Darum sind Cheat Days so gefährlich

Gesund abnehmen: Darum sind Cheat Days so gefährlich

Wer sich strikt an seine Diät hält und fleißig im Fitnessstudio schwitzt, kann sich doch wohl ruhig mal etwas gönnen, oder nicht? Beim Cheat Day geht es genau darum. Sechs Tage die Woche diszipliniert Sport treiben und ausgewogen ernähren, um dann an einem Tag alle Regeln und Vorschriften über Bord zu werfen. Wie gesund dieses Essverhalten ist und was unsere Ernährungsexpertin dazu sagt, erfahren Sie hier.

Was steckt hinter der Idee des Cheat Day?

Wer mit Diäten abnehmen möchte, kann nur im Kaloriendefizit Erfolg haben. Stehen dem Körper weniger durch die Ernährung aufgenommene Kalorien zur Verfügung als er im Laufe des Tages benötigt, müssen zwangsläufig Kalorien aus Energiereserven gewonnen werden. Solche Reserven stehen unserem Körper in Form von Fett bereit. Doch solche ständigen und andauernden Kaloriendefizite sind für unseren Körper und den Stoffwechsel alles andere als ideal. Wir haben mit Ernährungs-, Gesundheits- und Emotionscoach Natascha Wilms gesprochen. Die Expertin sagt:

97 % der kalorienreduzierten Diäten scheitern langfristig, was eindeutig beweist, dass diese Methoden sowieso nicht nachhaltig funktionieren und schlimmer noch – sie machen uns körperlich und psychisch krank. Sie stellen schließlich bewusst herbeigeführte Hungersnöte dar und entziehen dem Körper wichtige Nährstoffe. Der Körper reduziert die Stoffwechselleistung, die Zellen verbrauchen nicht mehr so viel Energie und sobald die Diät vorbei ist, holt sich der Körper über Heißhunger alles wieder zurück, was ihm verweht wurde. Die Diätspirale ist ein großes Problem bei der Entstehung von emotionalem Essen und Essstörungen generell.

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Natascha Wilms

Natascha Wilms ist Ernährungs-, Gesundheits- und Emotionscoach. In den letzten Jahren hat sie Hunderte Frauen dabei unterstützt, auf eine ganzheitliche Weise ein gesundes Verhältnis zur Ernährung und ihrem Körper aufzubauen. Die Coachin berät Frauen, die an emotionalem Essen leiden und in der Diätspirale stecken und arbeitet somit präventiv daran, dass weniger Essstörungen wie Binge Eating oder Bulimie entstehen. Mehr Informationen zum Coaching und bei Fragen rund um belastendes Essverhalten, Sport- und Diätspirale finden Sie unter https://natascha-wilms.com/.

Im Video: So gefährlich sind Cheat Days wirklich

 

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Diättreibende und fitnessbegeisterte Menschen, die sich eisern an Ernährungspläne halten und fleißig beim Sport schwitzen, nutzen mitunter ein Schlupfloch, um mit dem entbehrungsreichen Lebensstil besser umgehen zu können. Dieses Schlupfloch ist der „Cheat Day“. Der „Schummeltag“ nämlich ist die Ausnahme von der Regel. Wer sich an sechs Tagen der Woche strikt nach Diätplan ernährt und viel Sport treibt, gönnt sich am Cheat Day alles, wonach das Herz begehrt. Dann sind Pizza, Pasta und Co. erlaubt. Solche Cheat Days sind quasi ein Ventil, um übermäßigen Diätdruck abzulassen. Aber so toll die Idee des Schummeltags auch klingt: Wie gesund ist das cheaten eigentlich?

Sind Cheat Days ungesund? Das sagt die Expertin

Und hier nun die schlechte Nachricht: Cheat Days sind alles andere als gesund. Viele Menschen schlagen bei den Cheat Days sogar völlig über die Stränge und vertilgen so viele Fast-Food-Kalorien, dass die Trainings- oder Diäterfolge der letzten Tage und Wochen zunichtegemacht werden. Tatsächlich können uns Cheat Days sogar krank machen. Die Ernährungsexpertin Natascha Wilms sagt:

Cheat days sind oft ein Einstieg in emotionales Essen und sogar Binge Eating und Bulimie. Sie konditionieren uns darauf, dass bestimmte Lebensmittel eine Belohnung für gutes Verhalten am Rest der Tage sind. Unser Unterbewusstsein merkt sich das und ganz schnell passiert es dann, dass wir auch an anderen Tagen die „verbotenen“ Lebensmittel naschen, wenn wir mal schnell ein gutes Gefühl brauchen.

Auch in der Wissenschaft werden Cheat Days mittlerweile genauer unter die Lupe genommen. In einer Studie von 2018 etwa gingen Forschende der Frage nach, ob Schummeltage unbedenklich seien oder nicht gar eine Form des Binge Eatings darstellen würden. Sie stellten fest, dass ein Großteil der Studienteilnehmenden regelmäßige oder spontane Cheat Meals – also Schummelmahlzeiten – zu sich nahmen. Die Forschenden fanden, dass das beobachtete Essverhalten der Teilnehmenden gestörte Essverhalten reflektieren würde.

An diesen Anzeichen erkennen Sie Binge Eating

Binge Eating ist die häufigste Essstörung in Deutschland und macht sich vor allem durch diese charakteristischen Anzeichen bemerkbar:

  • Kontrollverlust beim Essen führt zum Verschlingen großer Mengen in kurzer Zeit
  • Lebensmittel werden schnell und auch ohne Hungergefühl verschlungen
  • Essen dient zum emotionalen Ausgleich
  • Betroffene üben ihre Essanfälle oft heimlich aus
  • Scham und Depression nach Essanfällen

Wie geht gesundes Abnehmen ohne Cheat Days?

Die Gefahr bei Cheat Days ist also, dass sie ungesunde und gestörte Essverhalten fördern können. Geplante Schummeltage sollten daher gar nicht erst in die Ernährung integriert werden. Stattdessen sollte eine ausgewogene und gesunde Ernährung befolgt werden. Wer sich ausgewogen ernährt, liefert dem eigenen Körper alle Nährstoffe, die er benötigt. Damit ist eine besser sportliche Leistungsfähigkeit möglich – und wer regelmäßig Sport treibt, kann bei gesunder Ernährung sogar ins Kaloriendefizit geraten, ohne hungern zu müssen. Klar: Abnehmerfolge brauchen auf diese natürliche Weise längere Zeit, dafür sind die Ergebnisse dann in der Regel aber auch nachhaltig.

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