Abnehm-Trend 2022: So funktioniert die Gen-Diät

Abnehm-Trend 2022: So funktioniert die Gen-Diät

Gesunde Ernährung auf Grundlage der Informationen aus unseren Genen, daran forscht die Nutrigenetik. Doch können kommerzielle Gen-Analysen uns wirklich verraten, wie der perfekte, genetisch maßgeschneiderte Ernährungsplan für uns aussieht?

Was bedeutet Nutrigenetik?

Gene sind gewissermaßen die Bauanleitungen und Gebrauchsanweisungen für unseren Organismus. Wie bestimmte Prozesse in unserem Körper ablaufen, wie groß wir werden, unsere Augenfarbe und auch Anfälligkeiten für die Entstehung bestimmter Erkrankungen werden von unseren Genen bestimmt. Unsere Gene machen uns zu den Menschen, die wir sind. Dabei sind aber 99,7 Prozent der Gene aller Menschen komplett identisch. Wir unterscheiden uns nur in 0,3 Prozent unserer Gene voneinander. Doch diese 0,3 Prozent haben einen offensichtlich riesigen Einfluss darauf, wie wir aussehen und wie unsere Körper funktionieren. Einige Menschen vertragen kein Gluten oder können Laktose nicht verdauen. Andere Menschen haben einen enorm schnellen Stoffwechsel und können essen, ohne viel Fettreserven anzusetzen. Der Grund für solche individuellen Besonderheiten liegt in den kleinsten Variationen unserer Gene.

Hier setzt die Nutrigenetik an. Die Nutrigenetik ist ein Wissenschaftszweig der Ernährungsforschung. Forschende der Nutrigenetik untersuchen Zusammenhänge zwischen der Ernährung und der menschlichen Genetik. Und dabei wurden in den letzten Jahren schon spannende Entdeckungen gemacht. Forschende identifizierten etwa das FTO-Gen, das mit der Entstehung von Übergewicht zusammenzuhängen scheint. Das Gen bestimmt, in welchem Umfang Fettzellen Fette verbrennen oder speichern. Auch die bekannte Laktoseintoleranz ist auf ein bestimmtes Gen zurückzuführen. Bei laktoseintoleranten Menschen ist das Gen inaktiv, das für die Steuerung des laktoseabbauenden Enzyms Lactase verantwortlich ist.

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Auf Grundlage solcher wissenschaftlichen Erkenntnisse hat sich rund um die Nutrigenetik eine Art Ernährungs-Trend entwickelt. Es gibt mittlerweile eine Reihe von Lifestyle-Unternehmen, die Auswertungen von Gen-Tests anbieten, um Kunden und Kundinnen personalisierte Ernährungsempfehlungen auf Grundlage der eigenen Gene bereitzustellen.

Im Video: Nutrigenetik im Selbsttest – So funktioniert die Gen-Diät

Wie funktioniert die personalisierte Gen-Diät?

Die Idee klingt verlockend: ein maßgeschneiderter Ernährungsplan auf Grundlage einer DNA-Analyse. Abnehmen und gesund leben mithilfe der Informationen aus dem eigenen Genom. Anbieter solcher Gen-Diäten und nutrigenetischer Analysen verkaufen Interessenten Test-Kits, mit denen diese eine Speichelprobe entnehmen. Die Speichelprobe wird dann an den Gen-Test-Anbieter versendet, der die Probe in einem Labor untersuchen lässt. Dabei werden in den meisten Fällen tatsächlich Gene sequenziert. Die Kunden und Kundinnen erhalten nach wenigen Tagen oder Wochen dann das Ergebnis der Gen-Analyse und erfahren etwa, was ihre Gene angeblich über ihren Stoffwechseltypen verraten, welche sportlichen Aktivitäten Erfolg versprechen oder welche Kalorienmenge optimal ist. Nur: Die Wissenschaft ist noch weit davon entfernt, tatsächliche Kausalitäten zwischen bestimmten Genen und der Nahrungsverwertung zu benennen. Zwar sind Zusammenhänge zwischen Genen und bestimmten ernährungsbedingten Erkrankungen bekannt, für die Erstellung personalisierter Ernährungspläne reicht dies aber noch nicht aus.

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Gen-Diät nach Meta-Typen

Einige Anbieter von DNA- und Stoffwechselanalysen per Selbsttest teilen sogenannte Meta-Typen ein. Die Idee: Eine kurze Gen-Analyse lässt Rückschlüsse auf den jeweiligen Stoffwechseltypen zu. Je nach Art des Stoffwechsels empfehlen sich verschiedene Ernährungsformen, um Gewicht zu verlieren oder ein gesundes Normalgewicht zu halten. Häufige Meta-Typen bei solchen Stoffwechselauswertungen sind:

  • Meta-Typ Alpha: können Proteine gut verarbeiten und sollten Kohlenhydrate meiden
  • Meta-Typ Beta: können eiweißreiche und fette Lebensmittel gut verarbeiten, sollten aber Kohlenhydrate möglichst meiden
  • Meta-Typ Gamma: Proteine und Fette sollten vermieden werden, dafür können Kohlenhydrate gut verarbeitet werden
  • Meta-Typ Delta: Kohlenhydrate und Fette können gut verstoffwechselt werden, Proteine allerdings nicht.

Nutrigenetik: Lifestyle-Produkten nicht blind vertrauen

Der Ansatz der Nutrigenetik ist durchaus nachvollziehbar. Unsere Gene geben die Baupläne unseres Körpers und Funktionsweisen aller Stoffwechselprozesse vor, die unser Organismus durchführt. Wie wir auf Lebensmittel reagieren, ob wir zu Allergien neigen oder anfällig für die Entstehung bestimmter Erkrankungen sind, hängt von den individuellen Variationen unserer Gene ab. Daher ist es nur naheliegend zu erforschen, in welchem Maße unsere Gene Einfluss darauf haben, wie Nährstoffe in unserem Körper verarbeitet und umgewandelt werden.

Und so groß der Wunsch vieler Menschen nach personalisierter Ernährungsberatung auf Grundlage von Gen-Analysen ist, noch ist die wissenschaftliche Grundlage nicht gegeben, um belastbare Aussagen bezüglich der Wechselwirkung zwischen Genen und Ernährung machen zu können. Viele frei erhältliche Test-Kits zur individuellen Gen-Analyse sind reine Lifestyle-Produkte. Noch ist es nicht möglich, konkrete Gen-Rückschlüsse auf personalisierte Ernährungsempfehlungen ziehen zu können. Wenn Sie mithilfe der Nutrigenetik abnehmen oder gesünder leben möchten, vertrauen Sie Ergebnissen von Gen-Tests niemals blind. Nehmen Sie die Ergebnisse als Anhaltspunkt, um weitere Informationen über bestimmte Lebensmittel oder Ernährungsweisen einzuholen, aber versteifen Sie sich nicht auf die unwissenschaftlichen Gen-Auswertungen. Die beste Möglichkeit, Gewicht zu verlieren und gesünder zu leben, ist durch eine ausgewogene Ernährung mit frischem Obst und Gemüse und ausreichend körperlicher Aktivität.

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