Sommermüdigkeit: Warum wir jetzt oft schlapp sind – und was hilft

Watteartige Trägheit, kein Antrieb, ständige Erschöpfung: Was im Körper bei Hitze wirklich passiert und wie Sie wieder zu Energie kommen.

Erschöpfte Frau mittleren Alters sitzt auf sonniger Terrasse mit Getränk, intensive Sommerhitze und wirkt sehr müde/gähntKI-generiert

Kaum steigen die Temperaturen über 28 Grad, fühlt sich jeder Schritt plötzlich schwerer an. Die Gedanken kommen langsamer, die Beine wiegen doppelt so viel, und selbst der Kaffee am Morgen bringt keine echte Wachheit mehr. Wer jetzt denkt, das sei reine Einbildung, liegt falsch: Der Körper leistet bei Hitze tatsächlich Schwerstarbeit, auch wenn man nur auf dem Balkon sitzt.

Was im Körper wirklich passiert, wenn das Thermometer klettert

Bei hohen Temperaturen schaltet der Körper in einen Notfallmodus, den viele unterschätzen. Die Blutgefäße der Haut weiten sich, damit überschüssige Wärme nach außen abgegeben werden kann. Das klingt praktisch, hat aber einen Preis: Der Blutdruck sinkt, und innere Organe bekommen weniger Blut, Sauerstoff und Nährstoffe ab. Genau das erklärt, warum sich Erschöpfung und Müdigkeit an heißen Tagen wie von selbst einstellen.

Gleichzeitig muss das Herz kräftiger pumpen, um genügend Blut zur Haut zu transportieren, wo die Kühlung stattfindet. Wer dann noch schwitzt und zu wenig trinkt, bringt ein zweites Problem ins Spiel: Dehydrierung. Sie stört nicht nur die Temperaturregulation, sondern auch den Nährstofftransport und die Energieproduktion in den Zellen. Schon ein Flüssigkeitsverlust von 2 bis 3 Prozent des Körpergewichts kann die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit deutlich senken.

Besonders ältere Menschen trifft das hart. Mit den Jahren lassen Durstgefühl, Schwitzfähigkeit und Hautdurchblutung nach, wodurch Hitze intensiver als Belastung erlebt wird.

Trinken mit System statt wahllos Wasser nachschütten

Die Empfehlung für Erwachsene liegt bei 1,5 bis 2 Litern Flüssigkeit täglich, an richtig heißen Tagen darf es deutlich mehr sein. Wichtiger als die reine Menge ist aber die Verteilung über den Tag. Kleine Schlucke alle 20 bis 30 Minuten wirken zuverlässiger als zwei Liter am Stück am Abend.

Wer Saftschorlen mag, sollte auf ein Mischverhältnis von einem Teil Saft zu drei Teilen Wasser achten. Das liefert Elektrolyte und Geschmack, ohne den Blutzucker unnötig zu belasten. Eiskalte Getränke fühlen sich im ersten Moment erfrischend an, zwingen den Körper aber zu zusätzlicher Wärmeproduktion, um die Temperaturdifferenz auszugleichen. Lauwarme oder kühle, nicht eiskalte Getränke sind deshalb die bessere Wahl.

Essen, das den Körper von innen kühlt

Wasserreiche Lebensmittel sind im Sommer ein echter Energielieferant. Gurken, Tomaten, Wassermelone, Beeren und Zitrusfrüchte bringen zusätzliche Flüssigkeit direkt über die Nahrung in den Körper und unterstützen so den Flüssigkeitshaushalt, ohne dass man ständig ans Trinken denken muss.

Schwere, fettreiche Mahlzeiten dagegen kosten viel Verdauungsenergie, die der Körper an heißen Tagen lieber für die Temperaturregulation nutzen würde. Leichte Gerichte mit viel Gemüse, kalte Suppen wie Gazpacho oder Salate mit Hülsenfrüchten liegen deutlich leichter im Magen und liefern trotzdem genug Energie für den Tag.

Aktiv bleiben, ohne den Kreislauf zu überfordern

Der Gedanke, sich bei Hitze am besten gar nicht zu bewegen, ist nachvollziehbar, aber nicht ideal. Komplette Bewegungslosigkeit lässt den Kreislauf noch träger werden. Besser sind kurze, sanfte Aktiv-Pausen: ein bis zwei Minuten Seilspringen ohne Seil, Wadenheben auf der Stelle oder ruhige Bauchatmung bringen den Kreislauf in Schwung, ohne den Körper zusätzlich zu belasten.

Sport im Freien gehört in die frühen Morgenstunden oder den späten Abend, wenn die Temperaturen erträglicher sind. Mittags zwischen 12 und 16 Uhr sollte körperliche Anstrengung im Schatten oder ganz drinnen stattfinden.

Nachts richtig kühlen für erholsamen Schlaf

Schlechter Schlaf ist einer der Hauptgründe, warum Sommermüdigkeit sich über Wochen hinzieht. Die empfohlene Raumtemperatur für erholsamen Schlaf liegt zwischen 18 und 22 Grad, im Hochsommer oft eine Wunschvorstellung. Ein einfacher Trick hilft trotzdem: Fenster früh am Morgen öffnen, um kühle Luft einzulassen, danach Rollläden oder Vorhänge schließen, bevor die Sonne aufs Haus trifft. So bleibt die Wärme draußen, statt sich im Schlafzimmer zu stauen.

Leichte Bettwäsche aus Naturfasern, ein kühles Fußbad vor dem Schlafengehen und der Verzicht auf schwere Mahlzeiten am Abend unterstützen zusätzlich einen ruhigeren Schlaf. Wer trotzdem nachts wach liegt, sollte auf klimatisierte Räume oder Ventilatoren nicht aus Prinzip verzichten, sondern als sinnvolle Unterstützung betrachten.

Was jetzt konkret zu tun ist

Sommermüdigkeit verschwindet nicht über Nacht, lässt sich aber mit wenigen Routinen deutlich abmildern. Der wichtigste Hebel ist die Flüssigkeitszufuhr: regelmäßig trinken, bevor der Durst sich meldet. Der zweite Hebel ist die Tagesplanung: anstrengende Aufgaben und Sport in die kühleren Stunden legen, Mittagshitze für Pausen nutzen. Wer dazu noch auf leichte, wasserreiche Kost achtet und dem Schlafzimmer nachts eine Chance zum Abkühlen gibt, hat die wichtigsten Stellschrauben bereits bedient.

Wichtig: Wer neben der üblichen Sommermüdigkeit Symptome wie starken Schwindel, Verwirrtheit, sehr hohe Körpertemperatur oder ausbleibendes Schwitzen bemerkt, sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das können Anzeichen eines Hitzschlags sein. In diesem Fall gilt: sofort in den Schatten, kühlen und den Notruf wählen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung oder Behandlung.

Häufige Fragen

Warum macht Hitze so müde, obwohl man sich kaum bewegt?

Bei Hitze weiten sich die Blutgefäße der Haut, der Blutdruck sinkt und innere Organe erhalten weniger Blut, Sauerstoff und Nährstoffe. Gleichzeitig muss das Herz stärker pumpen, um Blut zur Kühlung an die Haut zu leiten. Dieser innere Mehraufwand kostet Energie, auch wenn man äußerlich ruhig sitzt.

Wie viel sollte man an heißen Tagen trinken?

Erwachsene sollten grundsätzlich 1,5 bis 2 Liter täglich trinken, an besonders heißen Tagen deutlich mehr. Wichtiger als die Gesamtmenge ist eine gleichmäßige Verteilung über den Tag in kleinen Schlucken. Saftschorlen im Verhältnis 1 Teil Saft zu 3 Teilen Wasser eignen sich gut als Durstlöscher.

Was hilft gegen schlechten Schlaf im Sommer?

Die ideale Schlafzimmertemperatur liegt zwischen 18 und 22 Grad. Fenster sollten früh morgens geöffnet und danach mit Rollläden oder Vorhängen geschlossen werden, um die Tageshitze draußen zu halten. Leichte Bettwäsche und ein kühles Fußbad vor dem Schlafengehen unterstützen zusätzlich einen erholsamen Schlaf.
Quellen
  1. Reaktionen des Körpers auf Hitze (gesund-aktiv-aelter-werden.de)
  2. Hitze: Warum hohe Temperaturen ein Risiko für die Gesundheit sind (ndr.de)
  3. Warum fühlen Sie sich bei heißem Wetter müde? (theportugalnews.com)
  4. Gesundheit und Hitze (gesundheitsamt-bw.de)
  5. Essen und Trinken bei Hitze – gut versorgt an heißen Tagen (lern-bw.de)
  6. Richtige Ernährung bei Hitze: So sorgen Sie für Abkühlung (aok.de)
  7. Was trinken bei Hitze? Die besten Getränke und Tipps (dak.de)
  8. Schlafen bei Hitze (gesundheitswelt.allianz.de)
  9. Hohe Temperaturen: Wie Sie besser schlafen bei Hitze (aok.de)
  10. Schlafen bei Hitze: Tipps für eine erholsame Nachtruhe (doctorbox.de)
  11. Schlaf und Hitze. Wie man bei hohen Temperaturen gut schläft(marnys.com)
  12. Übungen für müde Menschen können überraschenderweise Energie hinzufügen (ferwer.de)
  13. 5-Minuten-Fitness: Leichte Fitness-Übungen bei Hitze (swr.de)
  14. Fitness: Übungen für zu Hause und im Alltag (ndr.de)
  15. Sommermüdigkeit, Kreislauf & Leistungsfähigkeit im Sommer (bessergesund.de)
  16. Im Alter gesund durch die Sommerhitze (klima-mensch-gesundheit.de)
  17. Hitzeerschöpfung erkennen:(www.dak.de)