Bio Herkunft von Fleisch erkennen – so gehen Sie vor!

Zahlreiche Skandale in der Fleischindustrie, zuletzt die Corona-Ausbrüche in Gütersloh, lassen immer mehr Menschen am eigenen Fleischkonsum zweifeln. Wie Sie herausfinden, wo Ihr Fleisch herkommt und wie Sie gute Qualität erkennen, lesen Sie hier.

Hühner

Die erst kürzlich aufgetretenen Skandale in der Fleischindustrie um die Befälle mit Listerien und Coronaviren lassen immer mehr Menschen an ihrem Fleischkonsum zweifeln. Weg vom Billigfleisch aus dem Discounter, hin zum Bio-Fleisch – so lautet bei immer mehr Menschen das Ziel. Doch wie erkennt man wirklich gute Qualität?

Herkunft von Fleisch herausfinden mithilfe der Datenbank

Auf der Fleischverpackung gibt das ovale Identitätskennzeichen einen ersten Hinweis auf die Herkunft des Fleisches. Darauf ist zu erkennen, in welchem EU-Staat, z. B. Deutschland und in welchem Bundesland das Fleisch zuletzt bearbeitet und verpackt wurde. Mithilfe der fünfstelligen Zulassungsnummer lässt sich der Betrieb über eine Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ermitteln. Sollte keine fünfstellige Nummer auf der Verpackung sein, können Verbraucher in der Datenbank auch den Firmennamen eingeben und sich die zugehörige Betriebsnummer anzeigen lassen. Bei verarbeiteten Lebensmitteln und Fertigprodukten ist die Herkunft jedoch nicht mehr nachvollziehbar.

Fair, ökologisch und Tierwohl: So erkennen Sie Fleischqualität

In Deutschland gibt es zahlreiche Bio-Siegel, die zwar alle einen positiven Eindruck erwecken, aber noch lange nicht der Bio-Standardverordnung entsprechen müssen. Wir haben für Sie die Siegel, denen Sie vertrauen können und zusätzliche Tipps für den Kauf von Fleisch.

  • Bio-Fleisch von Siegeln mit hohen Ökostandards
    Zu den Bio-Siegeln mit den höchsten Ökostandards gehören demeter, ECOLAND, Naturland, Biopark, Bioland, Gäa e.V. und biokreis. Diese Siegel sind noch strenger als die EU-Biosiegel. Laut der Richtlininen z. B. von Demeter müssen die Tiere Auslauf und/oder einen Zugang zur Weide haben. Tiertransporte und die Schlachtung müssen stressfrei für die Tiere ablaufen. Verboten sind Zähnekneifen, Zähneschleifen, Nasenringe, Nasenkrampen, Schäbel stutzen und touchieren, Kastration ohne Betäubung und/oder Schmerzmittel, Kuhtrainer, sowie Enthornung bei Rindern. Auch darf die Biohaltung nicht mit konventioneller kombiniert werden. Ebenso erhalten die Tiere Futter, welches zu einem hohen Teil aus eigener Bio-Produktion stammt.
     
  • Bio-Fleisch-Siegel mit Mindeststandards
    Das mit am bekanntesten Siegel ist ein Blatt aus weißen Sternen auf einem hellgrünen Hintergrund. Es steht für die EU-Bioverordnung und ist beim Fleischeinkauf das Minimum, auf welches Sie achten sollten. Wenn Sie zu Fleisch mit diesem Siegel greifen, können Sie sicher sein, dass ökologische Mindeststandards eingehalten werden. Die Tiere haben in den Ställen mehr Platz, bekommen Auslauf, werden nicht präventiv mit Medikamenten oder Antibiotika behandelt und auch das Futter muss Qualitätskriterien genügen. Gentechnik ist verboten. Zwar steckt hinter dem Siegel deutlich mehr Tierwohl, jedoch bedeutet es auch, dass Bauern auf ihren Höfen auch konventionelle Tierhaltung betreiben dürfen.

Bio-Fleisch kaufen: Wo gibt es gute Qualität?

Wer nicht nur Wert auf gute Fleischqualität und Tierwohl legt, sondern auch nachhaltig kaufen möchte, sollte auf Fleisch aus der Region setzen. Fragen Sie z. B. in einer Metzgerei, auf dem Wochenmarkt, in Bioläden und Biosupermärkten nach Fleisch aus regionaler Erzeugung. Lokale Biometzgereien finden Sie auch bei Google unter Begriffen wie Biometzgerei <Wohnortname>
Sind Sie für Ausflüge zu Biohöfen nicht mobil, können Sie auch bei Meine Kleine Farm vorbeischauen. Dort gibt es die Möglichkeit, das Tier vor der Schlachtung bereits zu kennen bzw. zu sehen, um die Wertschätzung für dieses Lebensmittel zu erhöhen. Neben Fleisch können Sie dort auch verschiedene Käsesorten bestellen. 

Fleisch mit Bio-Siegeln direkt finden:

Welches Fleisch sollte ich besser meiden?

Abgepacktes Fleisch aus dem Supermarkt oder Discounter ist weniger empfehlenswert als Bio-Fleisch, da die konventionelle Herstellung ökologisch und ethisch fragwürdig ist. 

Fleisch vom Discounter
Bauern, Lieferanten und Tierzüchter arbeiten immer unter einem extremen Druck, ihre Ware im Niedrigpreissegment anbieten zu können. Dabei wird beim Tierwohl, den Lebensumständen der Tiere, der ordnungsgemäßen Verarbeitung und sogar bei den Arbeitsbedingungen in der Schlachtung gespart. Viele Tiere leben zudem oftmals auf kleinstem Lebensraum, bekommen kaum Tageslicht zu sehen oder gar Auslauf im Grünen. Zahlreiche Reportagen, z. B. der SOKO Tierschutz, legten bisher offen, wie grausam und würdelos mit den Tieren während der Zucht und vor der Schlachtung umgegangen wird. Um qualvolle Tierzucht nicht zu unterstützen, sollten Sie Fleisch im Discounter liegen lassen.
 
Welche Siegel nichts über Tierwohl und Qualität aussagen
  1. "Haltungsform"
    Seit 2019 gibt es das Label bei Edeka, Aldi, Netto, Penny, Rewe, Lidl, Wasgau und Kaufland. Es unterscheidet sich in vier Haltungsformen, wobei nur die vierte und damit höchste dem EU-Bio-Siegel entspricht. "Haltungsform 1" (Stallhaltung) dagegen entspricht lediglich dem gesetzlichen Mindeststandard, bei dem Schweine mit einem Gewicht von 110 kg gerade einmal 0,75 Quadratmeter Platz haben. Das Kupieren, also das Beschneiden von Ferkelschwänzen, ist ebenfalls erlaubt. Bei der zweiten Haltungsform "Stallhaltung Plus" haben die Tiere nur zehn Prozent mehr Platz, bekommen gerade einmal ein Stück Holz oder eine Kordel zum Kauen und Spielen. Bei der dritten Haltungsform "Außenklima" gibt es einen Bereich außerhalb des Stalls. Für Puten und Hühner bedeutet das aber immer noch keine Sitzstangen, Sandbäder oder Strohballen.
     
  2. "Unter Schutzatmosphäre verpackt"
    Dieser Slogan klingt harmlos, bedeutet aber, dass ein Gasgemisch beim Verpacken in die Verpackung gepumpt wurde, damit das Fleisch länger seine Farbe behält und frisch aussieht. Allerdings sagt es nichts über die Keimbelastung aus.
     
  3. "DLG prämiert"
    Die Aufschrift "DLG Goldener Preis" oder "DLG prämiert" mit einem goldenen Logo gibt nur Auskunft, dass das Produkt alle Testkriterien wie Konsistenz, Geruch, Geschmack und die einfache Öffnung der Verpackung fehlerfrei erfüllt. Es bezieht sich jedoch nicht auf die Produktions- und Transportbedingungen.

Datum: 30.06.2020

Autor: Christina Liersch