7. November 2011
Bananen aus Costa Rica

Bananen aus Costa Rica

Bananen sind bei uns besonders beliebt. Wer denkt da an Umweltgifte oder Ausbeutung auf den Plantagen? Wir haben in Costa Rica gesehen, dass es dort auch anders geht.

Bananen
© iStockphoto
Bananen

Aufgeregt wartet der acht Jahre alte Jimbal in seinem dicken braunen Affenkostüm hinter einer Bananenpflanze. In wenigen Minuten hat er seinen Auftritt. Unter dem Applaus der Zuschauer springt er auf die Freilichtbühne und zeigt, wild umherhopsend, wie wohl sich heute ein Affe in seiner Bananenplantage fühlen kann. Jimbal ist einer von zehn Laienschauspielern des Nogal-Umweltprojekts im Sarapiqui-Gebiet in Costa Rica. Dort, wo vor Jahren noch aggressivster Bananenanbau mit gesundheitsschädigenden Pestiziden betrieben wurde, führt die fröhliche kleine Gruppe ihre neuen Arbeitsbedingungen in der Plantage vor, erzählt in einem einstündigen Schauspiel.

Menschenwürdiges Arbeiten
Bis in die neunziger Jahre bauten hier große Konzerne wie Chiquita Bananen an – ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschen. Mehrmals täglich wurden von Flugzeugen aus hochgiftige Pestizide auf die Plantagen gesprüht. Tonnen mit pestizidgetränkten blauen Plastiksäcken, die zur Abwehr des Sikatoka-Pilzes über die Bananenstauden gezogen werden, säumten Plantagen und Packstationen. Die Gesundheit der Erntehelfer, ihre Arbeitsbedingungen und der Umweltschutz waren kein Thema.

Auf einen Blick

  • Bio: Kein Einsatz von Pestiziden und anderen Giften. Verwendung von extrem robustem Pflanzenmaterial. Die Vernichtung von Schädlingen und Unkräutern erfolgt durch intensive Handarbeit.
  • Biofair: Schützt Umwelt und Mensch nach Bio-Richtlinien, sichert die Einkommen wie bei Fairtrade. Beispiel: Banafair.
  • Fairtrade: Feste Mindestpreise für Bananen, die die Produktions- und Lebenshaltungskosten abdecken und damit Kleinbauern und Kooperativen stützen. Kein Bio, aber starke Förderung hin zu Bio-Anbau.
  • Zertifiziert: Nachhaltige Landwirtschaft, Schwerpunkt auf Erhalt der Ökosysteme. Stark kontrollierter Einsatz von Pestiziden. Mitbestimmung der Produzenten. Preise folgen den Weltmarktpreisen.

Inzwischen sieht das Leben hier ganz anders aus: Pestizide sind auf ein Minimum reduziert. Chiquita-Arbeiter tragen beim Einsatz der Pestizidsäcke Masken und Handschuhe. Der Plastikmüll wird ausnahmslos recycelt. Die Plantagen sind von hohen Hecken gesäumt, damit Chemikalien nicht in umliegende Wohnsiedlungen geweht werden. Diese Veränderungen sind dem unerbittlichen Druck von Gewerkschaften, Bürgerinitiativen und vor allem der amerikanischen Nichtregierungsorganisation (NGO) Rainforest Alliance zuzuschreiben. 1992 begann die Firma Chiquita Brands International, ehemals United Fruit Company, ihre Produktion umwelt- und menschenfreundlich umzustellen. „Es war ein langer Weg“, sagt David McLaughlin, Chef für Umweltangelegenheiten bei Chiquita. Er führte intensive Gespräche mit Chris Wille, dem Direktor für nachhaltige Landwirtschaft bei der Rainforest Alliance.

Grüner Frosch auf dem Etikett
Aus dem als „Ausbeuterfirma“ und „Handlanger der CIA“, der obersten US-Geheimdienstbehörde, verschrienen Konzern ist ein Unternehmen geworden, das sich für den Schutz der Umwelt einsetzt. Alle 127 Chiquita-Plantagen in Lateinamerika sind zertifiziert, 80 Prozent der Zulieferfirmen weltweit erfüllen die Zertifizierungsstandards. In neun europäischen Ländern klebt auf den Chiquita-Bananen deshalb nicht nur das bekannte blaue Logo mit dem Chiquita-Mädchen, sondern dazu noch eins mit einem grünen Frosch. „Seit der Zertifizierung sind die Farmen perfekt organisiert“, sagt McLaughlin. Von 1995 bis 2004 gingen die Kosten um 18 Prozent zurück, die Produktivität stieg um 28 Prozent. Nicht zuletzt wegen der besseren Arbeitsmoral. Die Menschen fühlen sich beachtet. Ein fester Tageslohn von durchschnittlich 14 Dollar und 200 Prozent Aufschlag für Samstags- und Sonntagsarbeit tragen ein Übriges dazu bei.

Keine Pestizide im Bio-Anbau

Der möglichst respektvolle Umgang mit Mensch und Umwelt, den Chiquita in jahrelanger Arbeit entwickelt hat, ist für Bio-Verbände und „Fairtrade“ von Anfang an selbstverständlich gewesen. Ein weiterer wesentlicher Unterschied: Im Bio-Anbau dürfen überhaupt keine Pestizide eingesetzt werden. Dort werden die gesunden, sehr widerstandsfähigen Pflanzen in Mischkulturen angebaut. Plantagenarbeiter entfernen täglich kranke oder zu dicht stehende Pflanzen, schlagen von Pilzen befallene Bananenblätter mit der Machete ab. Dieser Aufwand und die insgesamt geringeren Erträge begründen die meist noch höheren Preise von Bio-Bananen. Eines aber gilt für alle Bananen: Sie werden vor dem Transport grün geerntet. Und: Dank der Schale befinden sich in der Frucht Pestizide nur noch in kaum messbarer Menge – Bio-Anbau schützt daher vor allem die Plantagenarbeiter und die Umwelt.

Bananen mit „Fairtrade“-Siegel garantieren den Kleinbauern festgelegte, über Weltmarktniveau liegende Preise. Sie sollen in jedem Fall die Produktions- und Lebenshaltungskosten abdecken. Alle „Fairtrade“-Produzenten erfüllen grundsätzlich die nationalen und internationalen Vorgaben in Bezug auf Pestizide und Umweltschutz. Ein Anreiz für viele Kleinbauern: Farmer, die ihre Plantagen auf biologisch kontrollierten Anbau umstellen, erhalten eine zusätzliche Prämie. Auch Chiquita steckt vorsichtig die Fühler in eine ganzheitlich ökologische Richtung aus.

In Nicaragua gibt es bereits ein Projekt für Bio-Bananen: Dort ist das Wetter so trocken, dass der Sikatoka-Pilz keine Chance hat. Und: Gemeinsam mit der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und dem Schweizer Großabnehmer Migros führt Chiquita ein mehrjähriges Programm in Costa Rica durch. Dazu gehören Wiederaufforstung, Umweltschutzerziehung in Schulen und das Engagement für soziale Projekte in den Gemeinden. Einer, der mit Begeisterung davon profitiert, ist der kleine Theater-Affe Jimbal. Sein größtes Glück wäre es, wenn sich Affen irgendwann in allen Bananenplantagen wieder wohl fühlen würden.

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