18. April 2011
Schlank per Pille

Schlank per Pille

Ein Traum wird wahr, versprechen die Hersteller von Kapseln, Pülverchen und Pillen: Ohne zu hungern sollen die Kilos mühelos verschwinden. Doch die Nebenwirkungen erweisen sich oft als Albtraum. Autorin Katrin Steffens über die gängigsten Wirkstoffe.

Schlank per Pille
© iStockphoto
Schlank per Pille

Jede Frau kennt mindestens eine Freundin, die um Neujahr herum euphorisch verkündet hat: „Bei mir wird sich einiges ändern.“ Trennung, Yogalehrerinnen-Ausbildung oder einen Motorradkauf meinte sie diesmal nicht: „Ich will endlich abnehmen. Bis März sind fünf Kilo runter, ihr werdet’s sehen!“ Inzwischen wünschen wohl die meisten, sie hätte sich ein Motorrad gekauft. Für mehr Spaß im Leben. Denn nach Wochen der Enthaltsamkeit und tapferer Sportversuche ist der Abnehmerfolg überschaubar, die Freundin reagiert auf alles und jeden zunehmend gereizt – und denkt dar über nach, es sich mit Diätpillen ein bisschen leichter zu machen. „Bis zu drei Kilo weniger in einer Woche“, versprechen die Hersteller. Und dass sich die Fettpolster auch bei „normaler Ernährung“ verdünnisieren. Kann das stimmen?

Wie leicht kann Abnehmen überhaupt sein?

Um das herauszufinden, nahmen wir die gängigen Wirkstoffe der frei verkäuflichen Diätpräparate unter die Lupe – und befragten zu den Nebenwirkungen und Risiken den Mediziner und Biologen Dr. Stefan Engeli vom Institut für Klinische Pharmakologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. Sein Urteil vorab: „Die Mittel sind oft teuer und, wie eine Studie der Universität Göttingen zeigte, vielfach unwirksam. In seltenen Fällen können sogar gefährliche Nebenwirkungen auftreten.“ Da muss man also sehr genau hingucken!

Den Magen vor dem Essen füllen

Den Magen vor dem Essen füllen

DAS VERSPRECHEN DIE HERSTELLER: Kapseln eine halbe Stunde vor dem Essen einnehmen, dann setzt das Sättigungsgefühl schneller ein – und man nimmt weniger Kalorien auf.

VERWENDETE WIRKSTOFFE: Die Produkte enthalten Quellstoffe aus Algen wie in „CM3 Alginat“, Guarmehl wie in „Figur-Verlan“ oder Konjakextrakt, auch Teufelszunge genannt, wie in „Bionorm“.

WIRKWEISE: Die Kapseln quellen im Magen stark auf, der meldet „voll und satt“ ans Gehirn. Außerdem wird die Verdauung verlangsamt. Kleinere Studien mit Präparaten auf Algenbasis zeigen, dass das funktioniert. Eine deutliche und langfristige Gewichtsabnahme erreicht man aber nur in Kombination mit einer Ernährungsumstellung. Darauf weisen die Hersteller jedoch nur im Kleingedruckten hin.

NEBENWIRKUNGEN: Wer nicht genug trinkt, kann von den Quellstoffen Verstopfung bekommen, schlimmstenfalls einen Darmverschluss. Menschen mit Verengungen in Speiseröhre, Magen oder Darm dürfen diese Mittel nicht anwenden.

FAZIT: Wer sein Essverhalten nicht ändert, wirft das Geld für die Magenfüller zum Fenster raus.

Das Fett einfach verbrennen

Das Fett einfach verbrennen

DAS VERSPRECHEN DIE HERSTELLER: Vor oder zu den Mahlzeiten eingenommen, sollen diese Kapseln die Fettverbrennung und den Kalorienverbrauch steigern.

VERWENDETE WIRKSTOFFE: Viele Produkte enthalten L-Carnitin und Linolsäure (CLA) wie in „Figur aktiv“, Ananas- oder Papayaenzyme wie in „Gewichts Balance Papaya Kautabletten“ oder Pomeranzen- und Artischockenextrakt. Chinesische Kräutermischungen wie „LiDa“ und Fatburner aus dem Internet basieren meist auf Ephedrakraut (Ma Huang) oder Sibutramin – beide Wirkstoffe sind in Deutschland nicht zugelassen; oft enthalten sie große Mengen an Koffein, Kolanuss oder Guarana.

WIRKWEISE: Linolsäure soll das Einlagern von Fett im Körper verringern. In Studien konnte das aber nicht eindeutig bewiesen werden. Artischockenextrakte oder Enzyme regen die Verdauung an, helfen aber nicht bei Übergewicht. Anders die Wirkstoffe der Fatburner aus dem Internet: Die Arzneimittel Ephedrin (aus Ephedra) und Sibutramin alarmieren das Nervensystem und beschleunigen den Stoffwechsel. Koffein, Kolanuss und Guarana verstärken die anregende Wirkung noch. Dieses „Hochfahren der Aktivität“ dämpft gleichzeitig den Appetit.

NEBENWIRKUNGEN: Erhöhter Blutdruck, Kopfschmerzen, Übelkeit, Nervosität, Herzrhythmusstörungen.

FAZIT: Man verliert zwar Kilos, muss aber mit gefährlichen Nebenwirkungen rechnen. Nicht zu empfehlen! Im besten Fall sind die Mittel wirkungslos. Im schlimmsten Fall, wie bei Fatburnern mit unerlaubt bei gemischtem Sibutramin oder Ephedra, können sie tödlich sein.

Gleich weniger Fett aufnehmen

Gleich weniger Fett aufnehmen

DAS VERSPRECHEN DIE HERSTELLER: Meistens zum Essen eingenommen, blockieren die Pillen die Fettaufnahme im Darm.

VERWENDETE WIRKSTOFFE: Die Produkte enthalten Chitosan wie in „Formoline L112“, Orlistat wie in „Alli“ oder Extrakt aus Feigenkaktus.

WIRKWEISE: Chitosan, auch Polyglukosamin genannt, und Feigenextrakte sollen einen Teil des in der Nahrung enthaltenen Fettes binden, bevor der Körper es resorbieren kann. Studien mit Chitosan bei hohem Fettverzehr verzeichnen jedoch keinen Abnehmerfolg. Eine positive Wirkung hat die Einnahme nur, wenn gleichzeitig fettarm gegessen wird. Der Wirkstoff Orlistat stört die Fettverdauung, sodass etwa 25 Prozent der in der Nahrung vorhandenen Fette nicht aufgenommen werden – das belegen Studien.

NEBENWIRKUNGEN: Wer Orlistat einnimmt und zu viel Fett isst, kann unkontrollierbare, fetthaltige Durchfälle bekommen – sehr unangenehm. Blähungen und Bauchschmerzen treten häufig auf.

FAZIT: Orlistat bringt zwar Studien zufolge drei bis vier Kilo zusätzlichen Gewichtsverlust und „erzieht“ zur fettarmen Ernährung, allerdings erst in einem Zeitraum von einem halben Jahr. Zum Vergleich: Wer 30 Minuten pro Tag zügig spazieren geht, ohne sein Essverhalten zu ändern, hat nach sechs Monaten völlig kosten- und nebenwirkungsfrei zwei Kilogramm Fett verbrannt.

Wasser weg, Pfunde weg

Wasser weg, Pfunde weg

DAS VERSPRECHEN DIE HERSTELLER: Zum Essen oder einmal täglich eingenommen, sollen diese Mittel Wassereinlagerungen und Verstopfung ab bauen – das Gewicht geht runter, der Bauch wird flacher.

VERWENDETE WIRKSTOFFE: Brennnessel- oder Birkenblätter wie in „Biofax“ entwässern, Rizinusöl oder Bisacodyl wie in „Bekunis Dragees“ führen ab.

WIRKWEISE: Die Wirkstoffe regen die Nieren- bzw. Darmtätigkeit an, oft mit durchschlagendem Erfolg.

NEBENWIRKUNGEN: Regelmäßig eingenommene Entwässerungs- und Abführmittel können den Wasser- und Mineralstoffhaushalt des Körpers stören. Das führt zu Schlappheit und Kreislaufproblemen – und evtl. dem Umkehreffekt: ständiger Verstopfung.

FAZIT: Entwässerungspillen sind schlicht überflüssig. Gesunde Menschen haben überhaupt keine „Wasseransammlungen“, und die Fettpolster verschwinden nicht. Auch Abführmittel sollten nur unter ärztlicher Kontrolle und nur bei Verstopfung eingenommen werden. Dagegen hilft aber auch viel trinken, viel bewegen und viele Ballaststoffe essen – so verliert man gleichzeitig etwas Fett und Gewicht.

Nicht essen, sondern trinken

Nicht essen, sondern trinken

DAS VERSPRECHEN DIE HERSTELLER: Die Drinks ersetzen die gewohnten Mahlzeiten. Hunger und auch der Jo-Jo-Effekt sollen ausbleiben.

VERWENDETE WIRKSTOFFE: Die Pulvermischungen zum Anrühren bestehen aus Proteinen, Kohlenhydraten, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen. Der auch „Formula-Diät“ genannte Essensersatz muss der Diätverordnung entsprechen. Das stellt eine sinnvolle Zusammensetzung sicher.

WIRKWEISE: Mehr, als in den Drinks steckt, braucht der Körper nicht. Wenn die Drinks komplett die Nahrung ersetzen, kann sich ein deutlicher Gewichtsverlust ergeben.

NEBENWIRKUNGEN: keine.

FAZIT: Die Formula-Diäten können helfen, die Kalorienaufnahme bei einzelnen Mahlzeiten zu reduzieren. Ein langfristiger Abnehmerfolg stellt sich jedoch nur ein, wenn man gleichzeitig das Ernährungs- und Bewegungsverhalten ändert. Wird nach der Pulverdiät wieder gegessen wie bisher, kommt es zum Jo-Jo-Effekt, der Experten zufolge deutlich gesundheitsschädlicher ist als moderates Übergewicht. Eine komplette Ernährung mit Formula-Diäten ist nur für kranke Menschen sinnvoll, die zum Beispiel vor einer Operation schnell Gewicht verlieren sollen.

Schlank auf Rezept

VITAL Diätcoach

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VERSCHREIBUNGSPFLICHTIGE PILLEN: Einige Diätpillen dürfen nur vom Arzt verordnet werden. Diese Arzneimittel sind Menschen mit krankhaftem Übergewicht (BMI größer als 35) vorbehalten. Das Produkt „Xenical“ z.B. enthält doppelt so viel Orlistat wie das frei verkäufliche „Alli“. Andere, wie „Antiadipositum x112“ oder „Boxogetten S“, enthalten Appetitzügler. Die beeinflussen das Nervensystem, und die lange Liste ihrer teils erschreckenden Nebenwirkungen reicht von Reizbarkeit über Bluthochdruck und Herzrasen bis hin zu psychotischen Aussetzern. Auch die Einnahme dieser Präparate ist nur unter ärztlicher Kontrolle erlaubt.

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