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Es ist ein Satz, der hängenbleibt: „Gesundheit ist kein Zufall. Sie lässt sich lernen, wenn man weiß, worauf es wirklich ankommt.“ Mit dieser Überzeugung begrüßt Clarissa ihre Hörerschaft zur neuen Folge des Vital Gesundheitspodcasts. Die Expertin dieses Tages ist Dr. Cordelia Schott – Orthopädin, Podcasterin, TV-Expertin und Spiegel-Bestsellerautorin. Seit über zwanzig Jahren beobachtet sie in ihrer Praxis, was wir häufig vergessen: Gesundheit ist zu einem großen Teil das Ergebnis unserer Entscheidungen, Routinen und unseres Bewusstseins. Doch selten wird uns diese Macht in der Schule, Universität oder gar im ärztlichen Alltag vermittelt.
Gesundheit – Schicksal oder Fähigkeit?
Ist Gesundheit wirklich eine Fähigkeit, die wir erlernen können, oder doch eher ein Produkt des Zufalls? Dr. Cordelia Schott schildert aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung: Klar, es gibt angeborene Krankheiten, Schicksalsschläge und Dinge, die außerhalb unserer Kontrolle liegen. Doch für einen erstaunlich großen Teil unseres Wohlbefindens sind wir selbst verantwortlich. „Wir produzieren viele Erkrankungen durch unser Verhalten – nicht absichtlich, sondern weil wir es nicht besser wissen“, erzählt Schott.
Sie illustriert ihre These mit einem anschaulichen Beispiel: Zwei Zwillingskinder, denen das Zähneputzen unterschiedlich vermittelt wird. Nach zehn Jahren zeigen sich deutliche Unterschiede beim Zahnarzt. „Wäre das aus deiner Sicht Zufall oder hätte es möglicherweise was mit dem Lifestyle zu tun?“, hakt sie nach. Klar ist: Beim Thema Zähne ist der Zusammenhang für uns alle offensichtlich. Doch warum fällt uns genau dieser Zusammenhang bei anderen gesundheitlichen Fragen so schwer?
Gesundheit ist keine Glückssache, sondern eine Fähigkeit.
— Dr. Cordelia Schott
Bei Ernährung, Muskeln, Bandscheiben oder Gelenken bleibt unser Verständnis oft vage. Die „reparierende“ Medizin setzt meist zu spät an; Prävention und Alltagstricks gehen im Praxisstress oft verloren. Dr. Schott bringt es auf den Punkt: „Wir Ärzte werden immer gerufen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, nicht vorher.“ Doch damit trennt sich nicht Schicksal von Verantwortung, sondern öffnet sich die Tür zur Selbstbestimmung.
„Du hast viel mehr Einfluss, als du denkst“, lautet ihre Botschaft – eine, die Ausreden erschwert, aber Freiheit schafft. Prävention ist dabei das Schlüsselwort. Doch wie sieht echte Prävention im Alltag aus, jenseits der bekannten Empfehlungen wie „mehr bewegen“ oder „gesünder essen“?
Sieben Schlüssel für mehr Wohlbefinden: Bewusstsein als Anfang
Sie verweist auf sieben unterschätzte Schlüssel zur Gesundheit, von denen die meisten nie in Schulen, Ausbildungen oder gar im Medizinstudium vermittelt werden. Einer dieser Schlüssel, sei das Bewusstsein – nicht nur für das, was wir essen, sondern auch für tiefere Zusammenhänge. „Wir haben früher gedacht, die Gene machen 50 Prozent aus und der Lifestyle 50 Prozent. Heute wissen wir: 70 bis 80 Prozent von dem, wie gesund wir sind, können wir beeinflussen.“
Das Bewusstsein darüber, dass nahezu jede Kleinigkeit zählt, verändert den Blick auf das eigene Leben. „Jeder Bissen hat eine Konsequenz... Es gibt kein Essen, das nicht wirkt.“ Ist es wirklich die genetische Veranlagung, wenn in einer Familie Rückenschmerzen, Übergewicht oder Diabetes gehäuft auftreten? Oder handelt es sich doch um übernommene Muster – etwa das Bedürfnis, abends auf der Couch zu naschen statt sich zu bewegen?
Jeder Bissen, den du zu dir nimmst, hat eine Wirkung.
— Dr. Cordelia Schott
Bewusstsein betrifft auch die Hormone, die im Alltag oft unterschätzt werden. Viele Veränderungen, Beschwerden und sogar Schmerzen lassen sich darauf zurückführen. Noch ein Bereich, in dem Wissen Macht verleiht: Schlaf. Für Schott als Orthopädin ist längst klar, dass Schlaf einer der wichtigsten Regenerationsfaktoren ist – und dass ohne guten Schlaf oft keine Heilung möglich ist.
Doch damit nicht genug: Der Schlüssel „Energie“ umfasst Sinn, Lebensmut und die Beziehungen zu anderen Menschen. „Bist du verbunden mit anderen Menschen? Wofür brennst du?“ Diese Energie – sei es durch Familie, Freunde oder den Glauben – hat messbare Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Themen wie Neuroplastizität oder der Vagusnerv zeigen, dass Gedanken und soziale Beziehungen physiologische Effekte haben. „Welcher Arzt fragt dich denn, wie sind ihre Hormone und wie schlafen sie und wie nett ist denn ihr familiärer Umkreis?“, fragt Schott provokant.
Warum bekommen wir das nie beigebracht?
Clarissa bohrt nach: Warum werden uns diese sieben Schlüssel nie beigebracht? Schott lacht kurz und gibt eine ernüchternde Antwort: Die Reparaturmedizin ist historisch gewachsen. „Wir haben eine Reparaturmedizin, weil kulturell, glaube ich, ist es so entstanden. Du hast relativ unbewusst gelebt und wenn du was hattest, bist du früher zu einem Chiropraktiker gegangen oder zu einem Barber und heute zu einem Arzt.“
Prävention wird oft stiefmütterlich behandelt – schon im Medizinstudium und später im Praxistag. Zudem gibt es ein großes ökonomisches Interesse an Krankheiten. „Wenn morgen alle Menschen gesund wären, würden viele Räder stillstehen“, formuliert Schott schonungslos. Die Industrie rund um Tabletten, Untersuchungen und sogar Krankenkassen lebt von Kranken. Prävention bräuchte eine eigene Lobby – und immer mehr Menschen wünschen sich diese Eigenverantwortung.
Du musst schon selber was tun, zum Beispiel eben selber gesunde Sachen essen, am besten Sachen ohne Etikett.
— Dr. Cordelia Schott
Oft fehlt uns sogar die Verbindung zum eigenen Körper. „Wir haben nicht mehr so diese enge Verbindung zu unserem Körper wie ein bester Freund“, sagt Schott. Routinen aus der Kindheit – wie der Zwang, den Teller leer zu essen – haben unterschwellige Prägungen hinterlassen.
Persönliche Anekdoten unterstreichen ihre Überzeugung: Die Geschichte einer Freundin, die jung an einem Infekt stirbt, und Patienten, die durch pflanzlich vollwertige Ernährung trotz schwerer Diagnosen wie Multipler Sklerose schubfrei bleiben. Gesundheit, so Schott, ist ein fortwährender Lernprozess – und er fängt bei ganz kleinen Routinen an.
Mythen, Hormone und die Kunst des Bremsens
Dr. Schott räumt mit bekannten Mythen auf: Prävention sei weder teuer noch kompliziert. „Kannst heute anfangen“, betont sie. Muskeln, erklärt Schott, produzieren sogar „Myokine“ – hormonähnliche Botenstoffe, die heilende Effekte im ganzen Körper anstoßen. Schon zehn Kniebeugen täglich, kostenfrei und ohne sportliche Höchstleistungen, können die Gesundheit positiv beeinflussen. Und während viele das Gefühl haben, gesunde Ernährung bedeute Verzicht, empfiehlt Schott das 80-20-Prinzip: 80 Prozent konsequent pflanzlich und vollwertig, 20 Prozent Genussmomente – ohne schlechtes Gewissen.
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Wirkung unserer Beziehungen und der eigene Umgang mit Stress. Freundschaften, Familie, Kollegen – sie können heilen oder krank machen. Anspannung aktiviert unser „Gas“, doch wir sollten lernen, zu bremsen. Durch einfache Techniken – wie die bewusste Atmung oder den Blick in die Ferne – kann jeder sein Nervensystem steuern. „Stress ist der Gesundheitskiller Nummer eins.“
Wenn du diese sieben Schlüssel hast ... dann hast du wahnsinnig viel in der Hand.
— Dr. Cordelia Schott
Was bleibt, sind praktische Routinen: Fünf Hände voll Rohkost pro Tag, Bewegung als tägliche Selbstverständlichkeit wie das morgendliche Zähneputzen, und kleine Rituale, die zur Gewohnheit werden. Gesundheit entsteht nicht aus Know-how allein – Wissen ist die halbe Miete, Tun ist die andere Hälfte. „Konsequenz schlägt Perfektion. Man muss es nicht perfekt machen. Einfach nur machen.“
Hormone nehmen im Gespräch einen besonderen Platz ein. Von Östrogen und Testosteron, deren Schwankungen weitreichende körperliche und psychische Auswirkungen haben, bis zu Stresshormonen wie Cortisol und Melatonin, die durch Bewegung, Ernährung, Tageslicht und Schlafhygiene beeinflusst werden können. Schott schildert anschauliche Beispiele: „Eine Patientin kam mit Tennisarm-Symptomen – Ursache war aber der Hormonabfall in den Wechseljahren.“ Wieder eine Erinnerung daran: Alles hängt zusammen, und wir haben mehr Einfluss als uns bewusst ist.
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