Ernährung Gesundheit nach Lustprinzip

Wie muss man sich eigentlich das Familienleben von VITAL-Kolumnistin Verena Carl vorstellen? Laufrunden mit einem trendigen Jogging-Buggy, Kindergeburtstag mit Tofu-Burgern? Von wegen… 

Mutter Kind

 

Ich bin anders als die anderen. Ich besitze eine Bonuskarte beim „Grünschnabel“-Frischsäftestand, kann aus dem Stand die Kalorienzahl der meisten handelsüblichen Lebensmittel angeben, Mantras singen, ohne zu lachen, und habe die meisten Trendsportarten der letzten 20 Jahre wenigstens mal ausprobiert. Bis auf Bungee-Jumping. Trotzdem: Manchmal glaube ich, dass meine Familie die Nase vorn hat in Sachen Vitalität. Ich bin nämlich der klassische Jo-Jo-Spieler: Entweder, ich verfolge mein Pensum an Sport und Co mit der Disziplin eines preußischen Finanzbeamten – oder ich schwenke um ins Gegenteil und tröste mich mit Vollmilch-Nuss schon am Vormittag über mein Versagen hinweg.

Der Rest der Familie lebt einfach nach dem Lustprinzip. Wenn Helen über eine Wiese rennt, dann nicht, um im anaeroben Trainingsbereich Kalorien zu verbrennen. Sondern weil das Gras sich so gut anfühlt unter den nackten Füßen. Wenn Dierk kernlose Trauben verputzt, denkt er nicht über den Zellschutzeffekt der Inhaltsstoffe nach. Sondern genießt einfach den Geschmack nach Spätsommer und Sonntagen im Bett. Und Henri trainiert auch nicht auf einen Waschbrettbauch hin, wenn er seine kleinen Baby-Sit-ups versucht. Der will nur endlich mal die Welt von weiter oben sehen. Vielleicht sollte ich mir davon einfach mal eine Scheibe abschneiden.

Weniger Pflichtgefühl, mehr Spaßprinzip. Denn erstaunlicherweise ist der Rest meiner Familie weder dicker als ich, noch kommen sie beim Spielplatz-Wettlauf schneller aus der Puste. Vorbildlich, eigentlich. Nur ihre dicken Wurststullen, die kann Helen gern für sich behalten. 

Autor: Verena Carl

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