Kreative Hobbys gegen Demenz: Wie Malen verborgene Hirnregionen aktiviert

Fragt man Menschen, was sie sich im Alter am meisten wünschen, dann ist die Antwort in der Regel: Gesundheit. Körperlich und vor allem geistig fit sein, ist unser aller Traum. Eine neue Studie zeigt nun: Bestimmte Hobbys können unser Gehirn tatsächlich verjüngen. Welche das sind und warum Malen besonders überrascht.

Frau malt© Pexels Sedanur Kunuk
Kreative Hobbys wie Malen wirken besonders positiv auf die frontoparietalen Netzwerke des Gehirns aus.

Sport, Lesen, Klavierspielen: Dass Hobbys Körper und Geist guttun, ist längst ein alter Hut und hinreichend belegt. Neu ist, dass einige Hobbys unser Gehirn sogar messbar verjüngen können. Kreative Tätigkeiten wirken wie eine Art Anti-Aging-Mittel auf unsere Schaltzentrale und können die Uhr um bis zu sieben Jahre zurückdrehen.

Das Gehirn von kreativen Menschen ist jünger

Das Gehirn von Menschen, die regelmäßig malen oder zeichnen, ist den neuesten Erkenntnissen zufolge vier bis sechs Jahre jünger im Vergleich zu ihrem Lebensalter. Das zeigten die Untersuchungen eines Forschungsteams um den Neurowissenschaftler Agustín Ibáñez von der Adolfo Ibáñez University in Santiago de Chile. Ähnliche Effekte wiesen die Gehirne von Menschen auf, die regelmäßig über längere Zeiträume Tango tanzten, musizierten oder Strategiespiele spielten.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forschenden das Brain Clocks-Modell, mit dem sich Aussagen über das Alter des Gehirns im Vergleich zum Lebensalter treffen lassen. Hierfür analysierten sie die Gehirnaktivität von mehr als 1.400 Personen, darunter professionelle und erfahrene Tänzer, Musiker, bildende Künstler und Gamer, mittels einer Kombination aus Elektroenzephalografie und Magnetenzephalographie.

Aus den Ergebnissen, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurden, leiteten die Experten ab: Kreative Menschen hatten messbar jüngere Gehirne als die Kontrollpersonen ohne kreative Routine. Mehr zur Hirnforschung finden Sie in unserem Ratgeber.

Verborgene Potenziale: Diese Hirnregionen werden aktiviert

Kreative Hobbys wie Malen wirken besonders positiv auf die frontoparietalen Netzwerke des Gehirns, die für Aufmerksamkeit, Planung, Lernen und kognitive Kontrolle wichtig sind und normalerweise früh altern. Die Maler, Tänzer, Musiker und Gamer zeigten hier eine verbesserte Konnektivität zwischen den Hirnregionen und eine effizientere Informationsverarbeitung.

Diese verstärkte Vernetzung steigert wiederum die Gedächtnisleistung, die Reaktionsgeschwindigkeit und die Entscheidungsfähigkeit. Beschreiben Forscher unser Gehirn, sind sie schnell bei der harten Wahrheit: Es hat eine Konsistenz, die an ein weich gekochtes Ei erinnert. Trotzdem kann dieses Etwas durch kreative Aktivitäten seine Leistungsfähigkeit über Jahrzehnte bewahren.

Besonders bemerkenswert: Beim Malen und Zeichnen werden Hirnregionen aktiviert, die sonst kaum genutzt werden. Die visuelle Verarbeitung, räumliche Orientierung und Feinmotorik arbeiten dabei eng zusammen und schaffen neue neuronale Verbindungen.

Tangotanzen führt die Rangliste an

Am stärksten war der Anti-Aging-Effekt bei erfahrenen Tangotänzern messbar. Ihre Gehirne waren im Schnitt sieben Jahre jünger als ihr tatsächliches Alter. Aber auch Musizieren, Zeichnen und strategisches Gaming setzten das Gehirnalter um vier bis sechs Jahre zurück.

Gaming meint hier allerdings nicht ausschweifendes Handyspiel-Daddeln. Untersucht wurde die Gehirnleistung erfahrener StarCraft-II-Spieler, ein Echtzeitspiel für den PC, bei dem nicht nur Schnelligkeit gefragt ist, sondern vor allem strategisches Denken. Diese Anforderungen machen bei dem Verjüngungseffekt einen großen Unterschied, wie eine weitere Untersuchung zeigte.

24 Teilnehmende ohne Gaming-Erfahrung sollten hierbei das Strategiespiel StarCraft II lernen: insgesamt 30 Stunden über drei bis vier Wochen hinweg und unter Anleitung. Vor und nach dem Training wurde die Gehirnaktivität gemessen. Herauskam, dass schon diese kurze Zeitspanne ihr Gehirn um drei Jahre verjüngte und Gehirnverbindungen in Bereichen für Wahrnehmung und Aufmerksamkeit zugenommen hatten.

Talent spielt keine Rolle für den Verjüngungseffekt

Der Verjüngungseffekt hängt nicht davon ab, wie talentiert man ist, sondern davon, wie lange und regelmäßig kreative Hobbys ausgeübt werden. Es geht um eine regelmäßige, herausfordernde Aktivität des Gehirns. So zeigten die Untersuchungen: Je erfahrener und geschickter kreative Menschen in ihrer jeweiligen Disziplin waren, desto langsamer altert ihr Gehirn.

Es besteht also ein direkter Zusammenhang zwischen dem Grad der Expertise und dem Verjüngungseffekt. Selbst wenn man erst mit einem Hobby anfängt, kann man die eigene innere Gehirnuhr innerhalb weniger Wochen zurückdrehen. So können schon 20 Minuten kreative Aktivität pro Tag die neuronale Vernetzung fördern.

Ähnlich wie beim Gedächtnistraining kommt es auf die Regelmäßigkeit an. Wer drei Mal pro Woche zum Pinsel greift oder sich an komplexen Strategiespielen versucht, bietet seinem Gehirn kontinuierlich neue Herausforderungen.

Präventive Wirkung gegen Demenz und Alzheimer

Die Ergebnisse sind deshalb so spannend, weil beschleunigtes Altern des Hirns bei vielen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen beobachtet wird. Kreative Hobbys könnten präventiv wirken und sind ein niedrigschwelliges Mittel für jeden Haushalt. Neben körperlicher Aktivität, wie Studien zeigen, gehören kreative Tätigkeiten zu den wirksamsten Methoden, das Gehirn jung zu halten.

Nichtsdestotrotz empfehlen die Forschenden nicht, die Zeit nur noch mit einem einzigen Hobby zu verbringen. Die Kombination verschiedener Aktivitäten ist optimal: körperliche Bewegung für die Durchblutung, soziale Kontakte für emotionale Gesundheit und kreative Hobbys für die kognitiven Funktionen.

Das Einsatzgebiet kreativer Aktivitäten ist vielfältig und könnte beispielsweise Seniorinnen nicht nur die Langeweile vertreiben, sondern auch etwas für ihre Gehirnfitness tun. Sogar Geselligkeit und Austausch wären möglich, indem man gemeinsam malt, bastelt oder in Gruppen kreativ wird. Warum also nicht die zusammenbringen, die von Einsamkeit am stärksten betroffen sind, körperlich vielleicht nicht mehr so fit sind und deren Gehirne besonders profitieren?

Fazit

Kreative Hobbys sind mehr als nur Zeitvertreib. Sie aktivieren verborgene Potenziale in unserem Gehirn und können dessen Alterung um mehrere Jahre verlangsamen. Besonders Malen und Zeichnen fördern die Vernetzung wichtiger Hirnregionen, die für Aufmerksamkeit, Planung und Gedächtnis zuständig sind. Der Effekt tritt unabhängig vom Talent ein, entscheidend sind Regelmäßigkeit und Herausforderung. Schon 20 Minuten täglich können einen messbaren Unterschied machen.

FAQ

Wie oft sollte man malen, um einen Effekt zu erzielen?

Bereits 20 Minuten kreative Aktivität pro Tag können die neuronale Vernetzung fördern. Optimal sind drei bis vier Einheiten pro Woche über einen längeren Zeitraum.

Muss man talentiert sein, damit das Gehirn profitiert?

Nein, der Verjüngungseffekt hängt nicht vom Talent ab, sondern von der Regelmäßigkeit und Dauer der Ausübung. Je länger man ein kreatives Hobby betreibt, desto stärker der Effekt.

Welches kreative Hobby hat den größten Effekt?

Tangotanzen zeigte mit sieben Jahren den stärksten Verjüngungseffekt. Aber auch Malen, Musizieren und strategisches Gaming verjüngen das Gehirn um vier bis sechs Jahre.

Ab welchem Alter sollte man mit kreativen Hobbys beginnen?

Es ist nie zu spät anzufangen. Selbst bei Personen, die erst im höheren Alter mit einem Hobby begannen, zeigte sich nach wenigen Wochen eine messbare Verbesserung der Gehirnaktivität.

Können kreative Hobbys Demenz vorbeugen?

Die Forschung zeigt, dass kreative Aktivitäten präventiv gegen beschleunigtes Altern des Gehirns wirken können, das bei vielen neurologischen Erkrankungen beobachtet wird. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung zur Demenzprävention.