Vorerkrankungen, Lebenswandel und Co.: So wirkt sich die Gesundheit auf den Versicherungsschutz aus

Vorerkrankungen und ein Lebenswandel, der gesundheitliche Risiken birgt, können sich negativ auf den Schutz durch gesundheitsrelevante Versicherungen auswirken. Das müssen Versicherte wissen.

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Eine hervorragende Gesundheitsversorgung gehört in Deutschland zum Alltag. Das deutsche Gesundheitssystem gehört zu den besten der Welt und kümmert sich mit vielfältigen Leistungen um das körperliche und seelische Wohlbefinden der Gesellschaft. Eine Säule unseres Gesundheitssystems ist Versicherungspflicht, die alle Bürgerinnen und Bürger dazu verpflichtet, eine Krankenversicherung über einen gesetzlichen oder privaten Anbieter abzuschließen. Hinzu kommen ergänzende Gesundheitsangebote wie ein privater Versicherungsschutz über Zusatzversicherungen oder präventive Maßnahmen zur gesundheitlichen Aufklärung und Vorsorge.

Eng verknüpft mit einer umfangreichen Gesundheitsversorgung sind die sogenannten Gesundheitsfragen. Sie umfassen einen Katalog an Fragen, die den allgemeinen körperlichen und seelischen Gesundheitszustand analysieren, chronische Erkrankungen erfassen und den individuellen Lebenswandel im Hinblick auf potenzielle Gesundheitsrisiken berücksichtigen. Während gesetzliche Krankenversicherungen verpflichtet sind, Menschen auch mit erheblichen gesundheitlichen Risiken in Form von Vorerkrankungen oder ungesunden Lebensgewohnheiten aufzunehmen, können private Versicherer eigene Bedingungen an den angebotenen Versicherungsschutz knüpfen. Wer sich privat krankenversichern möchte, muss also nicht nur wirtschaftliche Hürden meistern, sondern auch im Hinblick auf die Gesundheitsfragen zu den Anforderungen eines Versicherers passen.

Wichtig werden Vorerkrankungen und der persönliche Lebenswandel aber nicht nur bei einem potenziellen Wechsel in eine private Krankenversicherung, sondern beispielsweise auch für Menschen, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchten. Die Antragstellung ist in der Regel an Gesundheitsfragen geknüpft, mit denen Versicherungsunternehmen das Risiko ermitteln möchten, mit dem eine Berufsunfähigkeit eintreten kann. Abhängig von der Risikoermittlung ist nicht nur die Annahme des Versicherungsantrages, sondern auch die Höhe des Beitrages, die sich an verschiedenen Risikogruppen bemisst.

Doch welche Vorerkrankungen sind für eine Gesundheitsprüfung relevant? Wir wirken sie sich auf den Versicherungsschutz aus und wie kann der individuelle Lebenswandel die Versorgung im Rahmen des deutschen Gesundheitssystems beeinflussen?

Chronische Vorerkrankungen in den Gesundheitsfragen

Chronische Vorerkrankungen können Einfluss auf den Versicherungsschutz haben, weil sie sich auf die erforderliche medizinische Versorgung und das Risiko eines sich verschlechternden Gesundheitszustandes auswirken können.

Bei der Analyse chronische Vorerkrankungen für die Ermittlung des Versicherungsrisikos findet nicht nur die Art der Erkrankung Berücksichtigung, sondern auch der Schweregrad, der zum Zeitpunkt des Versicherungsbeginns ausgeprägt ist. Chronische Krankheitsbilder wie Asthma, Migräne, Allergien, Übergewicht bis hin zu Adipositas in geringem Grad und eine Veranlagung zu Entzündungen bleiben in leichter Ausprägung meist unberücksichtigt. Sind potenzielle Versicherungsnehmer stärker betroffen, können diese chronischen Vorerkrankungen sich negativ auf die Antragstellung oder auf die Höhe des Versicherungsbetrages auswirken.

Andere chronische Vorerkrankungen legen die Hürden für eine Versicherungsaufnahme höher und sind häufig mit hohen Versicherungsbeiträgen verknüpft.

Dazu gehören Erkrankungen wie:

  • Schilddrüsenunterfunktion (z. B. Hashimoto)

  • Chronischer Bluthochdruck (Hypertonie)

  • Neurodermitis

  • Lipödem und Lymphödem

  • Venenschwäche, Krampfadern

  • Bandscheibenvorfall

  • BWS-, HWS- oder LWS-Syndrom

  • Skoliose und andere angeborene Fehlstellungen

  • Diabetes Mellitus (Typ 1 und 2)

  • Starke Fehlsichtigkeit (Meist ab 8 Dioptrien)

  • Tinnitus / Hörsturz

  • Gutartige Tumore

  • Ausgeheilte Krebserkrankungen

  • Chronische Zahnerkrankungen

  • Kieferorthopädische Behandlungen

  • Chronische Stoffwechselerkrankungen

  • Schweres Asthma

  • Schwere Allergien, insbesondere Lebensmittelallergien

  • Depressive Erkrankungen und Burnout

Viele schwere chronische Erkrankungen, die den allgemeinen Gesundheitszustand stark beeinträchtigen und gegebenenfalls sogar einen negativen Einfluss auf die Lebenserwartung haben können, sind nicht selten ein Ausschlusskriterium für den Abschluss einer privaten Gesundheitszusatzversicherung.

Zu typischen chronischen Vorerkrankungen, die den Versicherungsschutz schwerwiegend beeinträchtigen können, gehören:

  • Akute Krebserkrankungen

  • HIV

  • Schwere depressive Erkrankungen bis hin zu Suizidgefahr

  • Chronische psychische Störungen (z. B. Schizophrenie)

  • Schwere Epilepsie

  • Abhängigkeiten, insbesondere von Drogen und Alkohol, möglicherweise auch von Nikotin

  • Schwere Fälle von Diabetes Mellitus

  • Schwere Fälle von Morbus Crohn

  • Bösartige Tumorerkrankungen

  • Erlittener Herzinfarkt oder erhöhtes Herzinfarktrisiko

  • Erlittener Schlaganfall oder erhöhtes Schlaganfallrisiko

  • Multiple Sklerose

  • Schwere chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates

  • Chronische Spastik

  • Schwere chronische Erkrankungen des Stoffwechselapparates

Welche chronischen Vorerkrankungen relevant für den Versicherungsschutz sind und in welchem Maße sie für eine Gesundheitsprüfung berücksichtigt werden, hängt von der Art der gewählten medizinischen Versorgung ab sowie von den Richtlinien, die der Versicherer seiner Antragsprüfung zugrunde legt. Je nach Ausprägung der Erkrankung, der allgemeinen gesundheitlichen Vorgeschichte der Patientin oder des Patienten, der Prognose für die Krankheitsentwicklung und den grundsätzlichen Anforderungen der jeweiligen Versicherung kann eine schwere chronische Erkrankung zur Ablehnung des Versicherungsantrages führen, zumindest aber zur Erhöhung des Beitrages, um das Risiko für die Solidargemeinschaft der Versicherungsnehmer auszugleichen.

Die wahrheitsgemäße und ausführliche Beantwortung aller Gesundheitsfragen insbesondere zu chronischen Vorerkrankungen gehört bereits im Rahmen der Antragstellung zu den Pflichten der Versicherungsnehmer und bildet die rechtliche Voraussetzung für dir Wirksamkeit eines Versicherungsvertrages. Werden chronische Vorerkrankungen bei der Gesundheitsprüfung oder meldepflichtige Veränderungen während der Vertragslaufzeit verschwiegen, kann dies schwerwiegende rechtliche Konsequenzen für den Versicherungsnehmer haben, die von einer Erhöhung des Beitrages über die Kürzung von Leistungen bis hin zur Vertragskündigung oder Schadenersatzforderungen vonseiten des Versicherers reichen können.

Der Lebenswandel als Faktor in der Gesundheitsprüfung

Für die Gesundheitsvorsorge sind nicht nur chronische Erkrankungen von Belang. Auch der grundlegende Lebenswandel eines Menschen hat großen Einfluss auf das körperliche und seelische Wohlbefinden, eine gesundheitliche Prognose für die Zukunft und die potenzielle Lebenserwartung. Die meisten Versicherer werfen im Rahmen der Gesundheitsprüfung

deshalb auch einen Blick auf die Gewohnheiten und äußeren Einflüsse, die das Leben einer Antragstellerin oder eines Antragstellers mitgestalten. Wichtig im Hinblick auf einen gesunden Lebenswandel sind speziell Rauchen und der Konsum von Drogen und Alkohol. Zahlreiche empirische medizinische Studien haben bereits belegt, dass entsprechende Gewohnheiten die körperliche und seelische Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen und die Gesundheitsprognose und die Lebenserwartung negativ beeinflussen können.

Auch Übergewicht bis hin zu chronischer Adipositas werden in der Gesundheitsprüfung als Risikofaktoren betrachtet und können je nach Ausprägung und Prognose zu einem erhöhten Versicherungsbeitrag, in gravierenden Fällen mit bereits erkennbaren gesundheitlichen Auswirkungen sogar zur Ablehnung des Versicherungsantrages führen. Eng verknüpft mit dem Aspekt des Übergewichtes, aber auch mit der Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems und des Bewegungsapparates ist der Lebenswandel rund um Bewegung und sportliche Aktivität. Regelmäßige gesunde Bewegung kann einen positiven Einfluss auf eine gesunde Relation zwischen Fettgewebe und Muskelgewebe, auf einen gesunden Bewegungsapparat und ein starkes Herz-Kreislauf-System haben. Zudem trägt ausreichende Bewegung zum Stressabbau bei und kann dabei helfen, das Risiko für seelische Erkrankungen zu minimieren.

Stress und eine hohe Belastung im Alltag gehört ebenfalls zu den Einflussfaktoren, die für eine Gesundheitsprüfung relevant werden können. Menschen in Führungspositionen, Alleinerziehende oder andere Gruppen, die häufig einer hohen Belastung im Alltag ausgesetzt sind, gelten als anfälliger für stressbedingte psychische Erkrankungen, wie Erschöpfungsdepressionen, Burnout oder vergleichbare Beeinträchtigungen.

Wie stark der Lebenswandel und seine potenziellen Auswirkungen auf den allgemeinen Gesundheitszustand in einer Gesundheitsprüfung Berücksichtigung finden, hängt vom Versicherer und der angestrebten Gesundheitsvorsorge ab.