht verträgt, muss mit Bauchschmerzen und Blähungen rechnen.

Mythos 6: "Von Milch bekommt man Pickel und Akne"

Viele Menschen berichten von Pickeln und Akne, wenn sie vermehrt Milch und Milchprodukte konsumieren. Tatsächlich spielen aber noch weitere Faktoren wie Hauttyp, Veranlagung und hormonelle Veränderungen eine Rolle. Verantwortlich für die Hautprobleme soll das IGF-1 stimulierende Hormon sein, welches auf Wachstumshormone wirkt. Bewiesen ist das jedoch nicht.

Mythos 7: "Milch belastet das Hormonsystem"

Hormone sind natürliche Regelfaktoren, die in jedem Körper und jeder Pflanze zu finden sind. So kommen sie in Kuhmilch vor, aber auch in Fleisch, Soja, Leinsamen oder Kichererbsen. Für die Milchproduktion sind Hormone wichtig, da eine Kuh nur mit genügend Oxytocin ("Kuschelhormon") Milch gibt. In ihr sind Östrogen, Progesteron und das IGF-1 enthalten. Es ist richtig, dass diese Hormone beim Verzehr von Milch auch in den Körper gelangen, jedoch dort nicht gespeichert werden, da Hormone innerhalb von Minuten im Körper abgebaut werden. Evolutionsbedingt dürfen Hormone aus der Milch, ob menschliche Muttermilch oder Kuhmilch, das Hormonsystem des Kindes nicht beeinflussen. Daher werden die aufgenommenen Hormone bereits im Magen-Darm-Trakt abgebaut und ausgeschieden. Diese Funktion existiert auch noch bei Erwachsenen. Laut des Bundesinstitutes für Risikobewertung ist die tägliche Produktion von Sexualhormonen beim Menschen viel höher als über die Nahrung aufgenommen wird.

Mythos 8: "Pflanzliche Milch ist besser als Kuhmilch"

Welche Milch nun besser oder gesünder ist, darüber lässt sich streiten. Milch aus konventioneller Herstellung hat oft schlechtere Werte und einen größeren ökologischen Fußabdruck als Milch vom Biobauern nebenan. Dahingegen hat pflanzliche Milch, z.B. Mandelmilch, ebenfalls einen großen ökologischen Fußabdruck, da die Mandeln per Schiff verschickt werden. Auch billige Hafer- und Sojamilch schneidet im Vergleich nicht gut ab, da sie oft im Ausland zu anderen Standards produziert werden. Wer sich sicher sein möchte, greift am besten zu Bio-Milch. Egal ob von der Pflanze oder vom Tier. Und es gilt: Die Menge macht das Gift!

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel enthält unter anderem Produkt-Empfehlungen. Bei der Auswahl der Produkte sind wir frei von der Einflussnahme Dritter. Für eine Vermittlung über unsere Affiliate-Links erhalten wir bei getätigtem Kauf oder Vermittlung eine Provision vom betreffenden Dienstleister/Online-Shop, mit deren Hilfe wir weiterhin unabhängigen Journalismus anbieten können.

Lade weitere Inhalte ...