6. April 2011
Verschiedene Ess-Typen

Verschiedene Ess-Typen

Immer neue Empfehlungen, Food-Trends, Statistiken – was ist denn nun die richtige Ernährung? Hier finden Sie Antworten.

Tina Katharina Grone
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Tina Katharina Grone

Den Body-Mass-Index errechnen und nach Kalorien-Diktat leben? Diese sechs Frauen pfeifen darauf. Sie wissen intuitiv: Ernährung ist auch Kraftspender und Balsam für die Seele. Darum laden sie uns zum Essen ein:

Die Genießerin
Tina Katharina Grone, 34, Büroleiterin Essen, was mir schmeckt – die Berlinerin gönnt sich, worauf sie Lust hat. Ihr persönlicher Luxus besteht in drei warmen Mahlzeiten: morgens Porridge (Getreidebrei) mit Früchten, gegen 13 Uhr ein Mittagstisch im Restaurant oder Café, und abends kocht sie Erbsensuppe mit geräuchertem Aal oder Steckrüben mit Parma-Schinken oder…

VITAL: Essen bedeutet Ihnen offenbar ziemlich viel.
Tina Katharina Grone: Du bist, was du isst – daran glaube ich. Nichts im Leben kommt dir so nah wie Essen, denn es wird ein Teil deines Körpers.

Stimmt. Aber für den Körper ist Parma-Schinken bestimmt nicht das Beste…

Aber meine Seele liebt ihn. Nahrung ist viel mehr, als dem Körper Nährstoffe zuzuführen. Wenn mich Essen glücklich macht, werde ich von Glückshormonen durchflutet. Und das ist doch ziemlich gesund, oder? Ich kaufe auch oft Bio, weil ich finde, dass viele Produkte einfach besser schmecken.

Klingt alles ziemlich teuer.

Ist es auch. Aber könnte ich mein Geld besser anlegen? Diese Wertschätzung für Nahrung habe ich von meinen Eltern gelernt. Sie haben immer nur beste Qualität und viel Frisches gekauft. Meine Mutter hat alles selbst gekocht, bis zur Marmelade. Manchmal hat sie sogar, zusammen mit meiner Oma, Wurst hergestellt.

Ihre Freunde freuen sich bestimmt, wenn sie von Ihnen bekocht werden.

Das hoffe ich. Ich freue mich auch, wenn sie mich einladen. Und hey, keinen Stress, ich mag auch Spaghetti mit Pesto.

Keine Angst vor Kalorien?

Bisher hat es mich nicht dick gemacht, dreimal am Tag warm zu essen. Obwohl ich mir oft noch drei frische Pralinen als Dessert gönne, meine Leidenschaft. Wenn ich zwischendurch ständig Schokoriegel futtern würde, könnte ich mir Sorgen machen. Aber zwischen den Mahlzeiten habe ich überhaupt keinen Hunger.

Ernährungs-Steckbrief
Essen wie eine Französin: alles, aber in Maßen und nur dreimal am Tag. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel in der Zeit zwischen den Mahlzeiten ab, die Bauchspeicheldrüse kann sich erholen, und man bleibt schlank.

Bevorzugte Nahrungsmittel: Fisch, Gemüse, Delikatessen, frische Pralinen

Die Disziplinierte

Gesa Schwanke
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Gesa Schwanke (links)

Gesa Schwanke, 28, Volontärin Hauptsache, schlank! Die Berufseinsteigerin achtet sehr auf ihr Gewicht. Sie frühstückt nicht, isst aber gegen elf Uhr eine Schale Müsli am Schreibtisch. Zum Mittagessen kauft sie sich einen Bagel ohne Belag. Aber nachmittags nascht sie Kekse oder Weingummi. Abends gibt es circa dreimal die Woche Pasta oder Gemüsesuppe und zweimal die Woche Pudding.

VITAL: Ist essen gleich Kalorien zählen?
Gesa Schwanke: Nein, aber ich will den Überblick behalten. Ich liebe Süßigkeiten und besonders Pudding. Deshalb schaue ich, dass ich kleine Sünden schnell wieder ausgleiche.

Gelingt Ihnen das?
In letzter Zeit weniger. Seit ich nicht mehr studiere, sondern arbeite, kommt der Sport zu kurz. Im letzten halben Jahr habe ich drei Kilo zugenommen.

Und was passiert nun?
Die würde ich am liebsten wieder abnehmen. Auf jeden Fall will ich vermeiden, dass noch mehr dazukommen. Ich fahre mit dem Rad zur Arbeit und steige jeden Tag alle möglichen Treppen. Außerdem versuche ich, mich beim Essen noch stärker zu beherrschen. Aber das fällt mir schwer. Ich bin gerade mit meinem Freund zusammengezogen, an den Wochen enden kochen wir gerne zusammen.

Komisch: Bei dieser Nahrungsmenge würden andere eher ab- als zunehmen.
Als Jugendliche war ich pummelig, seitdem ist Disziplin angesagt. Ich nehme leider schon vom Küchenduft zu – noch bevor ich einen Happen gegessen habe.

Ernährungs-Steckbrief
Diszipliniertes Essen: Die Kalorien werden beschränkt, aber nichts ist verboten. Sport und gesunde Lebensmittel gleichen das aus. So hält man durch und rutscht nicht in den Jo-Jo-Effekt.

Bevorzugte Nahrungsmittel: Milchprodukte, Müsli, Obst, Süßes

Die Nah-Esserin

Mirka Raito
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Mirka Raito (rechts)

Mirka Raito, 35, Künstlerin und Mutter Ökologisch, regional, gut schmeckend – Mirka hat Ideale, auch in puncto Essen. Deshalb gründete sie mit ihrem Mann und anderen eine Food-Coop: Ein Bio-Bauer aus der Umgebung beliefert einmal wöchentlich den von ihnen gemieteten Speisekeller. Monatlich überweisen alle einen festen Betrag.

VITAL: Speisekeller – klingt nach Arbeit und Abenteuer.
Mirka Raito: Wir haben abwechselnd Kellerdienst: neue Ware einsortieren, alte entsorgen. Mein Mann und ich sind seit 2004 dabei, mit einem Jahr Pause. Ein Abenteuer sind die Feste auf dem Bio-Hof. Besonders die Kinder verstehen dann, woher ihr Essen kommt.

Und Sie? Schätzen Sie das Essen heute auch mehr?
Bio-Nahrung sehe ich heute als Teil meiner Esskultur. Tomate ist nicht gleich Tomate – aber erst als Erwachsene habe ich gelernt, den Unterschied zu schmecken. Ich bin in Finnland aufgewachsen, dort sind Fertiggerichte und Fast Food sehr verbreitet. Als Kind hatte ich fast das Gefühl, essen sei eine der sieben Todsünden. Bei jedem Bissen habe ich an meine Figur gedacht.

Darum setzen Sie Ihren Kindern etwas anderes vor.
Wir sammeln zusammen Pilze und Beeren, kochen und essen gemeinsam und unterhalten uns viel über Nahrung. Die Kinder sollen lernen, dass essen Spaß machen darf. Ihren Geschmack schulen mein Mann und ich spielerisch: Wir stecken den Kindern Überraschungshäppchen in den Mund und sie raten, was es ist.

Ernährungs-Steckbrief
Öko-korrektes Essen: Auf den Tisch kommen nur regionale, biologische und fair hergestellte Lebensmittel. Für deren Produktion muss nur eine relativ geringe Energiemenge aufgewendet werden. Durch kurze Transportwege und Bio-Anbau bleiben viele Vitalstoffe erhalten, die frischen Lebensmittel schmecken besonders aromatisch.

Bevorzugte Nahrungsmittel: Gemüse, Obst (am liebsten Äpfel), Käse und im Urlaub gekauftes Olivenöl

Die Sparsame

Sabine Luckmann
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Sabine Luckmann (links)

Sabine Luckmann, 43, alleinerziehend Ihre vier Kinder sind 4, 7, 11 und 14 Jahre alt. Trotz knapper Kasse achtet Sabine auf gesunde Ernährung. Sie kauft viel Vollkorn, Gemüse der Saison und Milchprodukte – solange das Geld reicht, im Bio-Markt und Bio-Qualität vom Discounter. Am Monats ende weicht sie auf konventionelle Ware aus.

VITAL: Müssen Sie nicht jeden Monat Berge von Nahrungsmitteln kaufen?
Sabine Luckmann: Für uns fünf habe ich richtig was zu schleppen, zumal ich kein Auto besitze. Zum Glück machen mir Einkaufen und Kochen Spaß. Ohne täglich zwei Stunden in der Küche zu stehen, könnte ich uns nicht gesund ernähren. Gemüsesuppe, Kartoffeln mit selbst gemachter Sour-Cream, Spinat-Kartoffeln-Spiegelei, Vollkorn-Schulbrote mit Butter: Das alles ist erschwinglich. Bio-Fertigkost wäre zu teuer.

Ist denn auch mal Fleisch drin?
Wenn, dann nur vom Öko-Metzger – und das kostet. Aber Fleisch aus konventioneller Tierhaltung kommt mir nicht in die Tüte. Eigentlich würde ich gerne einmal pro Woche was mit Fleisch zubereiten. Aber so bleibt es eben alle zwei Wochen bei Hackfleisch oder Koteletts.

Gehen Sie arbeiten?
Nein, denn dann müsste ich die Kinder bis zum späten Nachmittag in der Kindertagesstätte lassen. Ich möchte aber Zeit mit ihnen verbringen und sie fördern. Die beiden Großen gehen aufs Gymnasium und lernen ein Instrument.

Ernährungs-Steckbrief
Aus wenig viel machen. Luckmanns leben zwar nicht von Hartz IV, aber dieser Regelsatz plant täglich 4,30 Euro für Nahrungsmittel ein, für ein Kind 3 Euro. Davon kann man sich nur mit eiserner Disziplin gesund und vollwertig ernähren.

Bevorzugte Nahrungsmittel: Müsli, Kartoffeln, Schwarzbrot, Milch, Butter, Äpfel

Die Ayurveda-Begeisterte

Alexandra Kapa
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Alexandra Kapa (rechts)

Alexandra Kapa, 34, Ayurveda-Masseurin Ayurvedische Gerichte sollen nähren und wärmen. Während ihrer Ausbildung 2004 stellte Alexandra (www.schoenundwohl.de) ihre Ernährung um. Zum Frühstück warmen Getreidebrei, mittags zum Beispiel ein Linsengericht. Spätestens um 18 Uhr isst Alexandra zu Abend: Gemüsesuppe oder Reis mit Hühnchen. Sie trinkt hauptsächlich heißes Wasser.

VITAL: Niemals Kaffee und auch keinen Salat?
Alexandra Kapa: Im Ayurveda glaubt man an wärmende und kühlende Speisen. Kaffee wirkt erhitzend. Er fördert Tatendrang, aber auch Wut. In manchen Situationen ist er Seelenmedizin, dann trinke ich gerne eine Tasse. Salat und generell Rohkost würde ich nie essen, sie kühlt zu stark. Da riskiere ich Verdauungsprobleme.

Essen Sie deshalb auch so früh „Abendbrot“?
Genau. Ab 19.30 Uhr wird das Verdauungsfeuer schwächer, der Körper ist müde vom Tag.

Beobachten Sie sich sehr genau?
Darum geht es im Ayurveda: achtsam zu sein und sich selbst besser kennenzulernen. Die ayurvedische Typisierung finde ich da sehr nützlich. Ich bin der Vata/Pitta-Typ.

Also halb Luft, halb Feuer. Was bedeutet das für Sie?
Wegen meines Luft-Anteils muss ich aufpassen, dass mein Verdauungsfeuer nicht erlischt. Warmes Wasser hilft dabei. Als Feuerelement brauche ich viel Entspannung durch Nahrung und Yoga.

Ernährungs-Steckbrief
Ayurveda bedeutet „Wissen vom Leben“. Die Ernährung wird auf den ayurvedischen Typ abgestimmt. Wichtig: niemals bis zur Sättigungsgrenze essen, sondern vorher aufhören.

Bevorzugte Nahrungsmittel: Reis, Gemüse, Linsen

Die Halal-Esserin

Arzu Asani
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Arzu Asani

Arzu Asani, 30, Rechtsanwältin Sie befolgt die Speisevorschriften des Korans und ernährt sich „halal“, das heißt z.B. kein Schwein und anderes Fleisch nur dann, wenn es halal ist. Meistens hat Arzu jedoch eher Appetit auf Gemüsegerichte.

VITAL: Das Schächt-Ritual erscheint Europäern grausam.
Arzu Asani: Es ist immer brutal, ein Tier zu töten. Nichts ist primitiver, als Fleisch zu essen. Wie geschlachtet wird, macht für mich keinen Unterschied. Sinnvoller ist, darüber nachzudenken, wie man den Tieren ein angenehmes Leben bereitet. Und sie davor zu bewahren, in Viehtransportern durch Deutschland gefahren zu werden.

Trotzdem essen Sie Fleisch, zumindest manchmal.
Ja, wenn ich meine Eltern besuche. Ich liebe die Küche meiner Mutter, viele schöne Kindheitserinnerungen stecken in diesen Geschmäckern. Und manchmal kaufe ich in der Mittagspause einen Döner.

Ihre Eltern essen sicher auch halal.
Sie sind sehr religiös und achten penibel auf die Speisegesetze.

Gelingt Ihnen selbst das so genau?
Ja. Ich habe es heute aber auch viel leichter als meine Eltern früher. Sogar Aldi und Penny haben jetzt Halal-Lebensmittel. Außerdem vermeide ich Schweinegelatine. Zum Glück enthält Nutella keine!

Und im Restaurant?
Bestelle ich ohnehin lieber vegetarisch. Und trinke natürlich keinen Wein, sondern Wassser. Alkohol ist auch nicht halal. Aber ich hätte sowieso keine Lust, welchen zu trinken.

Ernährungs-Steckbrief
„Halal“ bezeichnet im Islam alle Dinge, die erlaubt und rein sind. Muslime dürfen Fleisch essen, wenn das Tier geschächtet wurde, d.h. durch Ausbluten getötet. Schwein ist niemals halal, es gilt als unrein (= haram, verboten). Andere Lebensmittel wie Milchprodukte und Gemüse sind immer halal.

Bevorzugte Nahrungsmittel: Gemüseaufläufe, Salat, Döner, Nutella

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