Bio-Special Fragen und Antworten

Im Gehen, im Stehen, in Euphorie oder aus Frust – ständig essen wir etwas. Woher kommt bloß so viel Hunger? Wie die Umwelt kräftig unseren Appetit beeinflusst.

Coffee to go

 

Wieso schaffe ich ein Fünf-Gänge-Menü?
Der Appetit ist anspruchsvoll: Er braucht Abwechslung. Fünf Teller Erbsensuppe schafft kaum ein Mensch. Variiert aber der Geschmack, essen wir mehr. In einer Studie wechselten Wissenschaftler den Belag von Sandwiches. Die Teilnehmer aßen mehr, als wenn sie immer das Gleiche bekamen. Am kalten Büfett und im französischen Restaurant passiert Ähnliches. Dass wir „von etwas genug“ haben, sorgt nach Ansicht der US-Wissenschaftlerin Barbara Rolls dafür, dass wir möglichst viele unterschiedliche Nahrungsmittel zu uns nehmen – und damit auch mehr Nährstoffe.

 

Warum kann ich immer noch ein Dessert essen?
Bevor die körperlichen Sättigungssignale unser Gehirn erreichen, setzt die sensorische Sättigung ein. „Sensorisch ist man satt, wenn man einen bestimmten Geschmackseindruck leid ist, ihn nicht mehr mag. Das süße Dessert ist eine sensorische Abwechslung, die den Appetit durchaus wieder anregt“, erklärt Volker Pudel das Phänomen, warum selbst nach einem üppigen Mahl immer noch Platz ist für eine Mousse au chocolat oder ein Tiramisu.

 

Das passiert in unserem Körper
In mehreren Schritten entsteht im Körper das Gefühl von Hunger und Sättigung

 

Hunger

  • Ständig verbrauchen wir Energie aus den Speichern in Muskeln, Leber und Fettzellen. So leeren sich nach und nach diese Energievorräte.
  • Der Blutzuckerspiegel sinkt. Im Blut verringern sich die Hormone Insulin und Leptin.
  • Das Gehirn bildet weniger Serotonin – der Hypothalamus wird alarmiert. Er sorgt für die Freisetzung bestimmter Neurotransmitter wie Dopamin. Wir bekommen Appetit.
  • Wir nehmen den Duft gerösteter Zwiebeln wahr oder sehen ein leckeres Brötchen. Aus den Speicheldrüsen schießt Speichel in den Mund, der Magen „knurrt“ und wir beginnen zu essen.

 

Sättigung

  • Im Lauf der Mahlzeit dehnt sich der Magen. Dehnungsrezeptoren leiten das Signal über Nerven ins Gehirn.
  • Verdauungshormone werden freigesetzt und melden dem Gehirn, dass der Körper Nahrung erhalten hat. Wir hören allmählich auf, zu essen.
  • Aus dem Darm gelangen Zucker, Fett und Eiweiß ins Blut. Die Insulin- und Leptinspiegel steigen wieder. Das Gehirn bildet Serotonin und andere Neurotransmitter, die eine sättigende Wirkung haben.

 

Experiment „Trickteller“
Der Ernährungspsychologe Volker Pudel machte in den 1970er Jahren sein berühmtes Experiment mit dem „Trickteller“. Versuchspersonen bot er Suppe aus einem Teller an, der durch ein Loch im Boden unbemerkt aufgefüllt wurde – der Teller leerte sich also nie.

Das Sättigungssignal „leerer Teller“ wurde auf diese Weise vollständig außer Kraft gesetzt. Übergewichtige Versuchspersonen aßen dabei 180 Prozent mehr als unter normalen Bedingungen.