3. Mai 2010
Klimaschutz durch Ernährung

Klimaschutz durch Ernährung

Unser Ernährungsstil kann zum Klimaschutz beitragen. Denn: Unsere Lebensmittel sind erheblich am Anstieg der Treibhausgase beteiligt

© Christian Stoll - Fotolia

Meine Freundin fährt Fahrrad statt Auto, recycelt Glas und Plastik. Seit sie ihren „persönlichen CO2-Fußabdruck“ kennt, denkt sie auch über ihren Fleisch- und Wurstkonsum nach. Ob bei Greenpeace, dem Umweltbundesamt oder der Europäischen Union – im Internet findet man überall einen CO2-Rechner. Mit ihm lässt sich der eigene Beitrag zum Kohlendioxid-Ausstoß leicht ermitteln. Dass Flugreisen, Heizenergie und Autofahren dabei eine Hauptrolle spielen, ist bekannt. Aber unser Ernährungsstil? Ja, auch Butter, Käse und Fleisch tragen erheblich zur Klimabelastung bei. Wie stark, hat eine von der Verbraucherschutzorganisation foodwatch in Auftrag gegebene Studie gezeigt. Bei der Produktion tierischer und pflanzlicher Nahrungsmittel setzt die gesamte Landwirtschaft in Deutschland 133 Millionen Tonnen CO2 frei – fast so viel wie der Straßenverkehr mit 152 Millionen Tonnen. Foodwatch-Geschäftsführer Dr. Thilo Bode fordert deshalb ein Umdenken in unserem Ernährungsverhalten.

Unabhängig davon, ob man lieber biologische oder konventionelle Lebensmittel kauft. „Wer etwas fürs Klima tun will, kann z. B. den Verbrauch von Milchprodukten und Fleisch reduzieren“, empfiehlt Bode. Auch Bio-Lebensmittel sind am Treibhauseffekt beteiligt: Ein Kilogramm Rindfleisch aus ökologischer Ochsenmast erzeugt 76-mal so viel Treibhausgas wie ein ökologisch erzeugtes Kilogramm Weizen. Mit knapp 95 Millionen Tonnen CO2 trägt die Tierhaltung zu etwa 71 Prozent zu den Klimaeffekten der deutschen Landwirtschaft bei. Dabei geht es nicht nur um rülpsende und pupsende Kühe, Ziegen und Schafe, die beim Verdauen das Treibhausgas Methan ausstoßen, sondern auch um entwässerte Moorböden, die jetzt als Grünlandfläche genutzt werden.

Moore speichern  Kohlendioxid

Moore speichern Kohlendioxid

Moore binden extrem viel Kohlendioxid. Dieses wird bei einer Bewirtschaftung für Grüntierfutter oder Weidefläche freigesetzt. Für den Klimaschutz müssten diese Böden wieder vernässt werden. „Die einfachste Maßnahme ist, Moorböden nicht länger landwirtschaftlich zu nutzen. Das würde schädigende Klimagase in der Agrarwirtschaft bereits um 30 Prozent vermindern“, so Thilo Bode. Obwohl gerade mal 8 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland Moorböden sind, machen sie knapp ein Drittel der CO2-Emissionen aus. Thilo Bode meint, eine weitere Reduktion der Treibhausgase sei durch die Ökologisierung der Landwirtschaft zu erreichen. Gerade im Bereich des Pflanzenanbaus überwiegen hier die Vorteile gegenüber dem konventionellen Anbau. Bei der Produktion von Bio-Weizen entsteht weniger als die Hälfte CO2. Grund ist der geringere Nährstoffeinsatz. Denn mineralischer Stickstoffdünger, der in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt wird, benötigt für die Herstellung viel Energie und ist daher mit hohen CO2-Emissionen verbunden.

Viel Dünger, mehr Schaden für die Umwelt

Und durch die starke Düngung entstehen auf den Ackerflächen höhere Stickstoffüberschüsse, die zu noch mehr klimaschädigenden Lachgasemissionen führen. Biologisch produzierte Lebensmittel entlasten die Umwelt also erheblich. Fleisch, Milchprodukte, Gemüseanbau – welche Rolle spielt die CO2-Entstehung eigentlich beim Fisch? Laut Greenpeace-Experten Martin Hofstetter liegen bisher noch keine vergleichbaren Zahlen vor. Zur Zeit arbeitet das Öko-Institut in Freiburg an einer Untersuchung zu diesem Thema. Während beim Seefisch der Treibstoffverbrauch der Fangschiffe und die Energie für das Kühlen auf See berücksichtigt werden müssen, sind es bei Farm-Fischen und in der Süßwasserzucht die Emissionen, die bei der Futterherstellung entstehen. Die Empfehlung an uns Verbraucher müsste also lauten: Esst mehr Bio-Vollkorn, -Gemüse und -Obst für ein intaktes Klima. Müssen wir dann etwa ganz auf Fleisch verzichten? Nein, aber jeder sollte seinen Konsum überdenken. Die Empfehlungen für eine gesunde Ernährung decken sich – wie praktisch! – übrigens mit denen zum Klimaschutz. Also: Fleisch höchstens ein- bis zweimal pro Woche, wie es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt.

Label fürs Klima:

Das deutsche „Stop Climate Change  (SCC)“-Siegel  bezeichnet seit 2007 Unternehmen oder Produkte,  die nach strengen Vorgaben den Ausstoß von Treibhausgasen senken. Schirmherr: Der  ehemalige Umweltminister Jürgen  Trittin. Aktuell sind z. B. zwei Bio-Säfte von Voelkel und Bratwurst von „Ökoland“ mit dem Logo ausgezeichnet.  

Aber nicht nur die Landwirtschaft schädigt das Klima. Fast ein Drittel der Treibhausgase erzeugen die Verbraucher selbst: durchs Kochen und Kühlen der Lebensmittel, durchs Abwaschen und durch Einkaufsfahrten mit dem Auto. Es macht also Sinn, energieeffiziente Herde, Spülmaschinen und Kühlschränke in einer Größe zu kaufen, die dem Haushalt angepasst ist. Auch das optimale Beladen der Spülmaschine, die richtige Temperaturwahl beim Kühlschrank oder eine kurze Vorheizzeit beim Backofen nützen dem Klima. Klingt simpel? Ist es auch! Entscheidend ist, dass es für jeden Verbraucher selbstverständlich wird.

Transportwege und Fertigprodukte

Transportwege und Fertigprodukte

Fliegende Erdbeeren schädigen das Klima

Ebenso wichtig sind die Transportwege der Lebensmittel, die Verarbeitung und Verpackung. Wer im Winter Erdbeeren kauft, muss wissen, dass er damit unterstützt, dass das Klima mit Kohlendioxid belastet wird, das beim Einfliegen entsteht. Verbraucher, die regionale und saisonale Ware bevorzugen, werden kaum Flug-Ware in ihrem Einkaufskorb haben. Ökologisch unsinnig sind aber auch Bio-Äpfel aus Israel oder Milch und Jogurt aus Bayern in den Supermarktregalen in Schleswig-Holstein. Und kaum einem Verbraucher ist bewusst, dass ein konventioneller Salatkopf aus dem beheizten Treibhaus 30-mal so viel CO2 verursacht wie einer aus dem Freiland.

Tafel, Klimaschutz
© Birgit Reitz-Hofmann - Fotolia
Tafel, Klimaschutz

Fertigprodukte fördern den Treibhauseffekt

Ob Pommes oder Fertig-Püree – jedes verarbeitete Nahrungsmittel hat einen höheren Anteil am Treibhauseffekt als frische Eier oder pures Obst und Gemüse vom Feld. In der Studie „Ernährungswende“ des Öko-Instituts heißt es: Besonders deutlich wird dies bei tiefgekühlten Pommes frites und Kartoffeltrockenprodukten wie Püree oder Klößen. Die Entwässerung der Frischprodukte bzw. die Tiefkühlung verbraucht zusätzliche Energie. Fazit: Wir können essen, genießen – und schützen dabei das Klima. In jedem Fall sollten wir unsere Essensgewohnheiten mal unter die Lupe nehmen, weil es darauf ankommt, was und vor allem wie oft wir es essen. „Mit einem klimaoptimierten Ernährungsstil lassen sich Treibhausgase hier um mehr als die Hälfte verringern“, sagt Dr. Karl von Koerber vom Münchner Beratungsbüro für Ernährungs-Ökologie. Ich mache es ab jetzt wie meine Freundin. Damit ich mit meinem „CO2-Fußabdruck“ in puncto Ernährung noch klimafreundlicher dastehe.

Was geht da eigentlich in die Luft?

CO2 (Kohlendioxid) ist neben Sauerstoff das wichtigste Gas auf der Erde. Pflanzen benötigen es zur Fotosynthese. Es bildet in der Atmospäre eine Art Schutzschicht. Zu viel führt zur Erwärmung der Erde. Methan ist ein farb- und geruchloses Gas. Wiederkäuer wie Rinder oder Schafe stoßen es aus. Es entsteht während des Verdauens im Magen. Zu hohe Methankonzentrationen fördern den Treibhauseffekt.


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