Lebensmitteltäuschung High Protein: Wann ist ein Produkt wirklich eiweißreich?

Der Protein-Trend hält an und wird sogar immer größer. Viele Hersteller setzen auf eine "Protein-Kennzeichnung" auf ihren Produkten. Doch wann ist ein Lebensmittel wirklich eiweißreich? Und lohnt es sich überhaupt, diese Lebensmittel zu kaufen?

Joghurt

Im Supermarkt gibt es mittlerweile immer mehr Lebensmittel wie Müsli, Desserts, Brot oder Fitnessriegel, die mit dem Aufdruck "proteinreich" oder "reich an Protein" bedruckt sind. Doch ab wann dürfen Produkte als "High Protein" bezeichnet werden? Und wie sinnvoll ist der Kauf dieser Produkte überhaupt?

 

Health Claims Verordnung regelt den Proteingehalt

Laut der Verbraucherzentrale Bayern dürfen Produkte die Bezeichnungen nur tragen, wenn mindestens 20 Prozent der Kalorien des Lebensmittels aus dem Eiweißanteil stammen. Das regelt die sogenannte EU-Health-Claims-Verordnung. Um diesen Proteingehalt zu erreichen, dürfen die Produkte mit Eiweiß aus Milch, Soja oder Ei angereichert werden. Zusätzlich beinhalten diese Produkte oftmals Zusätze wie Süßungsmittel, Aromen, Vitamine und Mineralstoffe. Wer vor allem mit den beiden ersteren keine Probleme, z. B. bei der Verdauung hat, kann natürlich zugreifen. 
 

Brauche ich überhaupt Produkte mit Proteinzusatz?

Tatsächlich kommt es auf verschiedene Faktoren an, ob sich der Griff zu angereicherten Produkten lohnt. Im Durchschnitt braucht der Mensch 1 bis 1,5 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht täglich. Wer Abnehmen oder Muskelmasse aufbauen möchte, sollte 2 bis 2,5 g pro Kilo Körpergewicht zu sich nehmen. Ebenso kommt es darauf an, wie viel Protein durch andere Lebensmittel aufgenommen wird.
Sinnvoll ist es daher, zuallererst die eigenen Essgewohnheiten zu überprüfen und diese ggf. anzupassen. Greifen Sie bevorzugt zu den klassischen eiweißhaltigen Lebensmitteln wie
  • Linsen und Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, Kidneybohnen oder Erbsen,
  • magerem Fleisch wie Pute oder Hühnchen,
  • Fisch,
  • Milch und Milchprodukte wie Magerquark, Milch oder Käse  
  • oder aber Eier, Vollkorn, Haferflocken, Nüsse oder Samen.
Wenn Sie Ihren Eiweißbedarf bereits gut über die bekannten Lebensmittel decken können, brauchen Sie nicht zusätzlich zu Produkten, die mit Protein angereichert sind, greifen. Wenn der Proteinpudding aber schmeckt, schadet es natürlich auch nicht.
 

High Protein: Teurer, aber nicht besser?

Achten Sie bei Ihrem nächsten Einkauf einmal auf die Zutatenliste der Produkte mit den Aufschriften "High Protein" oder "reich an Eiweiß". Oftmals sind diese Produkte teurer, haben aber im Vergleich zu einem ähnlichen Produkt nur minimal mehr Protein. Bei natürlichem Quark und Skyr ist das oft der Fall. Einfacher Magerquark erfüllt ebenso seinen Zweck und kostet dabei oftmals weniger. 
Ebenso bei Frischkäse: Mittlerweile gibt es Produkte, die mit großer "Protein-Aufschritft" beworben werden, aber nur minimal mehr Protein als der Klassiker enthalten. Da kann man sich das Geld doch lieber sparen.
 
 
Datum: 19.09.2020
Autorin: Christina Liersch