Welt-Lipödem-Tag: Woran Sie die Erkrankung erkennen

Zum Welt-Lipödem-Tag klären wir auf, woran Sie die Erkrankung erkennen …

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Vier Frauen mit Lipödem© Freepik
Awareness-Tage sollen mehr Sichtbarkeit für das Lipödem schaffen und Vorurteile abbauen.

Der 18. Mai steht im Zeichen des Lipödems: Der Lipödem-Awareness-Tag soll Aufmerksamkeit für eine Erkrankung schaffen, die noch immer viel zu oft missverstanden wird. Schätzungen zufolge leidet etwa jede zehnte Frau in Deutschland an einem Lipödem – viele Betroffene wissen jedoch jahrelang nichts von ihrer Erkrankung. Schmerzen, Druckempfindlichkeit und Gewichtszunahme werden häufig nicht ernst genommen oder vorschnell als "normales Übergewicht" eingeordnet.

Dabei handelt es sich beim Lipödem um eine chronische Fettverteilungsstörung, die sowohl körperlich als auch psychisch stark belasten kann. Der gesamte Juni gilt zudem als "Lipödem Awareness Monat" und soll zusätzlich über die Erkrankung aufklären.

Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung des Fettgewebes, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Typisch ist eine symmetrische Fettvermehrung vor allem an Beinen, Hüften oder Armen. Die betroffenen Körperregionen reagieren oft empfindlich auf Druck oder Berührungen, zudem treten Schmerzen, Spannungsgefühle und schnelle Blutergüsse auf.

Viele Frauen bemerken zunächst lediglich, dass bestimmte Körperbereiche trotz Sport und gesunder Ernährung nicht schlanker werden. Genau das führt häufig dazu, dass Beschwerden lange fehlinterpretiert werden.

Die Diagnose sollte immer durch eine erfahrene Ärztin oder einen erfahrenen Arzt gestellt werden. Geeignete Ansprechpartner:innen sind Fachärzt:innen für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Dermatologie oder Gefäßchirurgie. Auch Mediziner:innen mit Zusatzbezeichnungen wie Angiologie, Phlebologie oder Lymphologie verfügen über entsprechende Expertise. Entscheidend ist dabei weniger die Fachrichtung als vielmehr die Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung des Lipödems.

Woran erkennt man den Unterschied zu "normaler" Gewichtszunahme?

"Die Diagnose wird klinisch, also durch eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung durch einen Experten, gestellt. Bei Verdacht ist es ratsam, sich ärztlichen Rat zu holen, da eine frühzeitige Einordnung für den weiteren Verlauf sehr wichtig sein kann", sagt Dr. Christian Schmitz. Er verweist auf die bestehende deutschsprachige Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Lipödems.

Typische Hinweise, die eher für ein Lipödem als für eine gewöhnliche Gewichtszunahme sprechen, sind laut Dr. Schmitz:

  • Eine symmetrische Fettvermehrung vor allem an den Beinen (häufig Oberschenkel und Unterschenkel) und/oder den Armen.

  • Eine deutliche Druck- und Berührungsempfindlichkeit der betroffenen Areale.

  • Ein Schwere- und Spannungsgefühl, das im Tagesverlauf zunimmt 

  • eine erhöhte Neigung zu Hämatomen (blaue Flecken), ohne erkennbares Trauma.

  • Kaum oder kein Ansprechen der betroffenen Regionen auf Diät oder Sport, während andere Körperbereiche durchaus Gewicht verlieren.

Neben geeigneten Ansprechpartnern, wie Fachärzt:innen für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Dermatologie oder Gefäßchirurgie, verfügen auch Ärztinnen und Ärzte mit den Zusatzbezeichnungen Angiologie, Phlebologie oder Lymphologie über die entsprechende Expertise.

Mehr Aufklärung – aber noch viele Vorurteile

In den vergangenen Jahren hat sich in Sachen Aufklärung bereits viel getan. Besonders auf Social Media sprechen immer mehr Frauen offen über ihre Diagnose, ihren Leidensweg und ihre Behandlung. Informationen rund um das Lipödem sind heute deutlich leichter zugänglich als noch vor einigen Jahren. Dennoch kämpfen viele Betroffene weiterhin mit Vorurteilen und stereotypen Aussagen.

Laura Bernunzo, Lipödem-Betroffene und heute Lipödem-Coach, kennt diese Reaktionen nur zu gut: "'Iss mal weniger', 'Mach doch einfach mehr Sport' oder 'Du bist doch dünn, du hast kein Lipödem' – solche Aussagen hören Betroffene leider häufig. Lipödem bringt für viele Frauen eine enorme psychologische Belastung mit sich. Man leidet unter Schmerzen, ist oft unzufrieden mit dem eigenen Erscheinungsbild und nimmt trotz Sport und Diäten an den betroffenen Stellen nicht ab. Zusätzlicher Druck und verletzende Kommentare von außen machen die Situation noch schwerer."

Gerade deshalb sind Awareness-Tage wie der Welt-Lipödem-Tag so wichtig: Sie schaffen Sichtbarkeit für eine Erkrankung, die noch immer unterschätzt wird – und geben Betroffenen das Gefühl, mit ihren Beschwerden nicht allein zu sein.